Wacker-Mitarbeiter auf Digitalisierungs-Mission

Wacker schickt 19 Mitarbeiter aus der ganzen Welt für die „Silicon-Valley-Challenge“ nach Amerika – Junge Leute sollen kreativ arbeiten

Burghausen. 19 junge Leute, die in Wohngemeinschaften in San Francisco zusammenleben und in Design Labs in Coworking-Spaces im Silicon Valley arbeiten: Klingt nicht nach dem 100 Jahre alten Familienunternehmen Wacker Chemie? Patrick Schreck ist anderer Meinung. Der Burghauser wird einer der 19 sein, die in den kommenden vier Wochen für Wacker in Amerika ein innovatives Programm mitmacht, an dessen Ende kreative Ideen zur Digitalisierung des Unternehmen stehen sollen.

Die Bewerbung musste sehr kreativ sein
„Wir holen junge Mitarbeiter aus dem Alltag raus und bringen sie in einer kreative Atmosphäre dazu, sich was ganz Neues zu überlegen und das mit nach Hause zu bringen“, erklärt Stefan Haas, Wacker-Kommunikationschef für den Standort Burghausen. Die Wacker-Mitarbeiter fahren ins sogenannte„ Silicon Valley“, dem wichtigsten Standort der IT- und Hightech-Industrie weltweit, nach San Francisco an Amerikas Ostküste. Ziel ist es, dass die Teilnehmer der „Silicon-Valley-Challenge“, wenn sie zurück kommen, als eine Art digitale Botschafter fungieren – hoffentlich „angesteckt“ von den neuen Ideen des Silicon Valley. Ihre Ansätze zur Digitalisierung des Unternehmens sollen sie dann an ihren Wacker-Standorten verbreiten.

Die Gruppe, die dafür ausgewählt wurde, ist international: Wacker-Mitarbeiter aus der ganzen Welt, von Schweden über China bis nach Amerika sind dabei – und auch zwei vom Standort Burghausen. 360 Bewerbungen gab es insgesamt. „Das zeigt, was für ein Potenzial in diesem Bereich da ist“, meint Haas. Denn die Bewerbung für das Abenteuer musste schon kreativ sein – es war ja eine „Challenge“, ein Wettbewerb. Viele haben extra dafür Webseiten eingerichtet, haben Videos gedreht und einer hat gar ein handgearbeitetes Buch mit elektronischen Elementen (wie die Kinderbücher Tiptoi) abgegeben.

Dass Patrick Schreck unbedingt ins Silicon Valley wollte, kann man seiner Bewerbung ansehen: Der Wacker-Mitarbeiter im Bereich Einkauf und Logistik schickte nur ein Foto von sich, in seinen Händen ein QR-Code aus Silikon, ausgedruckt mit einem 3D-Drucker. Das quadratische Stück Plastik ist seine Bewerbung. Über einen QR-Code-Scanner landet man auf seiner Bewerbungs-Homepage. Dort stellt der 27-Jährige sich und seine Motivation vor, ins Digitale Zentrum der Welt zu fahren: mit Text und Grafiken, aber auch mit einem Video, in dem er nicht nur mehrfach den bunten Anzug wechselt, sondern auch erklärt, warum der Richtige für die Silicon-Valley-Challenge ist.

Das Amerika-Abenteuer ist für den Burghauser, der ursprünglich aus Teising stammt, eine spannende Sache. Da werden knapp 20 junge Leute in drei Wohnungen als Wohngemeinschaften in der Großstadt San Francisco leben; sie werden in einem Coworking-Space arbeiten, also einem Arbeitsbereich, den sich verschiedene Start-Ups und Firmen teilen. Und dazu dürfen die Wackerianer große ansässige Firmen wie Google oder Telekom besuchen, werden aber auch viel Kontakt haben zu kleineren, innovativen Unternehmen aus dem digitalen Schmelztiegel Silicon Valley. Am Ende dann fliegt die Gruppe gemeinsam nach München zu einem Pitch, einer Vorstellung ihrer digitalen Geschäftsidee, vor dem Wacker-Vorstand. Dort müssen die Digitalisierer ihre Idee dann „verkaufen“: „Das wird ein bisschen wie in ‘Die Höhle der Löwen‘“, spielt Schwer auf die Start-Up-Ideen-Show im Fernsehen an.

„Wir werden uns überlegen, wie wir unsere Produkte auf neue Art vertreiben können“, kann Patrick Schreck schon einen ersten Ausblick auf die Ziele geben. Er kennt aus seinem Berufsalltag viele Bereiche, in denen Digitalisierung Prozesse vereinfachen könnte. Ein Coaching-Team aus der Digitalisierungsabteilung der Wacker Chemie in München wird die jungen Challenge-Teilnehmer unterstützen. „Eine Idee wie diese ist ziemlich neu in der Region“, meint Kommunikationschef Stefan Haas.

Jeans und T-Shirt sind die Arbeitskleidung
Patrick Schreck ist ein „Digital Native“: Er ist mit digitaler Technik aufgewachsen, hat schon zu Abiturzeiten programmiert. Bei Wacker hat er zunächst den dualen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen absolviert. „Ich wollte mir die Informatik-Themen eigentlich nur als Hobby behalten“, meint er. Nun aber wird er sein Know-How doch beruflich nutzen – und darf dafür nach Amerika.

Dass diese neue Arbeitsweise und das Leben in kreativen Wohngemeinschaften spannend wird, davon ist der Burghauser überzeugt. Die Anzüge, die Patrick Schreck sonst gerne trägt – von business-schwarz bis zum grünen St-Patricks-Day-Anzug – kann er allerdings zu Hause lassen: Jeans und T-Shirt sind die Arbeitskleidung im Silicon Valley.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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