„Schwerer Schlag für die ganze Region“

So reagiert die Politik auf die Ankündigung des Stellenabbaus bei Wacker Chemie

Burghausen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht vom bevorstehenden Stellenabbau bei der Wacker Chemie. Kommunalpolitiker und Abgeordnete üben harsche Kritik an der Energiepolitik in Deutschland und sehen weitere dunkle Wolken über dem Industriestandort Bayerisches Chemiedreieck.

Nicht überrascht zeigte sich Burghausens Bürgermeister Hans Steindl von der Bekanntgabe des massiven Stellenabbaus – auch nicht vom Umfang. „Ich sage schon lange, dass dieses Jahr 20020 entscheidend wird“, sagt er der Heimatzeitung. „Nicht nur für Wacker, auch für die OMV. Und damit natürlich auch für die Bevölkerung.“ Steindl kritisiert, wie wenig auf alle Anzeichen bisher reagiert wurde. „Wir brauchen hier ein klares Bekenntnis zu unserer Industrie“, sagt er und blickt hier vor allem in Richtung Landesregierung. Der schleppende Bahnausbau, lange Genehmigungszeiten und der nach Jahren noch immer nicht geklärte Umgang mit PFOA im Boden – das sind nur einige der Gründe, warum Steindl das Chemiedreieck in Gefahr sieht.

Was den Stellenabbau Wacker angeht, da geht der erfahrene Kommunalpolitiker sogar noch weiter: „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, dann wird das nur die erste Welle sein.“

Landrat Erwin Schneider ergänzt: „Der angekündigte bedeutsame Stellenabbau bei der Wacker Chemie ist ein schwerer Schlag für die ganze Region. In sehr vielen Gesprächen mit Vertretern der Bundespolitik wurde immer gebetsmühlenartig auf die steigenden Strompreise und die damit verbundenen Wettbewerbsnachteile hingewiesen.“ Die betroffenen Mitarbeiter und damit die Region Inn-Salzach seien damit ein erstes Opfer einer „nicht zu Ende gedachten Energiewende und einer überwiegend emotional geführten Klimadiskussion“. Als „pikante Note“ empfindet es Schneider, dass die Produkte der Wacker Chemie gerade dem Klimaschutz dienen. Bestes Beispiel dafür ist Polysilicium, das für die Produktion von Photovoltaik-Anlagen verwendet wird. „Ich finde es unerträglich, solche energieintensiven Produktionen durch eine nicht zu Ende gedachte Energiepolitik aus Deutschland zu vertreiben“, schimpft der Landrat. Dies habe er auch in einem Schreiben an Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier aus
Anlass dieses Stellenabbaus zum Ausdruck gebracht. „Wir müssen hier schnellstens zur Besinnung kommen. Wenn wir so weiter machen wie in den letzten Jahren begonnen, werden wir von einem Land, wo Wissenschaft, Technik und sichere Arbeitsplätze zu Hause sind, zu einem drittklassigen Wirtschaftsstandort.“

„Die Nachricht, dass auch am Standort Burghausen der Wacker Chemie AG vermutlich Arbeitsplätze abgebaut werden, ist für mich ein Schock, eine denkbar schlechte Nachricht für die Firma Wacker, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die gesamte Region“, sagt Staatssekretär MdB Stephan Mayer. Vorrangig sei nun, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Eindeutig wichtigstes Ziel sei es, die verbleibenden Stellen zu erhalten und mittelfristig die Anzahl der Arbeitsplätze wieder aufzustocken. Die Begründung der Firmenleitung für diesen Einschnitt gebe zu denken und sei leider keine Überraschung, so Mayer weiter. Spielten doch die im Vergleich zum Ausland in Deutschland hohen Energiepreise eine wichtige Rolle. „Wir gefährden unsere Wirtschaft, wenn wir nicht alle gemeinsam endlich etwas gegen die hohen deutschen Industriestrompreise unternehmen und Wettbewerbsnachteile für energieintensive Wirtschaftszweige beseitigen“, erklärt der Abgeordnete. Denn klar sei: „Die Bekämpfung des Klimawandels ist lebenswichtig.
Aber: Ohne gesunde Wirtschaft, die den Wettstreit mit anderen großen Wirtschaftsmächten bestehen kann, sind die dafür nötigen Maßnahmen nicht finanzierbar.“

„Die Nachricht des Stellenabbaus bei der Wacker Chemie ist für mich und für die Region ein großer Schock“, sagt auch MdL Dr. Martin Huber. Dass Wacker Einsparungen vornehmen müsse, um konkurrenzfähig zu bleiben, habe sich in vergangener Zeit schon angekündigt. Dass damit ein großer Stellenabbau einhergehe, sei für den Standort Burghausen ein großer Verlust und für alle Betroffenen ein harter Schlag.

„Diese Entscheidung macht deutlich, dass wir bei den Rahmenbedingungen ansetzen und konkurrenzfähige Energiepreise schaffen müssen“, so Huber weiter. Er habe immer wieder deutlich gemacht, dass beim Klimaschutz das Zieldreieck sozial – ökologisch – wirtschaftlich zu beachten sei: „Nur wenn wir als Standort wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben, können wir mit Innovationen und Hightech Klimaschutz betreiben.“ Die Entscheidung von Wacker mache auch deutlich, wie sehr gerade die Region Inn-Salzach mit Forschung und Innovation zukunftsfest gemacht werden müsse. Dafür werde er sich einsetzen.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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