Strom: Steigende E.ON-Netzkosten belasten Chemiedreieck

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„Energiegipfel“ von ChemDelta Bavaria mit der Bundesnetzagentur – Massive Kritik an Netzbetreiber E.ON

Burghausen – Juli 2009/mko. Der Wirtschaftsregion Bayerisches Chemiedreieck steht inmitten der weltweiten Krise eine weitere Belastung ins Haus: E.ON hat den Industriekunden eine Erhöhung der Netzentgelte angekündigt - rückwirkend zum 1. Januar 2009. Umgelegt auf alle großen Chemie-Unternehmen in der Region ChemDelta Bavaria bedeutet das laut Dr. Bernhard Langhammer, Werksleiter Industriepark Werk GENDORF, „eine unvorhergesehene Mehrbelastung von sechs bis acht Millionen Euro allein im laufenden Jahr“. Dies stelle eine Steigerung um über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar.

Im Vergleich mit Netzbetreibern, die andere Chemieregionen in Deutschland versorgen (z. B. RWE Rhein Ruhr, die den Netzentgelt nur unwesentlich erhöhte), stelle die Forderung von E.ON „eine exorbitante Erhöhung und eine eklatante Benachteiligung der Region dar“, so Werksleiter Dr. Langhammer und Wacker-Werksleiter Dr. Willi Kleine unisono. In Konsequenz würden damit die Wettbewerbsfähigkeit der Standort geschwächt, Arbeitsplätze gefährdet und auch die Steueraufkommen in den Standortgemeinden beeinträchtigt werden.

Um der Bundesnetzagentur die Problematik zu verdeutlichen, die sich für die Branche der Elektro-Chemie ergibt, welche in überdurchschnittlich hohem Ausmaß elektrische Energie in der Produktion als „Rohstoff“ einsetzt, hat die Initiative ChemDelta Bavaria die Bundesnetzagentur nach Burghausen geladen. Dem Vizepräsidenten der Bundesnetzagentur, Johannes Kindler, sowie Beiratsmitglied MdB Johannes Singhammer (CSU) aus München wurde die Thematik ans Herz gelegt. Offenbar gibt es in Detailfragen noch Verhandlungsspielraum, der auch juristisch ausgelotet werden soll.

MdB Singhammer stellte in Aussicht, das Thema nach der Sommerpause in den Gremien des Bundestags vorzubringen: „Unserer energieintensiven chemischen Industrie dürfen keine Stolpersteine in den Weg gelegt werden, gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation!“ Vizepräsident Kindler äußerte „Verständnis für die erhebliche Verärgerung bei den Chemiedreiecksstandorten“ und erklärte, dass E.ON die finanziellen Belastungen aus ihren Investitionen in regenerative Energien, z. B. in ihre Windkraftwerke an der Nordsee, an die Verbraucher weitergebe. Dies laufe unter dem Siegel einer so genannten „solidarischen Mitfinanzierung von Investbelastungen durch die regenerative Energie“.

Ein weiteres Grundproblem für die Entgelte für die Netzkapazitäten sei zudem, dass E.ON elektrische Energie aus Windanlagen an der Nordsee in das Netz einspeise und - verkürzt formuliert - das aus regenerativen Quellen stark schwankende Stromaufkommen so aufschalten müsse, dass sich keine Netzschwankungen ergeben. Und das kostet. Und die Kosten werden auf die Nutzer umgelegt. Alternative Netze stehen bislang nicht bereit.

Bildtext:

Energiegipfel mit der Bundesnetzagentur: Werkleiter Wacker Chemie Dr. Willi Kleine, Vizepräsident der Bundesnetzagentur Johannes Kindler, Geschäftsführer der Bayerischen Chemieverbände Franz-Xaver Völkl, Geschäftsleiter InfraServ Gendorf Dr. Bernhard Langhammer und MdB Johannes Singhammer (von links)

Hinweise für die Redaktionen

  • ChemDelta Bavaria ist die privatwirtschaftliche Gemeinschaftsinitiative der Unternehmen im bayerischen Chemiedreieck zu Sicherung und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsregion im Einklang mit den Menschen und der Umwelt in Südostbayern.