Wasserstoff: Wir wollen – Wir können – Wir machen

Zwischenbilanz beim Zweiten Wasserstoffgipfel im Chemiedreieck – „Inn-Salzach“ soll Pilotregion werden

Burghausen. „Wir wollen – Wir können – Wir Machen“. Auf diese kurze Formel brachte Anton Steinberger, Geschäftsführer der Gesellschaft Regio Invest das Fazit des zweiten „Wasserstoffgipfels“ im Bayerischen Chemiedreieck am Dienstag Nachmittag im AudiMax des Campus Burghausen. Im Fokus stehen nicht nur das Potenzial in der unmittelbaren Nutzung von Wasserstoff am KombiTerminal in Burghausen (KTB) sowie im regionalen Transport und Busverkehr, sondern auch als Zukunftstechnologie in der chemischen Industrie, als Gegenstand der Forschung und als substanzieller Beitrag zur Defossilisierung der Wirtschaft; Defossilierung steht für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, aber auch Erdöl und Erdgas.

Bereits im Januar hatten die Vertreter aus Wirtschaft und Politik in der Region die Initiative von Landtagsabgeordneten Dr. Martin Huber aus Töging aufgegriffen, um konkret in der Region eine Vorreiterrolle einzunehmen. Busunternehmer Heino Brodschelm mahnte dazu im zweiten Forum, über große mittelfristige und ferne Ziele nicht den konkreten Einstieg in die Technologie und einen Start in kleinem Rahmen zu verpassen. Gedacht ist nun zunächst an die Anschaffung von jeweils fünf Lkws und Bussen mit Wasserstofftechnologie im Antriebssystem. Eine Übersicht über das weitere Vorgehen hat die „white energy GmbH“ bereits im Auftrag der Regio Invest GmbH erstellt. Mittlerweile ist die Regio Invest auch Mitglied in der Organisation „H² Süd e.V.“, der Wasserstoffinitiative Bayern und Baden Württemberg. Im Fokus steht außerdem eine Nutzung des in der Region anfallenden Wasserstoffes, zum Beispiel bisher ein Nebenprodukt in der Produktion bei Vinnolit in Gendorf, für eine höherwertige Anwendung und für eine nachhaltige Mobilität; Anschaffung von Wasserstoff(H²) betriebenen Transportern und Bussen, zum Beispiel im Shuttle-Verkehr im Bereich des Kombiterminals und der Aufbau der notwendigen Infrastruktur, zum Beispiel einer Tankstelle im Bereich des KTB und in Folge auch an der B20. Auch das Forschungs- und Entwicklungspotenzial in Zusammenarbeit von Industrie und TH Rosenheim sowie unter Einbindung weiterer Hochschulen und die Profilierung der Region als Zukunftsregion sollten nicht unterschätzt, sondern genutzt werden.

Bei allem Potenzial, nicht nur für die Region, und dem Ziel einer nachhaltigen Umweltbilanz und Reduktion des CO²-Ausstoßes gaben vor allem Dr. Bernhard Langhammer, Chemiker und Geschäftsleiter des Chemieparkbetreibers InfraServ Gendorf sowie Burghausens Altbürgermeister Hans Steindl auch Risiken zu bedenken. Dr. Langhammer stellte zwar das hervorragende Potenzial des Wasserstoffs als Energieträger und auf dem Weg in eine Industriewirtschaft mit Trend zu Null-Emmissionen bei Kohlendioxid (CO²) heraus, verwies aber zugleich auf technologische Herausforderungen, denn Wasserstoff ist hochexplosiv und hoch diffundierend. Das heißt, er ist schwer durch Dichtungen in Zaum zuhalten und entzündet sich außerdem sehr leicht.

Auch die Preise müssten im Auge behalten werden, denn steigt man in den Umbau der Industrieproduktion auf Basis von Wasserstoff ein, um auch hier CO²-Ausstoß zu reduzieren (zum Beispiel in der Herstellung von Stahl) so müsse die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt beachtet werden. Es sei durchaus realistisch, dass sich weltweit das gesamte Produktionsgefüge verlagern könne.

Absolut verlässliche politische Rahmenbedingungen für die an sich vielversprechende Investition in die Wasserstoff-Technologie mahnte Burghausens Altbürgermeister Hans Steindl an. Als positives Beispiel habe sich vor gut zehn Jahren der Bau des Ethylen-Pipelines-Verbundes (EPS) gezeigt. Hier hatten Unternehmen die Planung und Ausführung übernommen und auch erhebliche Kosten gestemmt. Das Projekt war mit konstruktiver Unterstützung des Staats gut gelaufen. Ganz anders das zunächst ebenfalls vielversprechende Projekt des Gaskraftwerkes der OMV in Haiming vor gut zehn Jahren: Hier hatten jedoch geänderte Rahmenbedingungen nach Vorleistungen des Unternehmens das Aus für das Projekt gebracht. Das dürfe nicht mehr passieren.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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