InfraServ Gendorf: Nach Umsatzrekord wirtschaftlicher Einbruch

Für eine vergrößerte Darstellung bitte Bilder anklicken.

2008 wurden 280 Mio. EUR umgesetzt - Nachfrageeinbruch im ersten Quartal 2009 - Gegenmaßnahmen eingeleitet

Burgkirchen, 12.05.2009 - Der wirtschaftliche Einbruch hat nun auch die InfraServ Gendorf (ISG) voll erreicht: Dem mit 280 Mio. EUR höchsten Umsatz in der zehnjährigen InfraServ-Geschichte, der im Geschäftsjahr 2008 erreicht wurde, steht ein ebenso in dieser Dimension bisher nicht gekannter Rückgang des Umsatzes im ersten Quartal 2009 entgegen. Die Umsatzplanung sieht 2009 nur noch rund 233 Mio. EUR vor, Prognosen über den Geschäftsverlauf wagt derzeit niemand: "Die schwierigste Phase steht der ISG noch bevor", so Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer, der zugleich betonte: "Wir werden die Krise überstehen, weil wir gut aufgestellt sind und rechtzeitig diverse Gegenmaßnahmen eingeleitet haben."

Langhammer (51) berichtete im Rahmen der ersten Betriebsversammlung des Jahres vor etwa 600 der insgesamt rund 880 InfraServ-Beschäftigten über die seit Oktober 2008 spürbaren Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise im Industriepark Werk GENDORF. War bis dato in fast allen Produktionsbereichen volle Kapazitätsauslastung zu verzeichnen, kam es im November zu einem Auftragseinbruch bei den Standortfirmen in unerwarteter Größenordnung. Massive Produktionsdrosselung und verlängerte Anlagenstillstände zum Jahreswechsel waren die ersten Folgen. Die laufenden Investitionen des vergangenen Jahres im Industriepark und in der Region sorgten bei der ISG zu Jahresbeginn noch für gute Auslastung, im März erreichte die Krise aber auch den Standortbetreiber ISG voll. Wie bereits die meisten Industrieparkfirmen vorher reagierte ISG nach Ostern mit Kurzarbeit in den besonders vom Auftragseinbruch betroffenen Einheiten Technische Services, Logistik und Engineering.

Der Umsatzrückgang im ersten Quartal im Geschäft mit den Standortkunden verlief unterschiedlich, je nach Abhängigkeit der Firmen von den besonders betroffenen Branchen Automobil und Baubranche. "Der Umsatzrückgang am Standort trifft uns hart, da die ISG-Geschäfte zu über 85 Prozent vom Industriepark abhängen!"

Langhammer informierte über die Zahlen des Rekord-Geschäftsjahres 2008. Der Umsatz lag mit 280 Mio. EUR um 15 Prozent über dem des Vorjahres (244 Mio. EUR). Bereinigt um standortspezifische fixe Umsätze, lag der Umsatzanteil mit externen Kunden bei über 30 Prozent und in einer Höhe von etwa 48 Mio. EUR.

Langhammer und Betriebsratsvorsitzender Erich Ringsgwandl (59) zeigten sich erfreut, dass die Leistung aller InfraServer in 2008 honoriert werden könne: So erhalten die Tarifmitarbeiter für das Rekordjahr 2008 eine Jahresprämie, die außertariflichen Mitarbeiter eine Erfolgsbeteiligung. Die Prämienausbezahlung erfolgt abzüglich der bereits im November 2008 erfolgten Vorauszahlung mit den Gehältern Ende Mai. Ringsgwandl vermeldete noch eine weitere positive Meldung: So werde die ISG - "ohne wenn und aber" - die 2008 über die Gewerkschaft IGBCE ausgehandelte Tariferhöhung in Höhe von 3,3 Prozent zahlen.

Umsatzplan 2009 unter Niveau von 2007
Die ISG plant 2009 mit einem Umsatz von rund 233 Mio. EUR, damit um rund 11 Mio. EUR weniger als 2007 erzielt wurde. Über das ob und wie des Plans für 2009 wagte der ISG-Geschäftsleiter keine Prognose: "Das ist derzeit einfach nicht möglich!" Die schwierigste Phase stehe der ISG noch bevor, erkennbar sei dies an der Entwicklung des Auftragseingangs im Dienstleistungsgeschäft. "Hier sind die Folgen der Krise, der Sparkurs der Kunden am deutlichsten spürbar".

Nach den Rekord-Investitionsjahren 2007 und 2008 mit rund 32 Mio. EUR bzw. 24 Mio. EUR wird die ISG 2009 nur noch knapp über 10 Mio. EUR für Reparaturen und Sonderprojekte investieren nach rund 32 Mio. EUR in 2007, die mehrheitlich durch das "VinCon"-Investitionsprojekt von Vinnolit bedingt waren. Vom Sparkurs ausgenommen ist die Fertigstellung des 30 kV-Netzes für die Stromversorgung des Industrieparks, die mit einer Rekordsumme von 13 Mio. EUR die bisher größte Einzelinvestition in der ISG-Geschichte darstellt, ebenso die Umsetzung der Norderweiterung des Industrieparks. "Das ist die Basis für neue Standortansiedlungen." Ebenso unerlässlich sei die Umsetzung eines neuen Konzepts für die ISG-Werkstätten,  welches mit einem maximalen Anteil an Eigenleistung realisiert werden solle.

Reaktion auf Rezession
Dr. Langhammer skizzierte anschließend die Reaktionen der ISG gegen die Rezession. So könne man noch reagieren mit einer Ausweitung der bis Ende September laufenden Kurzarbeit, dabei auch die geförderten Fortbildungsmöglichkeiten berücksichtigend. Im Bereich der außertariflichen Mitarbeiter gebe es zudem heuer keine Gehaltsanpassung, mit Ausnahme von wenigen Einzelfällen. Die Leiharbeitskräfte würden angesichts des deutlichen Potentials "drastisch reduziert". Eine weitere Möglichkeit bilde das "Ausschöpfen des Tarifvertrags": Unter dem Aspekt die qualifizierten Fachkräfte zu halten und den besten Ausgebildeten befristete Arbeitsplätze zu bieten, müsse man die Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeit der Tarifverträge, z. B. die 35-Stunden-Woche, nutzen. Man werde Gespräche mit Betriebsrat und IGBCE aufnehmen.

Kosten- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen
Die Einsparungs- und Effizienzsteigerungspotenziale des 2008 im Unternehmen entwickelten "Masterplan 2015" werden laut Langhammer umfassend umgesetzt: Vom Potential in Höhe von 22,6 Mio. EUR befänden sich bereits 14,4 Mio. EUR konkret in Umsetzung. Statt der ursprünglich geplanten Personalanpassung von 145 Vollzeitstellen werde man nur noch 123 anpassen. Davon wurden 2008 bereits 64 Altersteilzeit-Verträge abgewickelt, 2009 sind noch 29 möglich. Zudem über 60 Leiharbeitskräfte. Weitere interne Standardisierungs- und Prozessverbesserungen würden diese Maßnahmen unterstützen.

Der Geschäftsleiter erteilte Pessimismus trotz der schwierigen Lage eine klare Absage: "Unsere neue Organisation wird sich bewähren, ebenso die Maßnahmen zur Verbesserung unserer Produkte." Neuansiedlungen stünden im Bereich des Möglichen, "mit Interessenten wird derzeit ernsthaft verhandelt".

Betriebsratsvorsitzender Ringsgwandl erläuterte den InfraServ-Mitarbeitern, dass man sich 2009 auf eine harte und anstrengende Zeit einrichten müsse: "Einschnitte jeglicher Art sind in solchen Zeiten nur schwer zu verhindern und wir müssen versuchen in sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit nach den besten Lösungen suchen", so  Ringswandl. Flexibilität und Veränderungsbereitschaft seien noch stärker als sonst gefordert. Auch Weiterbildungsmaßnahmen während der Kurzarbeit würden geprüft, um gestärkt aus der Krise hervorgehen zu können.

Bildtexte:

Bild oben:
Sparkurs bei den Investitionen ja, aber für den Standort wichtige Zukunftsprojekte werden durchgezogen, wie z. B. der Ausbau des 30-kV-Netzes, die Norderweiterung des Industrieparks für neue Ansiedlungen und - wie hier im Bild - die Fertigstellung eines neuen Rückkühlwerkesder ISG.

Bild mitte:
(Portrait) InfraServ-Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer.

Bild unten:
(Portrait) Betriebsratsvorsitzender Erich Ringsgwandl.

Hinweise für die Redaktionen:

InfraServ Gendorf mit Sitz in Burgkirchen/Landkreis Altötting betreibt anspruchsvolle technische Infrastrukturen für Chemie und verwandte Prozessindustrien und ist Betreiber des Industrieparks Werk GENDORF. InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG versorgt Unternehmen mit Energien und Medien sowie Engineering-Leistungen und technischen Dienstleistungen, übernimmt Entsorgungs-leistungen und stellt Ansiedlungsflächen sowie Infrastrukturen zur Verfügung. Von Umwelt-, Schutz- und Sicherheitsleistungen über Angebote aus dem Gesundheitsbereich bis hin zu Kommunikations- und IT-Services reicht das Leistungsspektrum, das durch Logistik-Services sowie Aus- und Weiterbildungsleistungen abgerundet wird.
InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG beschäftigt rund 880 Mitarbeiter. Ca. 280 Auszubildende werden im Auftrag von Standortunternehmen und externen Firmen ausgebildet, davon rund 100 direkt bei InfraServ Gendorf. In der IT-Berufsfachschule BIT werden zudem ca. 50 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Im Jahr 2008 erzielte InfraServ Gendorf einen Umsatz von 280 Millionen Euro.
www.infraserv.gendorf.de

Der Industriepark Werk GENDORF, zentral im "Bayerischen Chemiedreieck" gelegen, ist Standort für über 20 Unternehmen aus den Bereichen Basis- und Spezialitäten-Chemie, Kunststoffe, Energieversorgung und Dienstleistungen. Das besonders für chemie- und pharmanahe Industrien attraktive Konzept der Zusammenarbeit zwischen den hier angesiedelten Produktionsunternehmen und Dienstleistungen ist aus einem früheren Hoechst-Standort hervorgegangen und 1998 als erster Industriepark in Bayern mit dem Schwerpunkt Chemieproduktion entstanden.
Rund 4.000 Menschen arbeiten täglich im Industriepark. Im Jahr 2008 erzielten die Standortfirmen im Industriepark Werk GENDORF einen Umsatz von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro. Das Gelände ist 203 Hektar groß; rund 25 Hektar sind noch frei für Ansiedlungen. Die Unternehmen im Industriepark investierten seit 1998 rund 750 Millionen Euro am Standort.
www.gendorf.dehttp://www.gendorf.de