Weg zu klimafreundlichem Fliegen mit „Sustainable Aviation Fuel“ (SAF) am Münchner Flughafen erstmalig verfügbar

5. Juni 2021

Gemeinsame Bewerbung der beiden Burghauser ChemDelta-Standorte OMV Deutschland und Wacker Chemie für SAF-Pilotanlage läuft

München/Burghausen. Seit 1. Juni kommt zur Betankung von Flugzeugen am Münchner Flughafen auch „grünes Kerosin“ zum Einsatz. „Nach eingehender technischer Prüfung“ wurde das Tanklager am Airport „für klimafreundliche Treibstoffe der Zukunft geöffnet“, meldet der Flughafen. Auch die beiden ChemDelta-Bavaria-Standorte der Wacker Chemie und der OMV Deutschland in Burghausen wollen sich mit der Bewerbung für eine SAF-Pilotanlage an der Entwicklung beteiligen.

Damit können am Flughafen München ab sofort nachhaltige Kraftstoffe, sogenannte „Sustainable Aviation Fuels“ (SAF), angeliefert, eingelagert und vertankt werden, sofern sie den einschlägigen Qualitätsspezifikationen für den Flugkraftstoff Jet-A1 entsprechen. Im Tanklager, das im Auftrag der Airlines von diversen Mineralölgesellschaften mit Treibstoff versorgt wird, sind damit auch Lieferungen von SAF-Blends, also von konventionellem Kerosin mit einer Beimischung von grünen Kraftstoffen, zugelassen.

Die Flughafen München GmbH (FMG) ist Eigentümerin der gesamten Tankinfrastruktur, die sich vom Tanklager über ein rund 17 Kilometer umfassendes Unterflurleitungssystem bis zu den Parkpositionen der Flugzeuge erstreckt. Der Betreiber des Tanklagers ist die Skytanking Munich GmbH & Co. KG, die für die Qualitätskontrolle der angelieferten Kraftstoffe sorgt und zusammen mit anderen Anbietern von Tankdiensten operativ für die Betankung der Flugzeuge zuständig ist.

Die heute eingesetzten SAF-Kraftstoffe werden meist aus Biomasse, also aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, sogenannte „Biomass to Liquid (BtL)“ Kraftstoffe. Künftig wird aber auch synthetisch erzeugtes Kerosin am Markt verfügbar sein, sogenannte „Power to Liquid (PtL)“ Kraftstoffe, die durch Elektrolyse unter Einsatz von Wasser, CO² und erneuerbarem Strom entstehen.

Auch wenn beim Verbrennen von SAF die gleiche Menge an CO² -Emissionen wie bei fossilem Kerosin freigesetzt wird, ergibt sich die entscheidende Verbesserung im Produktionsprozess selbst: Für die Herstellung wird CO² benötigt, das in diesem Verfahren fast vollständig in Kraftstoff umgewandelt wird. Das wiederum führt im Ergebnis dazu, dass die CO² -Emissionen durch SAF gegenüber herkömmlichem Kerosin je nach Wirkungsgrad der Produktionsanlagen um ca. 70 bis 100 Prozent reduziert werden können.

„Mit der Freigabe unserer Tankanlagen für Sustainable Aviation Fuel ermöglichen wir den Airlines, ihre CO² -Emissionen bei Flügen ab München durch die Nutzung nachhaltiger Kraftstoffe zu reduzieren. Den grünen Treibstoffen fällt eine Schlüsselrolle auf dem Weg zu einer vollständigen Dekarbonisierung des Luftverkehrs zu. Wir gehen davon aus, dass der Anteil dieser nachhaltigen Treibstoffe am gesamten Energieverbrauch in der Luftfahrt in den kommenden Jahren kontinuierlich zunehmen wird“, sagts Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH.

Als einer der Hauptlieferanten für Kerosin an den Flughafen München untersucht und entwickelt die OMV an ihren Standorten in Burghausen, Schwechat und Petrobrazi mit namhaften Partnern Technologien zur Herstellung nachhaltiger Flugkraftstoffe, sogenannte „Sustainable Aviation Fuels“ (SAF) basierend auf verschiedenen Prozessen und Einsatzstoffen (zweite Generation Biokraftstoffe, „Power to Liquid“ PTL, Abfall). Bis zum Betrieb von eigenen SAF-Produktionsanlagen wird die OMV die Nachfrage mit Supply-Partnerschaften bedienen.

Der Standort Burghausen im Speziellen hat sich gemeinsam mit der Wacker Chemie AG für die Errichtung einer SAF-Pilotanlage beworben. Es handelt sich um ein durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) beauftragtes Projekt, bei dem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) mit Partnern aus Forschung und Industrie eine Pilotanlage zur Produktion klimaneutraler, synthetischer Kraftstoffe im industriellen Maßstab plant, die gleichzeitig als Entwicklungsplattform für die Entwicklung strombasierter Flugkraftstoffe dienen soll.

Fluglinien können nun ihre am Münchner Flughafen eingesetzten Flugzeuge mit grünem Kerosin betanken. Der Kraftstoff aus erneuerbaren Energien wird am Münchner Airport als bereits tankfertiges SAF-Blend in das Tanklager eingespeist. Mit dieser Mischung von fossilem Kerosin und einem beigemischten SAF-Anteil von rund 35 Prozent ist dann ein besonders klimafreundlicher Flugbetrieb möglich.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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