Vom Soll zum Muss: So halten es Wirtschaft, Verwaltung und Klinik mit dem Testen

16. April 2021

An den ChemDelta-Standorten im Landkreis Altötting - OMV Deutschland, Chemiepark Gendorf und Wacker Chemie Burghausen - gibt es jetzt schon Testangebote und Homeoffice-Möglichkeiten

Altötting. Was bisher noch politischer Appell war, wird nun Pflicht: Ab nächster Woche müssen Arbeitgeber ihren Beschäftigten mindestens einmal die Woche einen Corona-Test zur Verfügung stellen. Die Heimatzeitung hat sich in der Region umgehört: Wie viel wird jetzt schon am Arbeitsplatz getestet? Und wie stehen die Arbeitgeber zu ihrer zusätzlichen Verpflichtung, demnächst Tests zur Verfügung zu stellen und finanziell dafür aufzukommen – als „nationale Kraftanstrengung“, wie es Finanzminister Olaf Scholz nennt?

Bei der OMV in Burghausen gehört zu den „präventiven Maßnahmen auch ein differenziertes Test-Angebot“, sagt Pressesprecher Thomas Bauer. Seit mehr als einem Jahr werde der Belegschaft die Möglichkeit zum Homeoffice angeboten. Dem Produktions- und Anlagenpersonal, das aufgrund seiner Tätigkeit vor Ort anwesend sein muss, werde seit Dezember 2020 mehrmals die Woche durch ihren Werksärztlichen Dienst ein kostenfreier Test angeboten. „Seit März 2021 bieten wir zusätzlich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wöchentlich auf freiwilliger Basis je zwei Selbsttests an“, so Bauer. Das Testen sei bei der OMV längst geregelt und umgesetzt. „Es wäre wünschenswert, wenn die Politik ihre ‚Kraftanstrengung‘ auf die Verfügbarkeit von ausreichend Impfstoff fokussiert“, bemerkt Bauer.

Bei der Firma InfraServ in Gendorf sei man in allen Unternehmen des Chemieparks „wie bereits in der Vergangenheit in Sachen Corona-Vorsorge den gesetzlichen Regelungen voraus“, sagt der Leiter der Unternehmens-Kommunikation, Thilo Rosenberger-Süß. Vor Wochen seien Antigen-Schnelltests bestellt und bei den meisten Unternehmen auch bereits an die Mitarbeiter ausgegeben worden. Ebenso, wie es auch das bundesweite Gesetz vorsieht, ist ein Corona-Test am Arbeitsplatz seitens des Arbeitnehmers freiwillig. Empfohlen werde bei Infraserv mindestens ein Test pro Woche, informiert Rosenberger-Süß.

Das Landratsamt Altötting greift in dieser Angelegenheit auf das kommunale Test-Angebot zurück. Nachdem das Testzentrum am Neuöttinger Kreishallenbad ohnehin vom Landratsamt koordiniert werde, empfehle man den Angestellten des Amts aktuell, sich dort testen zu lassen, sagt Pressesprecher Markus Huber. Weitere Schritte müssten als Reaktion auf die Entscheidung im Bund noch ausgearbeitet werden.

Für Wacker Chemie in Burghausen bedeutet das neue Gesetz Ähnliches wie bei InfraServ: alles wie gehabt. Das bereits bestehende Angebot mit Schnelltests werde vom überwiegenden Teil der Belegschaft gut angenommen, so wären allein in der letzten Woche über 10 000 Tests an Angestellte verteilt worden, sagt Christof Bachmair, Senior Manager in der Öffentlichkeitsarbeit bei Wacker. Bei Wacker hoffe man lediglich, dass durch das Gesetz keine „neuen bürokratischen Hürden“ auf die Unternehmen zukämen.

Im medizinischen Bereich ist eine flächendeckende Testung des Personals besonders wichtig: Im InnKlinikum werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf freiwilliger Basis getestet. „Beschäftigte im klinischen Bereich zweimal pro Woche, auf Wunsch auch öfter“, sagt Mike Schmitzer, Pressesprecher des Klinikums. In der Verwaltung werde einmal pro Woche getestet. Sollte in einer Abteilung ein Infektionsgeschehen vorliegen, würden die Angestellten dieser Abteilung täglich mit Schnelltests und einmal wöchentlich mit PCR-Tests getestet. Wöchentlich würden derzeit im Schnitt etwa 1500 Tests bei den Beschäftigten des InnKlinikums an den Standorten Altötting und Burghausen durchgeführt, so Schmitzer.

Markus Saller ist Geschäftsleiter der Kreishandwerkerschaft Altötting. Er hat in den Betrieben der Region noch keinen Unmut über die Kosten der Tests wahrgenommen. Sollte sich diese Verpflichtung über Monate ziehen, „würde das aber natürlich schon ins Geld gehen“, sagt Saller. Quelle des Unmuts sieht er vielmehr darin, dass seitens der Politik „immer mehr eingeschränkt wird, ohne jegliche Perspektive für das Handwerk zu bieten.“

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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