Wacker – gesteigertes Ergebnis und Kurzarbeit

Wacker steigert im 1. Quartal das Ergebnis deutlich – Aber Kurzarbeit für 750 Mitarbeiter

München/Burghausen. Die Wacker Chemie AG meldet für das erste Quartal 2020 ein deutlich gesteigertes Ergebnis, aber auch Kurzarbeit in Burghausen und Nünchritz für insgesamt 750 Mitarbeiter, davon 500 in Burghausen. Betroffen ist hier vor allem der Bereich Polysilicium mit insgesamt rund 1450 Mitarbeitern in Burghausen. Wacker hat in Deutschland rund 10 350 Mitarbeiter, davon rund 7640 in Burghausen. Weltweit sollen in nächster Zeit etwa 1000 Stellen abgebaut werden, davon rund 80 Prozent in Deutschland. Das kündigte das Unternehmen bereits in der Bilanzpressekonferenz im März an.

Die Kurzarbeit ist erst mal für drei Monate terminiert. Ob dieser Zeitrahmen ausgeschöpft oder sogar verlängert bzw. auf andere Bereiche ausgeweitet wird, hängt Sprecher Christof Bachmair zufolge von der weiteren Marktentwicklung ab. Das staatliche Kurzarbeitergeld von 60 bis 67 Prozent des Nettogehalts wird aufgrund des Tarifvertrags der chemischen Industrie auf 80 bis 90 Prozent aufgestockt. Coronabedingt gibt Wacker in der ersten Quartalsmeldung außerdem keine Jahresprognose ab. Bislang nicht geplant ist Bachmair zufolge, Staatshilfen in Anspruch zu nehmen oder zu beantragen.

Die Wacker Chemie AG hat heuer das erste Quartal mit einem Gesamtumsatz leicht unter Vorjahr abgeschlossen, das EBITDA aber sowohl gegenüber dem Vorjahr als auch im Vergleich zum Vorquartal deutlich gesteigert.

Im Berichtsquartal erwirtschaftete der Chemiekonzern Umsatzerlöse in Höhe von 1,1975 Milliarden Euro (Q1 2019: 1,2357 Mrd Euro). Das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr. Ausschlaggebend für den Rückgang waren laut Unternehmensnachricht niedrigere Preise für Solarsilicium und Standardsilicone sowie insgesamt etwas geringere Absatzmengen. Währungsveränderungen haben die Umsatzentwicklung im Jahresvergleich positiv beeinflusst. Gegenüber dem Vorquartal (1,1555 Mrd Euro) ist der Umsatz dagegen vor allem mengen- und preisbedingt um 4 Prozent gewachsen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) für das erste Quartal 2020 beziffert Wacker mit 174,1 Mio Euro. Das sind 23 Prozent mehr als im Vorjahr (142,0 Mio Euro). Als verantwortlich für diesen kräftigen Anstieg nennt der Konzern unter anderem eine höhere Auslastung der Produktionsanlagen und Maßnahmen zur Kostenreduzierung.

Im Vergleich zum Vorquartal (157,8 Mio Euro ist das EBITDA um 10 Prozent gewachsen. Für die drei Monate Januar bis März 2020 ergibt sich eine EBITDA-Marge von 14,5 Prozent (Vorjahr 11,5 Prozent). Im Vorquartal hatte sie 13,7 Prozent betragen.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hat ebenfalls deutlich zugelegt. Es summiert sich im Berichtsquartal auf 69,8 Mio Euro (Q1 2019: 0,1 Mio Euro). Das entspricht einer EBIT-Marge von 5,8 Prozent (Q1 2019: 0,0 Prozent).

Neben den bereits genannten Faktoren haben laut Unternehmensnachricht auch die im Jahresvergleich niedrigeren Abschreibungen das EBIT positiv beeinflusst. Sie sanken um 27 Prozent auf 104,3 Mio Euro (Q1 2019: 141,9 Mio Euro). Hier wirkt sich unter anderem die Sonderabschreibung von 760 Mio Euro auf die Polysiliciumanlagen aus, die Wacker zum 31. Dezember vorgenommen hatte. Die laufenden Abschreibungen sind dadurch zurückgegangen. Das Periodenergebnis des Berichtsquartals summiert sich auf 68,9 Mio Euro(Q1 2019: -5,5 Mio Euro) und das Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 1,31 Euro (Q1 2019: -0,16 Euro).

Die Risiken, die sich aus der Corona-Pandemie für die Finanz- und Ertragslage des Unternehmens ergeben, konkretisieren sich nun zunehmend. Gegenwärtig sei nicht verlässlich abzusehen, wie lange und wie stark die weltweit getroffenen staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionen das Geschäft des Unternehmens beeinträchtigen werden, meldet Wacker.

„Wir haben das 1. Quartal 2020 wie von uns erwartet mit insgesamt guten Zahlen abgeschlossen“, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Donnerstag in München. „Trotz des anhaltend anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds und der zusätzlichen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie in China haben wir beim Umsatz nahezu den Vorjahreswert erreicht und unser EBITDA deutlich gesteigert. Bei Siliconen und Dispersionspulvern haben wir von höheren Absatzmengen und im Geschäft mit biotechnologisch hergestellten Produk- ten von einem verbesserten Produktmix profitiert. Dagegen haben die wegen der Coronakrise niedrigeren Absatzmengen im Solargeschäft sowie geringere Preise für Standardsilicone und Polysilicium die Umsatz- und Ergebnisentwicklung gebremst. Mit Blick auf die nächsten Monate gehen wir davon aus, dass wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sehr viel deutlicher spüren werden. Wir steuern deshalb mit Kurzarbeit gegen. Das Investitionsbudget für das laufende Jahr haben wir deutlich gekürzt und stärken so unsere Liquidität, die sich zum Ende des 1. Quartals auf 750 Mio Euro erhöht hat. Zusätzlich verfügen wir über ungenutzte Kreditlinien von rund 600 Mio Euro Wie groß die Auswirkungen von Covid-19 auf unser Geschäft tatsächlich sein werden, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verlässlich einschätzen. Sollte die Pandemie in den nächsten Monaten erfolgreich eingedämmt werden, so kann es zum Beispiel durchaus sein, dass im zweiten Halbjahr die Weltwirtschaft wieder anzieht und es zu Nachholeffekten kommt.“

Zur aktuellen Situation im Unternehmen sagte Staudigl: „An unseren Standorten und in den Geschäfts- und Zentralbereichen arbeiten Krisenstäbe daran, abgestimmt, schnell, pragmatisch und zuverlässig das Räderwerk bei Wacker auch unter erschwerten Bedingungen am Laufen zu halten. Oberste Priorität haben dabei die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Aufrechterhaltung unserer Produktion, um unsere Kunden verlässlich zu beliefern.“

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Mitarbeiter im Konzern sei nach wie vor sehr niedrig. Staudigl: „Das hilft uns sehr, die Produktion in dieser kritischen Zeit auf einem hohen Niveau zu halten. Das ist auch deshalb wichtig, weil eine ganze Reihe unserer Produkte in Anwendungen gehen, die für die medizinische Versorgung und für die Hygiene besonders wichtig sind. “

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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