Wacker Chemie AG: Konzernumsatz des 2. Quartals 2020 liegt mit 1,07 Mrd. € um 15 Prozent unter Vorjahr

Geringere Absatzmengen auf Grund der Corona-Pandemie prägen im 2. Quartal 2020 die Umsatz- und Ergebnisentwicklung von WACKER - Aufgrund der Risiken aus der Corona-Pandemie ist ein konkreter Ausblick für das Gesamtjahr 2020 weiterhin nicht möglich

Von den ca. 14.500 Mitarbeitern, die weltweit für WACKER arbeiten, sind rund 8.100 am Standort Burghausen beschäftigt. Damit ist WACKER der größte Arbeitgeber der chemischen Industrie in Bayern. Alle Geschäftsbereiche von WACKER produzieren hier: WACKER SILICONES, WACKER BIOSOLUTIONS, WACKER POLYMERS und WACKER POLYSILICON. (Foto: Wacker Chemie AG)

Von den ca. 14.500 Mitarbeitern, die weltweit für WACKER arbeiten, sind rund 8.100 am Standort Burghausen beschäftigt. Damit ist WACKER der größte Arbeitgeber der chemischen Industrie in Bayern. Alle Geschäftsbereiche von WACKER produzieren hier: WACKER SILICONES, WACKER BIOSOLUTIONS, WACKER POLYMERS und WACKER POLYSILICON. (Foto: Wacker Chemie AG)

München/Burghausen, 30.07.2020 - Die Wacker Chemie AG hat das 2. Quartal 2020 mit einem Gesamtumsatz und einem EBITDA unter Vorjahr abgeschlossen. Im Berichtsquartal erwirtschaftete der Münchner Chemiekonzern Umsatzerlöse in Höhe von 1.072,4 Mio. € (Q2 2019: 1.268,5 Mio. €). Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal (1.197,5 Mio. €) ist der Umsatz um 10 Prozent gesunken. Ausschlaggebend für diesen Rückgang waren niedrigere Absatzmengen auf Grund der Corona-Pandemie. Insgesamt niedrigere Preise, vor allem für Solarsilicium und Standardsilicone, haben die Umsatzentwicklung zusätzlich gebremst. Dagegen haben Wechselkursveränderungen durch den im Jahresvergleich stärkeren US-Dollar den Umsatz positiv beeinflusst.

WACKER hat im 2. Quartal 2020 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 105,4 Mio. € erwirtschaftet. Das sind 50 Prozent weniger als im Vorjahr (210,7 Mio. €). Maßgeblich für diesen Rückgang waren niedrigere Absatzmengen sowie die geringeren Durchschnittspreise für Solarsilicium und Standardsilicone. Positiv ausgewirkt haben sich niedrigere Rohstoff- und Energiekosten. Gegenüber dem Vorquartal (174,1 Mio. €) ist das EBITDA um 39 Prozent zurückgegangen. Für das Berichtsquartal ergibt sich im WACKER-Konzern eine EBITDA-Marge von 9,8 Prozent (Q2 2019: 16,6 Prozent). Im Vorquartal hatte sie 14,5 Prozent betragen.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist im Berichtsquartal auf 1,8 Mio. € gesunken (Q2 2019: 70,7 Mio. €). Das sind 98 Prozent weniger als vor einem Jahr und entspricht einer EBIT-Marge von 0,2 Prozent (Q2 2019: 5,6 Prozent). Auch gegenüber dem 1. Quartal 2020 (69,8 Mio. €) ist das EBIT deutlich zurückgegangen. Ausschlaggebend für den Rückgang waren die bereits genannten Faktoren. Die Abschreibungen beliefen sich im Berichtsquartal auf 103,6 Mio. € (Q2 2019: 140,0 Mio. €). Das sind 26 Prozent weniger als im Vorjahr. Hier wirkt sich unter anderem die Sonderabschreibung von 760 Mio. € auf die Polysiliciumanlagen aus, die WACKER zum 31. Dezember 2019 vorgenommen hatte. Die laufenden Abschreibungen sind dadurch zurückgegangen. Das Periodenergebnis des Berichtsquartals summiert sich auf 4,5 Mio. € (Q2 2019: 37,2 Mio. €) und das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 0,07 € (Q2 2019: 0,68 €).

Auf Grund der Risiken aus der Corona-Pandemie hat WACKER bereits im Bericht zum 1. Quartal 2020 davon Abstand genommen, eine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 abzugeben. Eine verlässliche Einschätzung der weiteren Entwicklung ist nach wie vor nicht möglich. Das Unternehmen erwartet aber, dass in Folge der Pandemie der Umsatz, das EBITDA und die EBITDA-Marge für das Geschäftsjahr 2020 unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Beim Netto-Cashflow geht WACKER von einem über dem Vorjahr liegenden Wert aus.

„Die Ausbreitung des Coronavirus hat weltweit zu einem wirtschaftlichen Abschwung geführt“, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Donnerstag in München. „Auch wir spüren die Auswirkungen der Pandemie auf unser Geschäft. Je nach Marktsegment waren die Effekte unterschiedlich stark. In unseren Chemiebereichen haben wir den Nachfragerückgang vor allem bei Siliconen für die Segmente Automobil und Textil im 2. Quartal deutlich gespürt. Im Baubereich ist die Nachfrage dagegen vergleichsweise stabil geblieben. Bei Silicon- und Hybriddichtstoffen, ebenso wie im Geschäft mit Dispersionspulvern und Baudispersionen, waren die Rückgänge deshalb wesentlich geringer. Sehr solide gestaltete sich das Geschäft mit Produkten für Anwendungen rund um die Themen Medizin, Gesundheit und Hygiene.“

Weiterhin schwierig sind nach Staudigls Worten die Marktbedingungen im Geschäft mit Solarsilicium. Die Absatzmengen seien im 2. Quartal auf Grund des Nachfragerückgangs in Folge der Corona-Pandemie rückläufig gewesen. Dazu komme das niedrige Preisniveau, das nicht nur WACKER POLYSILICON, sondern auch die Wettbewerber des Unternehmens weiterhin vor große Herausforderungen stelle.

„Nach wie vor bestehen bei Solarsilicium strukturelle Überkapazitäten chinesischer Wettbewerber. Deutlich besser dagegen verlief das Geschäft mit der Halbleiterindustrie. Hier blieb die Nachfrage unserer Kunden auf hohem Niveau“, betonte der Konzernchef.

Mit Blick auf die Herausforderungen, die sich aus der Corona-Pandemie für das Unternehmen ergeben haben, sagte Staudigl: „Wir haben in den vergangenen Monaten alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und gleichzeitig unser operatives Geschäft am Laufen zu halten. Hygiene- und Abstandsregeln, die wir frühzeitig im Unternehmen eingeführt haben, haben sich bewährt. Regelungen zu Dienstreisen und Arbeiten aus dem Home-Office werden dem Infektionsgeschehen entsprechend laufend angepasst.“

Wie Staudigl weiter erläuterte, steuert WACKER in einigen Bereichen weiterhin gezielt mit Kurzarbeit gegen, um seine Kapazitäten dem Marktbedarf anzupassen. Gleichzeitig habe das Unternehmen sein Investitionsbudget für das laufende Jahr der gegenwärtigen Wirtschafts- und Geschäftslage angepasst und entsprechend auf 250 Mio. € zurückgenommen. Dies stärke die Liquidität.

Zum laufenden Effizienzprogramm des Konzerns sagte Staudigl: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen uns deutlich, dass die Umsetzung von ,Zukunft gestalten‘ wichtiger und dringlicher denn je ist. Mit dem Programm, das wir bereits im November 2019 angestoßen haben, wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken, unser Unternehmen schlanker, schneller und flexibler machen und unsere Kosten signifikant senken. Die angestrebten Einsparungen von jährlich 250 Mio. € kommen dabei je zur Hälfte aus Sachkosten und Personalkosten.“

Staudigl sieht das Unternehmen bei der Umsetzung des Effizienzprogramms auf einem guten Weg. Während die Einsparungen bei den Personalkosten 2020 noch gering seien, erwarte er bei den Sachkosten bereits im laufenden Jahr eine Summe von mehr als 50 Mio. €. Mit der vollen Summe aus dem Gesamtprogramm von 250 Mio. € jährlich rechne das Unternehmen ab Ende des Jahres 2022.

„Für die organisatorische Neuausrichtung des Unternehmens und die dazu notwendigen Einzelmaßnahmen haben wir einen detaillierten Plan aufgestellt, den wir derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen erörtern. Unser Ziel ist es, dass wir hier zügig zu einer Vereinbarung kommen“, hob der Konzernchef hervor.

Regionen
Im 2. Quartal 2020 ist der Konzernumsatz in allen Regionen zurückgegangen. Ausschlaggebend dafür war die rückläufige Nachfrage auf Grund der Corona-Pandemie. Besonders deutlich fiel der Rückgang in Amerika aus. Hier sanken die Erlöse auf 195,4 Mio. €. Das sind 19 Prozent weniger als im Vorjahr (242,7 Mio. €). In Asien belief sich der Konzernumsatz im Berichtsquartal auf 362,9 Mio. € (Q2 2019: 434,5). Das sind 16 Prozent weniger als vor einem Jahr. In Europa summierten sich die Erlöse auf 458,5 Mio. € (Q2 2019: 527,1 Mio. €), ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Investitionen und Netto-Cashflow
Die Investitionen des Konzerns beliefen sich im 2. Quartal 2020 auf 39,8 Mio. € (Q2 2019: 104,7 Mio. €). Das sind 62 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Mittel gingen vor allem in den Ausbau der Kapazitäten für Silicon- und Polymerprodukte.

Der Netto-Cashflow hat sich im 2. Quartal 2020 mit 136,8 Mio. € gegenüber dem Vorjahr (21,8 Mio. €) mehr als versechsfacht. Die wesentlichen Ursachen für diesen kräftigen Anstieg sind die deutlich höheren Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft bei gleichzeitig geringeren Investitionen.

Mitarbeiter
Die Zahl der bei WACKER weltweit Beschäftigten ist im Berichtsquartal leicht zurückgegangen. Zum Stichtag 30. Juni 2020 waren im Konzern 14.382 (31.03.2019: 14.597) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. An den WACKER-Standorten in Deutschland arbeiteten zum Ende des Berichtsquartals 10.187 (31.03.2020: 10.334) Beschäftigte, an den internationalen Standorten waren es 4.195 (31.03.2020: 4.263) Mitarbeiter.

Geschäftsbereiche
WACKER SILICONES hat im 2. Quartal 2020 einen Gesamtumsatz von 533,0 Mio. € erzielt. Das sind 18 Prozent weniger als im Vorjahr (650,0 Mio. €). Vor allem geringere Absatzmengen auf Grund der wegen der Corona-Pandemie geringeren Nachfrage und niedrigere Preise für Standardsilicone haben die Umsatzentwicklung gebremst. Besonders ausgeprägt waren die Rückgänge bei Siliconen für die Automobil- und die Textilindustrie. Währungsveränderungen haben den Umsatz dagegen positiv beeinflusst. Im Vergleich zum Vorquartal (590,0 Mio. €) ist der Umsatz um 10 Prozent zurückgegangen. Das EBITDA von WACKER SILICONES lag im Berichtsquartal mit 68,1 Mio. € um jeweils 43 Prozent unter Vorjahr (119,8 Mio. €) und unter dem Wert des Vorquartals (118,6 Mio. €). Die EBITDA­Marge belief sich im 2. Quartal 2020 auf 12,8 Prozent nach 18,4 Prozent im 2. Quartal 2019 und 20,1 Prozent im Vorquartal.

Der Gesamtumsatz von WACKER POLYMERS liegt im Berichtsquartal mit 297,6 Mio. € um 16 Prozent unter Vorjahr (353,3 Mio. €). Im Vergleich zum Vorquartal (330,8 Mio. €) ist der Umsatz um 10 Prozent gesunken. Niedrigere Absatzmengen auf Grund der Corona-Pandemie haben vor allem das Geschäft mit Dispersionen für verschiedene Industrie- und Konsumgüteranwendungen erheblich gebremst. Zusätzlich waren die Preise für Dispersionen und Dispersionspulver im Berichtszeitraum leicht rückläufig. Währungseffekte haben sich dagegen positiv auf die Umsatzentwicklung ausgewirkt. Das EBITDA von WACKER POLYMERS summierte sich im 2. Quartal 2020 auf 58,8 Mio. € (Vorjahr 52,7 Mio. €). Das ist ein Plus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem die sehr gute Kostenstruktur hat das EBITDA positiv beeinflusst. Im Vergleich zum Vorquartal (61,5 Mio. €) ist das EBITDA vor allem mengenbedingt um 4 Prozent zurückgegangen. Die EBITDA-Marge lag im Berichtsquartal bei 19,8 Prozent nach 14,9 Prozent im Vorjahr und 18,6 Prozent im Vorquartal.

WACKER BIOSOLUTIONS erzielte im 2. Quartal 2020 einen Gesamtumsatz von 62,9 Mio. €. Das sind 4 Prozent mehr als im Vorjahr (60,8 Mio. €). Besonders gut hat sich im Berichtszeitraum das Geschäft mit biotechnologisch hergestellten Wirkstoffen für die Pharmaindustrie und mit Cyclodextrinen entwickelt. Währungseinflüsse wirkten sich ebenfalls positiv auf die Erlöse aus. Gegenüber dem Vorquartal (63,3 Mio. €) ist der Umsatz des Geschäftsbereichs um 1 Prozent gesunken. Das EBITDA von WACKER BIOSOLUTIONS hat sich im Berichtsquartal mit 15,8 Mio. € gegenüber dem Vorjahr (7,3 Mio. €) mehr als verdoppelt. Im Vergleich zum Vorquartal (8,5 Mio. €) beträgt das Plus 86 Prozent. Zusätzlich zum höheren Umsatz stützte neben der guten Auslastung und Kostenstruktur ein Sonderertrag aus einem Kundenprojekt das Ergebnis. Die EBITDA­Marge stieg auf 25,1 Prozent nach 12,0 Prozent im Vorjahr und 13,4 Prozent im 1. Quartal 2020.

WACKER POLYSILICON hat im Berichtsquartal einen Gesamtumsatz von 152,5 Mio. € erzielt. Das sind 10 Prozent weniger als im Vorjahr (169,9 Mio. €). Vor allem die deutlich geringeren Absatzmengen und die niedrigeren Durchschnittspreise bei Solarsilicium haben die Umsatzentwicklung gebremst. Gegenüber dem Vorquartal (184,3 Mio. €) ist der Umsatz mengen- und preisbedingt um 17 Prozent zurückgegangen. Das EBITDA von WACKER POLYSILICON belief sich im Berichtsquartal auf -35,0 Mio. €. Gegenüber dem Vorjahr (5,7 Mio. €) ist das eine Verschlechterung um 40,7 Mio. €. Zusätzlich zum niedrigeren Umsatz haben Bestandsbewertungen und die geringere Auslastung der Produktionsanlagen das EBITDA gemindert. Im Vergleich zum Vorquartal (-13,7 Mio. €) ist das EBITDA um 21,3 Mio. € gesunken. Von April bis Juni 2020 errechnet sich für den Geschäftsbereich eine EBITDA­Marge von -22,9 Prozent nach 3,4 Prozent im 2. Quartal 2019 und -7,4 Prozent im 1. Quartal 2020.

Ausblick
WACKER hat seine Einschätzungen zur voraussichtlichen Entwicklung des Unternehmens im laufenden Jahr im Prognosebericht des Geschäftsberichts 2019 ausführlich dargestellt. Im Bericht zum 1. Quartal 2020 hat WACKER auf Grund der Risiken aus der Corona-Pandemie davon Abstand genommen, eine Prognose für das Geschäftsjahr 2020 abzugeben.

Wegen der zunehmenden Konkretisierung der Risiken aus der Corona-Pandemie und der anhaltend dynamischen Entwicklung des weltweiten Infektionsgeschehens ist es nach wie vor nicht verlässlich abzusehen, wie lange und wie stark die weltweit getroffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie das Geschäft des Unternehmens beeinträchtigen werden. Ein konkreter Ausblick für das Gesamtjahr 2020 ist weiterhin nicht möglich. Das Unternehmen erwartet aber, dass in Folge der Pandemie der Umsatz, das EBITDA und die EBITDA-Marge für das Geschäftsjahr 2020 unter dem Niveau des Vorjahres liegen werden. Beim Netto-Cashflow geht WACKER von einem über dem Vorjahr liegenden Wert aus.

Unternehmenskurzprofil:

WACKER ist ein global operierender Chemiekonzern mit rund 14.700 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 4,93 Mrd. € (2019).

WACKER verfügt weltweit über 24 Produktionsstätten, 23 technische Kompetenzzentren und 51 Vertriebsbüros.

WACKER SILICONES
Siliconöle, -emulsionen, -kautschuke und -harze, Silane, Pyrogene Kieselsäuren, Thermoplastische Siliconelastomere

WACKER POLYMERS
Polyvinylacetate und Vinylacetat-Co- und Terpolymere in Form von Dispersionspulvern, Dispersionen, Festharzen und Lösungen

WACKER BIOSOLUTIONS
Biotechnologische Produkte wie Cyclodextrine, Cystein und Biopharmazeutika,außerdem Feinchemikalien und Polyvinylacetat-Festharze

WACKER POLYSILICON
Polysilicium für die Halbleiter- und Photovoltaikindustrie

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