10. Mai 2018 - Passauer Neue Presse

Wacker Chemie AG: Optimismus und Spitzenzahlen

Hauptversammlung des Chemie-Konzerns beschließt mit 99,99 Prozent Ausschüttung von Sonderdividende

München. Gute Zahlen sowie Optimismus für 2018 und die kommenden Jahre kennzeichnen die zwölfte Hauptversammlung der Wacker Chemie AG gestern im Internationalen Congress Center München (ICM). Aufsichtsrat und Vorstand sehen den Konzern gut aufgestellt und die Aktionäre haben keinen ernsthaften Zweifel daran geäußert.

Dr. Peter-Alexander Wacker bleibt Chef des Aufsichtsrates der Wacker Chemie AG. Das Gremium hat gestern in seiner konstituierenden Sitzung im Anschluss an die Hauptversammlung den 67-jährigen Unternehmer einstimmig als Vorsitzenden bestätigt.

Mit Beifall quittierten die Aktionäre nicht nur den Bilanzgewinn im vergangenen Jahr in Höhe von über 1,5 Milliarden Euro, sondern auch die Ausschüttung von über 223 Millionen Euro an die Aktionäre. Das entspricht einer Dividende von 2,50 Euro und einer zusätzlich Sonderdividende in Höhe von 2 Euro je Aktie.

Insgesamt sind 52 152 600 Stückaktien auf das Grundkapital von 260 550 661 Euro ausgegeben; davon werden 2 474 617 Aktien von der Gesellschaft gehalten. In der Abstimmung zu Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, zu Neuwahlen und zur Feststellung von Jahresrechnung 2017 und Gewinnvertteilunfg waren 43 251 107 Stimmrechte (82,93 Prozent) in der Versammlung vertreten.

Der Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat zur Gewinnverteilung wurde mit 43 154 444 Ja-Stimmen (99,99 Prozent) angenommen. Ein Aktionär hatte in der Versammlung die Quote kritisiert und zu niedrig befunden. Vorstand Dr. Staudigl begründete die Verteilung mit dem Hinweis, dass ein beträchtlicher Teil des Bilanzgewinns aus der Wertsteigerung der Siltronic Aktien herrühre und die Ausschüttung dieser Gewinne nicht zu rechtfertigen sei.

Beifall erntete Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Staudigl für seinen Blick auf die Mitarbeiter mit den Worten „Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlichen Dank für die großartige Leistung im vergangenen Jahr.“

Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Peter Alexander Wacker erinnerte in seinem Rückblick auf 2017 an die Entwicklungsstrategie des Konzerns und betonte die neue Etappe, in der sich das Unternehmen seit 2016 befinde. Nach einer Phase hoher Investitionen sei man nun dabei, die Früchte zu ernten, mit dem Ziel, weiter organisch zu wachsen, den hohen Zufluss an liquiden Mitteln auszubauen und die Nettoverschuldung weiter abzubauen.

Bestimmend bleiben Investitionen in die Entwicklung und Fertigung marktorientierter Produkte sowie in die Forschung, vor allem in den Bereichen Biotechnologie und Elek-tromobilität. Diese Trends, verbunden mit Digitalisierung und dem Auftrag, Erfahrungen angemessen in die Zukunft zu überführen, sieht Dr. Wacker als bestimmende Treiber der Unternehmensentwicklung. In Summe sieht er das Unternehmen gut für kommenden Herausforderungen gerüstet, mit dem Commitment, Lösungen zu liefern, die das Leben leichter machen.

Das Investitionsvolumen des Konzerns im laufenden Jahr beziffert Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Staudigl mit rund 470 Millionen Euro. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe soll in das Geschäft mit Siliconen fließen. Mit diesen Investitionen werde der Strategie, dass die Gesamtinvestitionen unterhalb der Abschreibungen liegen, die Treue gehalten.

In der Produktion und im Vertrieb sieht der Vorstandsvorsitzende Wacker gut positioniert „Bei Forschung und Entwicklung bisher nur in Teilen. Wir haben noch Aufholpotenzial“, sagte er und fügte an: „Ich kann Ihnen versprechen: Wir werden unser Innovationsnetzwerk global stärker aufstellen.“

Eine kritische Frage eines Aktionärs zielte auf einen Kursrutsch von rund 8,5 Prozent vor wenigen Wochen, kurz nachdem Wacker für das erste Quartal im laufenden Jahr und für den weiteren Verlauf gute Zahlen gemeldet habe. Diese Entwicklungen seien nun mal an der Börse gegeben, antwortete Vorstand Dr. Staudigl, auch wenn die genauen Gründe oft nicht nachvollziehbar seien.

Außerdem habe zu dieser Zeit wegen des Außenministerwechsels in den USA an der Börse gedrückte Stimmung geherrscht. Die Wacker-Aktie notierte gestern bei Redaktionsschluss bei 154 Euro (im Vergleich zum 5. März, als sie auf 128 Euro abgesackt war.)

Nach dem Explosionsunglück am Wacker-Standort in Charleston läuft im Mai die Produktion wieder an. Die volle Kapazität werde erst Ende des Jahres erreicht sein, informierte Dr. Staudigl. Die Schäden seien von der Versicherung gedeckt und Gott-sei-Dank seien keine Menschen zu Schaden gekommen. Auslöser des Unglücks im vergangenen Jahr war ein Kolbenbruch in einem Kompressor mit der Folge, dass Wasserstoffgas austrat und  explodierte.

Im laufenden Jahr will der Konzern trotz des kräftigen Gegenwinds aus der Währung an die gute Entwicklung des Vorjahres anknüpfen. In seiner Rede vor rund 850 Aktionären bekräftigte Dr. Staudigl die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2018. Demnach erwartet die Wacker Chemie AG beim Umsatz ein Plus im niedrigen einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Wert des Vorjahres (4,92 Milliarden Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll im Vergleich zu 2017 (1,01 Milliarden Euro) um einen mittleren einstelligen Prozentsatz wachsen.

„Die weltweiten Perspektiven für dieses Jahr sind gut“, betonte der Vorstandsvorsitzende. „Die Weltwirtschaft wächst. Die Chemiemärkte wachsen. Sofern keine unvorhergesehenen Ereignisse die Konjunktur beeinträchtigen, ist es nicht ausgeschlossen, dass wir unsere derzeitige Ergebnisprognose für das Gesamtjahr übertreffen werden.“

Die Entlastung der Mitglieder des Vorstands für das Geschäftsjahr 2017 wurde mit 98,25 Prozent der Stimmen erteilt, die Entlastung des Aufsichtsrats mit 95,77 Prozent.

Der Vorschlag des Aufsichtsrats, Dr. Andreas H. Biagosch, Dr. Gregor Biebl, Matthias Biebl, Franz-Josef Kortüm, Ann-Sophie Wacker, Dr. Peter-Alexander Wacker, Dr. Susanne Weiss und Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker bis zur Hauptversammlung 2023 in den Aufsichtsrat zu wählen, wurde angenommen. Die Abstimmungs-ergebnisse zu den einzelnen Kandidaten und weitere Deatils zur hauptversammlung sind unter www.wacker.com veröffentlicht.

Die Wacker-Chemie AG und die ehemalige Wacker-Tochter Siltronic AG beschäftigen am Standort Burghausen unmittelbar rund 10 000 Mitarbeiter.


Quelle: Passauer Neue Presse

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