Wacker erwartet herausforderndes Jahr

Schwer abschätzbare Auswirkungen durch Corona – Aber: Über 390 Mio Euro für Burghausen geplant

München/Burghausen. Einen Ausblick auf die Zahlen für das vergangene und die Herausforderungen für das laufende Jahr hat der Wacker Konzern bereits vor einigen Wochen gegeben – auch dass in Burghausen ein Stellenabbau bevorsteht. Jetzt aber kommt noch die „Corona-Krise“ hinzu, mit schwer abschätzbaren Auswirkungen. Erste Konsequenz: Erstmals erfolgte die Bilanzpressekonferenz per Live-Übertragung im Internet.

Für 2019 weist Wacker einen Bilanzgewinn von rund 1,32 Mrd Euro aus. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 50 Cent je Aktie vor (Vorjahr: 2,50 Euro). Das entspricht insgesamt einer Summe von rund 25 Mio Euro. Ob die Hauptversammlung am 20. Mai wie geplant stattfinden kann, ist allerdings offen. Möglicherweise erfolgt auch sie aus Präventionsgründen via Internet.

„Ausdrücklich nicht in der Prognose für die Zukunft enthalten“, das betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Rudolf Staudigl ebenfalls, „sind die Folgen, die die Verbreitung des Coronavirus auf die wirtschaftliche Entwicklung und auf unser Geschäft haben könnte. Das Risiko einer Pandemie sehen wir als hoch an. Die Auswirkungen auf unsere Ergebnisentwicklung könnten im dreistelligen Millionenbereich liegen. Sofern das eintritt, ist es möglich, dass unser bereinigtes EBITDA um einen zweistelligen Prozentsatz unter Vorjahr liegt.“

Erste Auswirkungen des Coronavirus auf den Standort Burghausen, die Grenzschließung zu Österreich, bereiten indes noch keine Probleme. „Bisher lief das weitgehend gut. Berufspendler werden kontrolliert, haben derzeit aber keine Einschränkungen beim Grenzübertritt und können ihrer Arbeit bei Wacker nachgehen. Die Mitarbeiter führen den Werksausweis mit und erhalten vom Unternehmen zusätzlich eine spezielle Kennkarte, um sich ausweisen zu können“, erklärt der Konzern.

Offen indes sind die Auswirkungen der angekündigten Einsparungsziele in einem Volumen von rund 250 Millionen Euro im Jahr, die vor allem im Personalbereich erreicht werden sollen. Der Konzern hat aktuell weltweit 14 658 Mitarbeiter, davon 10 356 in Deutschland und 7640 in Burghausen.

Mehr als 1000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, davon 80 Prozent in Deutschland und hier wiederum vor allem in den Bereichen Verwaltung, aber auch im Engineering, in der Logistik und im IT-Bereich, wie Dr. Staudigl auf Nachfrage in der Bilanzpressekonferenz präzisierte. Die Frage hatte auch darauf abgezielt, ob Wacker in den vergangenen Jahren zuviel „Speck“ im Personalbereich angesammelt hatte.

Für manche Abteilung sei das vielleicht nicht auszuschließen, erklärte Dr. Staudigl, betonte aber den stets härter werdenden Wettbewerb mit Anbietern aus Asien. In diesem Kontext betonte er, dass der Verkauf nicht zurückgefahren werden soll. Nach Möglichkeit soll der Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen, sondern durch Renteneintritte, Aufhebungsverträge oder Vorruhestandsregelungen umgesetzt werden.

Konkrete Zahlen zu abzubauenden Stellen für die einzelnen Standorte gebe es noch nicht. Dazu müsse erst das Zielbild für die die Organisation und die Maßnahmen festgelegt werden. Als Zeitrahmen sind die kommenden drei Jahre vorgesehen.

An Investitionen sind im laufenden Jahr für den Standort Burghausen rund 160 Mio Euro (Vorjahr: 180 Mio) und an Instandhaltungsaufwendungen heuer rund 230 Mio Euro (Vorjahr: 260 Mio Euro) geplant.

Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) summierte sich im Geschäftsjahr 2019 auf 783,4 Mio Euro (2018: 930 Mio ). Das sind 16 Prozent weniger als vor einem Jahr und entspricht einer EBITDA-Marge von 15,9 Prozent (2018: 18,7 Prozent).

Vor allem die erheblich geringeren Durchschnittspreise für Solarsilicium und damit auch Effekte aus Bestandsbewertungen, niedrigere Preise für Standardsilicone und die stark gestiegenen Stromkosten in Deutschland haben die Ertragsentwicklung belastet. Als Sonderertrag enthält das EBITDA Versicherungsleistungen in Höhe von 112,5 Mio Euro aus dem Schadensfall des Jahres 2017 am Standort Charleston, die Wacker in den Herstellungskosten ausgewiesen hat.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) summierte sich im vergangenen Geschäftsjahr auf -536,3 Mio Euro (2018: 389,6 Mio Euro). Ausschlaggebend für das negative EBIT ist eine außerplanmäßige Abschreibung in Höhen von 760 Mio Euro, die Wacker auf den Bilanzwert seiner Anlagen zur Herstellung von Polysilicium vorgenommen hat. Hintergrund dieser Maßnahme sind die verhaltenen Erwartungen des Unternehmens für die weitere Preisentwicklung bei Solarsilicium. Insgesamt belaufen sich die Abschreibungen im Jahr 2019 auf 1,32 Mrd Euro (2018: 540 Mio). Das Jahresergebnis beträgt -629,6 Mio Euro (2018: 260,1 Mio).

Im Geschäftsjahr 2020 rechnet Wacker trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen mit einem leichten Wachstum. Das Unternehmen will seinen Umsatz um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigern – Ziele, die allerdings durch „Corona“ durchkreuzt werden könnten.

In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres ist der Konzernumsatz etwas niedriger als vor einem Jahr. Mitverantwortlich dafür sind Einschränkungen in China beim Transport der Produkte zu den Kunden. Das bremst derzeit die dortigen Umsätze in allen Geschäftsbereichen. Insgesamt rechnet WACKER im 1. Quartal 2020 mit einem Konzernumsatz von etwa 1,2 Mrd Euro (Q1 2019: 1,24 Mrd).

„2020 wird aus heutiger Sicht ein weiteres sehr anspruchsvolles Jahr“, sagte Konzernchef Dr. Staudigl: „Der hohe Wettbewerbs- und Preisdruck im Geschäft mit Polysilicium bleibt eine Herausforderung. Handelskonflikte und geopolitische Krisen bergen Abwärtsrisiken. .. Andererseits sind wir zuversichtlich, dass wir mit hervorragenden Produkten in allen unseren Geschäftsbereichen über hohes Wachstumspotenzial verfügen.“ Grundsätzlich sieht der Wacker Vorstand den Konzern auf soliden Füssen und mit den richtigen Produkten auf gutem Kurs. Die Liquidität liege bei 545 Mio Euro. Zusätzlich gebe es ungenutzte Kreditlinien in Höhe von 600 Mio Euro.

Dr. Staudigl erneuerte in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einem Industriestrompreis von unter 4 Cent pro Kilowattstunde für energieintensive Unternehmen in Deutschland: „Unsere chinesischen Wettbewerber zahlen unter 2 Cent pro Kilowattstunde – staatlich subventioniert aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Hätten wir dieselben Strompreise wie in China, dann wäre WACKER das weltweit effizienteste Unternehmen in der Herstellung von hochqualitativem Polysilicium, und zwar mit großem Abstand.“

Weitere Details und der komplette Geschäftsbericht im Internet: www.wacker.com
Bilanzgewinn ist ein handelsrechtlicher Begriff, keineswegs identisch mit dem tatsächlich im Geschäftsjahr entstandenen Gewinn. Ein Bilanzgewinn kann selbst dann ausgewiesen werden, wenn ein Verlust entstanden ist.
EBIT: Abkürzung (aus englisch earnings before interest and taxes, deutsch „Gewinn vor Zinsen und Steuern“) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die den operativen Gewinn aus dem Leistungsbereich eines Unternehmens beschreibt.
EBITDA: Diese Kennzahl berücksichtigt auch Abschreibungen und Tilgungen (Depreciation and Amortisation).

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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