Für 4,68 Mrd. US-Dollar: OMV stockt Beteiligung an Borealis auf 75 Prozent auf

Wichtiger Schritt zur Erweiterung der Wertschöpfungskette der OMV in Richtung höherwertiger chemischer Produkte, um den Konzern für eine CO2-ärmere Zukunft neu zu positionieren

Blick auf den Raffineriestandort Burghausen: Die Borealis Polymere GmbH beschäftigt hier rund 240 Mitarbeiter. Borealis in Burghausen betreibt zwei Polypropylen-Anlagen (PP) mit einer Gesamtkapazität von rund 600.000 Tonnen pro Jahr. OMV Deutschland betreibt mit rund 500 Mitarbeitern am Standort Burghausen eine petrochemische Raffinerie zur Herstellung von Mineralölprodukten im sogenannten Mitteldestillatbereich (Diesel, Heizöl, Kerosin) und petrochemischen Produkten. Die Raffinerie Burghausen verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 3,8 Mio. (Foto: OMV)

Blick auf den Raffineriestandort Burghausen: Die Borealis Polymere GmbH beschäftigt hier rund 240 Mitarbeiter. Borealis in Burghausen betreibt zwei Polypropylen-Anlagen (PP) mit einer Gesamtkapazität von rund 600.000 Tonnen pro Jahr. OMV Deutschland betreibt mit rund 500 Mitarbeitern am Standort Burghausen eine petrochemische Raffinerie zur Herstellung von Mineralölprodukten im sogenannten Mitteldestillatbereich (Diesel, Heizöl, Kerosin) und petrochemischen Produkten. Die Raffinerie Burghausen verfügt über eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 3,8 Mio. (Foto: OMV)

  • Transaktion unterstützt durch ein Veräußerungsprogramm von EUR 2 Mrd. bis Ende 2021, Synergien von EUR 700 Mio bis Ende 2025 sowie durch ein aktives Cash-Flow-Management
  • Sofortige Steigerung des Gewinns pro Aktie
  • Abschluss der Transaktion bis Ende 2020 erwartet

Wien/Burghausen, 12.03.2020 - Die OMV, das internationale, integrierte Öl- und Gasunternehmen mit Sitz in Wien und Mubadala Investment Company, die in Abu Dhabi ansässige strategische Investmentgesellschaft, unterzeichneten heute eine Vereinbarung, die der OMV eine Mehrheitsbeteiligung an Borealis, einem der führenden petrochemischen Unternehmen Europas, bringen wird. Die OMV, die derzeit 36% der Anteile an Borealis hält, wird weitere 39% von Mubadala erwerben und damit ihren Anteil auf 75% erhöhen. Mubadala wird einen Anteil von 25% behalten. Der Abschluss der Transaktion wird bis Ende 2020 erwartet und unterliegt der Zustimmung der Aufsichtsbehörden.

Gemäß der Vereinbarung ist die OMV zu allen Dividenden nach dem 31. Dezember 2019 in Bezug auf die ausgeschütteten zusätzlichen Anteile an der Borealis berechtigt. Die OMV wird die Ergebnisse der Borealis in ihrem Jahresabschluss voll konsolidieren. Borealis erzielte im Jahr 2019 weltweit einen Gesamtumsatz von EUR 9,8 Mrd. und einen Nettogewinn von EUR 872 Mio.

Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der OMV: „Diese Transaktion ist nicht nur ein weiterer Meilenstein in der Umsetzung unserer Strategie, sondern die größte Veränderung in der Geschichte der OMV. Damit wird die OMV zu einem globalen Öl-, Gas- und Chemiekonzern, dessen integriertes Geschäftsmodell vom Bohrkopf bis zu hochwertigem Kunststoff reicht und den Konzern für eine klimaverträgliche Zukunft neu positioniert.“

Die weltweite Nachfrage nach Monomeren und Polymeren wächst rasch, angetrieben durch ein starkes langfristiges Wirtschaftswachstum und verbesserte Lebensstandards in den Schwellenländern sowie ein stetiges Wachstum in den höher entwickelten Volkswirtschaften. Der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an Borealis macht die OMV zu einem führenden Anbieter von Polyolefinen und Basischemikalien. Die gemeinsamen Produktionskapazitäten machen die OMV zur Nummer 1 unter den Ethylen- und Propylenproduzenten in Europa und zu einem der Top 10 Polymerhersteller weltweit. Die Übernahme ist eine strategische Erweiterung der Wertschöpfungskette der OMV im Bereich der hochwertigen Chemikalien. Dies wirkt als natürlicher Hedge gegen die Zyklizität der einzelnen Wertschöpfungsstufen sowohl hinsichtlich der Mengen als auch der Marktspreads, wodurch das Risiko der OMV gegenüber volatilen Märkten minimiert wird.

Musabbeh Al Kaabi, CEO, Petroleum & Petrochemicals, Mubadala, sagt: „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Borealis ein führendes Unternehmen in seinem Sektor sein wird. Wir behalten einen erheblichen Anteil an dem Unternehmen, und zwar über die direkte 25%-ige Beteiligung, die wir zusammen mit unserer bestehenden 24,9%-igen Beteiligung an der OMV halten. Als bedeutender Aktionär der OMV, erkennen wir die starke strategische Eignung und den ergänzenden Charakter des Geschäfts von Borealis beim Ausbau ihrer Position im Downstream Bereich an.“

Borealis mit Hauptsitz in Wien/Österreich, beschäftigt derzeit rund 6.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ist in über 120 Ländern tätig. In Zusammenarbeit mit Borouge, einem Joint Venture mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), und mit Baystar™, einem Joint Venture mit Total in Texas/USA, bietet das Unternehmen Dienstleistungen und Produkte für Kunden weltweit an. Borealis erzielt stetig starke Finanzergebnisse. Als weitere Folge dieser Transaktion wird OMV den 40%-igen Anteil von Borealis an Borouge und den 50%-igen Anteil an Baystar at-equity konsolidieren.

„Der Markt für nachhaltige Chemikalien und die Volumina der Kreislaufwirtschaft sind sehr interessant und zeigen ein starkes Wachstum. Sowohl die OMV als auch Borealis haben diese Chance erkannt und werden nun ihre Kräfte bündeln. Damit wird die Wertschöpfungskette noch weiter verlängert, nämlich über den Lebenszyklus von Kunststoffprodukten hinaus“, sagt Thomas Gangl, Vorstandsmitglied und Chief Downstream Operations Officer.

Die Aktivitäten von Borealis im Bereich Kunststoffrecycling, wie z.B. die Recyclinganlagen EcoPlast (Österreich) und MTM Plastics (Deutschland), das Projekt STOP (Meeresabfälle) und die Initiative Design For Recycling (DFR) sind eine perfekte Ergänzung zur ReOil-Technologie der OMV für das chemische Recycling von Post-Consumer-Kunststoff zu synthetischem Rohöl.

Mit der Transaktion kündigte die OMV ein Veräußerungsprogramm von EUR 2 Mrd. bis Ende 2021 an. Darüber hinaus erwartet die OMV bis Ende 2025 Synergien in Höhe von EUR 700 Mio., die aus reduzierten Kosten, gestrafften Abläufen und Steuervorteilen resultieren. Die OMV wird auch ihren Geldabfluss durch die Verschiebung oder Neubewertung bereits geplanter Projekte optimieren. Im Jahr 2020 werden die geplanten organischen Investitionen für die OMV um EUR 200 Mio. auf EUR 2,2 Mrd. reduziert. Auch die Investitionspläne für die nächsten Jahre werden kritisch hinterfragt. Aufgrund dieser Maßnahmen sowie des starken organischen freien Cashflows der OMV erwartet der Konzern, den Verschuldungsgrad ohne Leasingverbindlichkeiten bis Ende 2021 auf rund 30% zu senken. Gleichzeitigt bestätigt die OMV ihre progressive Dividendenpolitik.

Hintergrundinformation:

Mubadala Investment Company
Mubadala Investment Company ist ein staatlicher Investor, der ein globales Portfolio verwaltet, um nachhaltige finanzielle Renditen für seinen Aktionär, die Regierung von Abu Dhabi, zu erzielen. Mubadalas Portfolio in Höhe von USD 229 Mrd umfasst fünf Kontinente mit Beteiligungen in verschiedenen Sektoren, darunter Luft- und Raumfahrt, IKT, Halbleiter, Metalle und Bergbau, erneuerbare Energien, Öl und Gas, Petrochemie, Versorgungsunternehmen, Gesundheitswesen, Immobilien, Arzneimittel und Medizintechnik, Agrarindustrie und ein globales Portfolio von Finanzbeteiligungen über alle Anlageklassen hinweg. Mubadala hat Büros in Rio de Janeiro, Moskau, New York und San Francisco sowie ein Joint Venture in Hongkong. Mubadala ist ein vertrauenswürdiger Partner, ein engagierter Aktionär und ein verantwortungsbewusstes globales Unternehmen, das sich zu weltweit höchste Governance-Standards verpflichtet fühlt.

Borealis AG
Borealis ist ein führender Anbieter innovativer Lösungen in den Bereichen Polyolefine, Basischemikalien und Pflanzennährstoffe. Borealis hat seine Konzernzentrale in Wien, Österreich, beschäftigt derzeit mehr als 6.900 Mitarbeiter und ist weltweit in über 120 Ländern aktiv. Im Jahr 2019 erwirtschaftete Borealis Umsatzerlöse von EUR 8,1 Mrd und einen Nettogewinn von EUR 872 Mio. Borealis steht zu 64% im Eigentum von Mubadala, über deren Beteiligungsgesellschaft, sowie zu 36% der OMV, einem integrierten, internationalen Öl- und Erdgasunternehmen mit Sitz in Österreich. Gemeinsam mit Borouge, einem Joint Venture mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), und Baystar™, einem Joint Venture mit Total und NOVA Chemicals in Texas, USA, liefert Borealis Produkte und Dienstleistungen für Kunden auf der ganzen Welt.

Rückfragehinweis:

OMV Public Relations:
Andreas Rinofner
Tel.: +43 1 40440-21357
public.relations@omv.com

OMV Investor Relations:
Florian Greger
Tel.: +43 1 40440-21600
investor.relations@omv.com

 

Hintergrundinformationen:

OMV Deutschland GmbH
Die OMV Deutschland mit Unternehmenssitz in Burghausen ist ein wichtiger Versorger von Mineralölprodukten und petrochemischen Grundstoffen in Süddeutschland. Sie ist eine 100%-Tochter des OMV Konzerns mit Sitz in Wien, Österreich. Die Aktivitäten umfassen das Raffinerie-, Geschäftskunden- und Tankstellengeschäft. Die OMV Deutschland verfügt derzeit über rund 280 Tankstellen, davon mehr als 220 in Bayern. Dies entspricht einem Marktanteil von knapp 10%. Weitere Stationen befinden sich in Baden-Württemberg und Hessen.
 
Das OMV Tanklager Feldkirchen, bestehend aus eigenen Lagertanks sowie Tanks, die im Auftrag des Erdölbevorratungsverbands (EBV) betrieben werden, gewährleistet seit Anfang der 1970er Jahre die Versorgungssicherheit des Großraums München und der Region mit Diesel und Heizöl. Mit Kerosin aus der Raffinerie Burghausen ist das Tanklager Feldkirchen über eine direkte Pipeline Hauptlieferant des Flughafens München.
 
Der Raffineriestandort in Burghausen agiert im strategischen Raffinerieverbund der OMV neben den beiden anderen Standorten Schwechat bei Wien und Petrobrazi in Rumänien. Burghausen hat eine jährliche Verarbeitungskapazität von rund 3,8 Mio Tonnen Rohöl. Es werden Mitteldestillate wie Kerosin, Diesel und Heizöl hergestellt. Den Schwerpunkt der Raffinerie bildet die Petrochemie. Dabei wird das Rohbenzin nicht zu Ottokraftstoffen, sondern im Weiteren zu petrochemischen Grundstoffen wie Ethylen, Propylen und Butadien verarbeitet.
 
OMV Aktiengesellschaft
Die OMV fördert und vermarktet Öl und Gas, innovative Energielösungen und hochwertige petrochemische Produkte – in verantwortlicher Weise. Mit einem Konzernumsatz von EUR 23 Mrd und einem Mitarbeiterstand von rund 20.200 im Jahr 2018 ist die OMV Aktiengesellschaft eines der größten börsennotierten Industrieunternehmen Österreichs. Im Bereich Upstream verfügt die OMV über eine starke Basis in Rumänien und Österreich und ein ausgeglichenes internationales Portfolio mit der Nordsee, dem Mittleren Osten & Afrika, Russland und Asien-Pazifik als weitere Kernregionen. 2018 lag die Tagesproduktion bei rund 427.000 boe/d. Im Bereich Downstream betreibt die OMV drei Raffinerien mit einer jährlichen Kapazität von 17,8 Mio Tonnen und etwa 2.100 Tankstellen in zehn Ländern. Die OMV verfügt über Gasspeicher in Österreich sowie Deutschland; die Tochtergesellschaft Gas Connect Austria GmbH ist Betreiberin eines Gaspipelinenetzes. 2018 hat die OMV etwa 114 TWh Gas verkauft. Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die OMV wird bis 2025 EUR 500 Mio in innovative Energielösungen investieren.