Die Werkskatzen im Chemiedreieck

Seit Jahren kooperiert die Tierhilfe mit der Industrie – Katzen werden gefangen und kastriert

Burghausen. Wer in den Industriewerken im Chemiedreieck arbeitet, kennt sie: die Katzen, die dort auf den Werksgeländen leben. Katzen, diese Überlebenskünstler, haben sich dort ihre Plätze gesucht, wissen, wo es warm ist und wo es ab und zu Futter gibt. Doch das klappt nur, weil es die Tierhilfe Inn-Salzach gibt: Seit Jahren schon kooperiert das Heim mit den Werken, um sich um die Tiere zu kümmern und sie vor allem kastrieren zu lassen − sonst gäbe es dort wahrscheinlich schon eine Katzenplage.

„In jedem Werk hat es Katzen gegeben, aber die haben sich dann einfach sehr stark vermehrt“, erklärt Tierheimleiterin Petra Giller. „Für die Werke war das natürlich auch eine Belastung: Die Katzen machen Dreck und auch manchmal was kaputt und sie schlafen an Stellen, wo sie wirklich nicht hinsollen.“ Vor etwa acht Jahren dann wurde die Tierhilfe von einer Mitarbeiterin von Wacker angesprochen, was man da denn tun könne.

Man konnte etwas tun: Die Tierhilfe durfte im Werk Lebendfallen aufstellen und fing die ersten Katzen. Wenn die Tiere kastriert, entwurmt und gechipt sind, werden sie entweder weitervermittelt oder aber sie gehen zurück in ihr wildes Leben im Werk.

Als sich herumsprach, wie gut das klappte, zogen OMV, Borealis und Gendorf nach. „Ich kann mich erinnern, dass wir im ersten Herbst 38 Katzen aus Gendorf kastriert haben“, erzählt Petra Giller. Das ging „ratzfatz“, sagt sie – die Katzen hatten alle Hunger und wurden mit Futter angelockt.

Freilich: War der Anfang erst einmal gemacht, wurde es weniger. Bis heute holen die Tierhilfe-Mitarbeiter noch wilde Katzen aus den Werken, aber bei weitem nicht mehr so viele, weil sich diese nicht mehr so unkontrolliert vermehren. Und auch die Kooperation wurde ausgebaut: In den Werken gibt es Katzen-Beauftragte, die einerseits ein Auge darauf haben, dass neu hinzugekommene, unkastrierte Tiere gefangen werden; andererseits füttern sie die Katzen. „An festen Orten, das ist wichtig. Dann können die Leute im Werk leichter feststellen, wenn plötzlich eine neue Katze da ist“, sagt Giller.

Die Werke leisten für die Arbeit der Tierhilfe eine finanzielle Entschädigung, welche unterschiedlich hoch ausfällt. Wacker beispielsweise bezahlt für jede Katze die Tierarztkosten, bei anderen Werken reicht die jährliche Spende höchstens, um die Kosten zu decken – für das ehrenamtlich arbeitende Tierheim bleibt sonst nichts. Trotzdem ist Petra Giller froh, dass sich die Werkskatzen-Offensive so gut entwickelt hat.

Schließlich geht es den Tierfreunden vor allem um das Wohl der Katzen. „Wir haben natürlich oft auch kranke Tiere, die wir dann aufpäppeln“, sagt Giller. Oder letztes Jahr, da hat ein Mitarbeiter der OMV eine Mamakatze mit drei Kleinen in einem Rohr gefunden in einem Bereich, den die Mitarbeiter wegen der hohen Temperaturen und den Gasen nur mit Schutzanzug betreten. „Den Kätzchen fehlte nichts, aber die wären sicher gestorben, hätten wir sie nicht gefunden.“

Auffallend ist, dass die Werkskatzen sehr sozial sind, weiß Petra Giller: Sie kuscheln, schlafen meistens nebeneinander. „Da sind keine Zicken dabei.“ Nicht nur wilde Katzen, die schwer vermittelbar sind und deshalb wieder zurück aufs Gelände dürfen, holt die Tierhilfe; häufig sind es auch zutrauliche Katzen, die wahrscheinlich aus freien Stücken ins Werk „abgewandert“ sind, schätzt Giller. Diese Tiere bleiben dann meistens in der Tierhilfe und werden vermittelt – so wie aktuell wieder zwei junge Katzen: Die können bald in ein neues Leben auf einem Bauernhof starten.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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