Wacker gibt sich solide in turbulentem Jahr

18. März 2021

Letzte Bilanzpressekonferenz mit Rudolf Staudigl – Optimismus für 2021 – Fokus auf Chemie-Geschäft

München/Burghausen. Die jüngste Bilanz-Pressekonferenz der Wacker-Chemie AG war im Online-Format keine Premiere. Bereits 2020 war die Übertragung im Internet der Pandemie geschuldet. Heuer war sie gewissermaßen eine Finissage: Prof. Dr. Rudolf Staudigl referierte und kommentierte zum letzten Mal als Vorsitzender des Vorstands die Zahlen und Perspektiven des weltweit aktiven Konzerns mit Zentrale in München und Stammwerk, mit rund 8000 Mitarbeitern in Burghausen – zugleich größter gewerblicher Arbeitgeber und größter gewerblicher Standort im südöstlichen Oberbayern. (Perspektiven zur Rolle der Wacker Chemie in der Herstellung von Impfstoffen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie berichtete die Heimatzeitung bereits in der gestrigen Ausgabe im Wirtschaftsteil.)

Rudolf Staudigl wird, wie bereits angekündigt, nach 38 Jahren Zugehörigkeit zum Wacker-Konzern, davon 25 Jahre im Vorstand und zuvor in der Geschäftsführung, sowie nach 13 Jahren als Vorsitzender des Vorstands nach der Hauptversammlung im kommenden Mai aus dem Konzern ausscheiden. In der Bilanz-Pressekonferenz dankte er in diesem Kontext den Mitarbeitern im Unternehmen, ohne die kein Erfolg möglich wäre. Nachfolger im Vorstandsvorsitz ist Dr. Christian Hartel. Er gehört bereits seit fünf Jahren dem Führungsgremium an.

Trotz des harten zurückliegenden Jahres, gekennzeichnet von der „schwersten globalen Rezession seit fast 100 Jahren“ sieht Staudigl die Zukunft der Wacker Chemie optimistisch: „Bei aller Vorsicht, die mit Blick auf Corona nach wie vor geboten ist: Wir gehen mit Zuversicht ins Jahr 2021. Konjunkturforscher gehen in ihren Prognosen davon aus, dass die weltweite Wirtschaftsleistung wieder steigen wird“, betonte er und sieht auch für Europa und die USA, allerdings hinter Asien, wieder ein solides Wachstum.

Unter den Rahmenbedingungen der Corona-Krise hat Wacker im vergangenen Jahr einen Konzernumsatz von 4,69 Milliarden Euro erwirtschaftet. Fünf Prozent weniger als im Vorjahr. „Vor allem niedrigere Preise, speziell für Silicone, haben die Umsatzentwicklung gebremst. In Summe waren das 150 Millionen Euro“, präzisiert Staudigl. Aber: Das Jahresergebnis ist deutlich positiv. Für 2020 weist das Unternehmen einen Gewinn in Höhe von 202 Mio Euro aus.

Die Dividendenpolitik sieht vor, dass etwa 50 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung eine Dividende von zwei Euro je Aktie vorschlagen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 100 Mio Euro.

Das EBITDA, also das Ergebnis vor Zinsen. Steuern und Abschreibungen, belief sich für 2020 auf 666 Mio Euro. Das sind 15 Prozent weniger als im Vorjahr und entspricht einer EBITDA-Marge von rund 14 Prozent. Betrachtet man das EBITDA bereinigt um einen Sondereffekt wegen Versicherungsleistungen für einen Schadensfall in den USA, der im vergangenen Jahr zu Buche geschlagen war, „ist das operative Ergebnis nur um ein Prozent zurückgegangen“, erklärt Staudigl.

Das EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, summiert sich für 2020 auf 263 Mio Euro. Hier wirken sich vor allem die deutlich niedrigen Abschreibungen aus. Für 2020 beziffert sie Staudigl auf rund 5400 Mio Euro. Im Jahr zuvor waren es gut 1,3 Milliarden Euro. Der Grund dafür war eine Wertberichtigung bei Anlagen in Burghausen. 2019 waren 760 Mio Euro auf den Bilanzwert der Polysilicium-Anlagen außerplanmäßig abgeschrieben worden.

Als Umsatz- und Ertragsmotor des Konzerns nennt Staudigl nach wie vor das Chemiegeschäft. Die Umsätze in den drei Chemiebereichen summieren in 2020 sich laut Staudigl auf 3,8 Milliarden Euro – rund 80 Prozent des Konzernumsatzes. An der Spitze stand dabei der größte Geschäftsbereich Silicones. Gut entwickelt habe sich das Geschäft mit Polymerprodukten. Hier sei vor allem die Nachfrage aus der Bauindustrie auch in Zeiten von Corona ungebrochen hoch. Für beide Bereiche, wie auch für Polysilicium, hat vor allem der Standort Burghausen zentrale Bedeutung. Für den Bereich Biosolutions berichtete Staudigl eine Steigerung beim Umsatz und beim Ertrag. Das EBITDA liege mit 38 Mio Euro um 23 Prozent über dem Vorjahr.

Für das Polysilicium-Geschäft berichtete Staudigl für 2020 eine Stabilisierung: Erstens seien die Durchschnittspreise für Solarsilicium nicht weiter gesunken, zweitens sei der Marktanteil mit Kunden aus dem Halbleitergeschäft weiter ausgebaut worden und drittens habe man die Herstellungskosten weiter verringert.

Auch dem bereits 2019 beschlossenen „Effizienzprogramm – Zukunft gestalten“ schreibt Staudigl einen wesentlichen Beitrag zur soliden Lage des Konzerns zu. Jährlich sollen rund 250 Mio Euro an Kosten eingespart werden und bis Ende 2022 rund 1200 Stellen in Verwaltungsbereichen und nicht operativen Funktionen der Geschäftsbereiche wegfallen – und das unter Ausschluss betriebs -bedingter Kündigungen in Deutschland. Ein Freiwilligenprogramm bis Ende Januar hätten fast 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angenommen.

Dem „Effizienzprogramm“, das auch Einsparungen bei den Sachkosten vorsieht, schreibt Staudigl für das vergangene Jahr eine Ergebnisverbesserung von mehr als 50 Mio Euro zu. Im laufenden Jahr werden Sachkosteneinsparungen von mehr als 100 Mio Euro erwartet. Ab 2022 soll das Programm im vollen Umfang greifen.

Zum Verkaufsprozess der Anteile an der Siltronic AG, einst 100-prozentige Tochter von Wacker, an das Unternehmen GlobalWafers betont Staudigl, „...wollen wir unser strategisches Ziel vollenden, uns mit ganzer Kraft auf unseren ursprünglichen Kern zu konzentrieren – das Chemiegeschäft. GlobalWafers hat sich die Aktienmehrheit an der Siltronic AG gesichert.“

Die Siltronic AG beschäftigt am Standort Burghausen derzeit rund 1200 Mitarbeiter. Hier werden eine Standortschließung und betriebsbedingte Kündigungen bis 2024 ausgeschlossen. Staudigl sieht den Verkaufsprozess auf gutem Weg, auch wenn „verschiedene fusionskontrollrechtliche und außenwirtschaftliche Freigaben noch nicht erteilt worden sind.“Wichtige Hürden seien jedoch bereits genommen.

Für den Standort Burghausen stellt Staudigl, wie bereits berichtet, einen Einstieg in die Wasserstofftechnologie vor, mit einem Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 100 Mio Euro.

Der komplette Geschäftsbericht für 2020 im Internet unter www.wacker.com

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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