Spatenstich für Lehrtechnikum der ISG

Ausbildungskapazität für Chemikanten wird stark ausgebaut – Rund neun Millionen Euro Investition

Burgkirchen. Mit dem Spatenstich für ein neues Ausbildungstechnikum und einem voraussichtlichen Investitionsvolumen von rund acht bis neun Millionen Euro setzt InfraServ Gendorf (ISG) ein Signal für die Zukunft in der Region und in der Branche. „Bisher haben wir eine Ausbildungskapazität für maximal 45 angehende Chemikanten pro Lehrjahr, in Zukunft werden es rund 70 sein“, freut sich ISG-Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer.

Chemikant, das ist der Kernberuf im Bayerischen Chemiedreieck. Chemikanten sind verantwortlich für die Vorbereitung, Durchführung und Kontrolle von Produktionsprozessen bei der Herstellung von chemischen Produkten.

Ausgebildet wird dieser Beruf im Kreis Altötting an zwei Standorten – im Berufsbildungswerk (BBiW) in Burghausen und bei InfraServ Gendorf in Burgkirchen. In enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen der chemischen Industrie im Landkreis Traunstein, wie AlzChem und BASF, oder Unternehmen im Raum Waldkraiburg und Aschau im Kreis Mühldorf werden auch für diese Standorte Chemikanten bei der InfraServ in Gendorf ausgebildet. Die Ausbildungskompetenz in Gendorf nutzen inzwischen Unternehmen in ganz Südbayern, im Bereich der Werkfeuerwehren auch aus ganz Bayern.

In diesem Kontext bezeichnete Dr. Langhammer die Entscheidung zum Bau des neuen Technikums durch die Gesellschafter der InfraServ Gendorf und dem Spatenstich als wichtigen Schritt, nicht nur für die Zukunft des Chemieparks in Gendorf, sondern auch der Region.

Die Nachfrage nach Berufen in der chemischen Industrie sei nach wie vor groß, bestätigen Dr. Bernhard Langhammer und Jochen Volbracht, Leiter der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT). Mit dem neuen Ausbildungsjahr werden 117 junge Menschen ihre Ausbildung antreten. Aktuell werden im Chemiepark in den unterschiedlichen Berufen rund 500 junge Menschen ausgebildet.

Auch die Herausforderungen durch Corona, die damit verbundenen Abstandsregelungen und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen habe man im Chemiepark rasch umgesetzt, die Digitalisierung im Unterricht und ind er Ausbildung forciert, Lerngruppen neu gegliedert, um mehr Abstandsflächen zu gewinnen, und zusätzlich die Ausbildung verstärkt digitalisiert.

Ab 1. September, zum Start des neuen Ausbildungsjahres, werden außerdem alle Auszubildenden mit Tablets ausgestattet. Hier arbeitet die BIT nicht nur mit der Berufsschule Altötting, sondern auch mit den Partnerbetrieben in der Ausbildung zusammen.

Bereits vor rund zehn Jahren habe sich der Bedarf für ein neues Technikum abgezeichnet, erinnerte Dr. Langhammer zum Spatenstich. Der bestehende Bau stammt aus dem Jahr 1970 und soll in den kommenden Jahren noch parallel zum Neubau genutzt werden. Die weitere Zukunft des Altbaus ist noch nicht entschieden.

Bereits im Jahr 2014 hatte Dr. Langhammer übrigens eine Kooperation eines Technikums der chemischen Industrie mit einer Hochschule ins Gespräch gebracht. Inzwischen ist in Burghausen ein eigener Hochschulcampus geschaffen worden. Wie aber in dieser Woche der Burghauser Anzeiger berichtete, wird dort nun der geplante Neubau eines Technikums um einige Jahre nach hinten verschoben.

Die Ausbildung der Chemikanten erfolgt in der Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT) als zentraler Bildungseinrichtung im Chemiepark Gendorf in drei Bereichen – im Lehrtechnikum, im Verfahrenstechnischen Praktikum und im Labor. Zusätzlich zur Ausbildung der Chemikanten werden in einzelnen Kursen auch Chemielaboranten im neuen Gebäude ausgebildet.

Den Auftrag zum Neubau hat das auf Objektbau spezialisierte Unternehmen Goldbeck, vertreten durch den Standort in Rosenheim, erhalten. Die Fertigstellung des Neubaus ist für das erste Quartal im kommenden Jahr geplant. Der Parallelbetrieb soll dann bis ins darauffolgende Frühjahr laufen.

Im Neubau werden rund 2000 Quadratmeter an Nutzfläche zur Verfügung stehen, davon rund 250 Quadratmeter an Laborfläche und 850 Quadratmeter für das Technikum. Die Restflächen gliedern sich auf in Sozial- und Sanitärräume, Büros, Unterrichtsräume, Lagerflächen und Technikräume. Der Neubau wird eine Höhe von rund zehn Metern erreichen und zweistöckig sein.

Das neue Lehrtechnikum besteht aus zwei miteinander verbundenen Gebäuden, einem Schulungs- und Bürogebäude und einer technischen Halle. Im Hallenteil befindet sich eine weitläufige Aufstellfläche über zwei Etagen für die Ausbildungsanlagen im Technikumsmaßstab sowie zwei Praktikumsräume für kleinere Anlagen und Analysen.

Das Unternehmen Goldbeck besteht seit über 50 Jahren, ist europaweit aufgestellt mit über 70 Standorten, konzipiert, baut und betreut Gewerbeobjekte. Die Gesamtleistung lag im vergangenen Jahr bei 2,93 Milliarden Euro. Aktuell sind über 7000 Personen bei Goldbeck beschäftigt.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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