Schutz und Chemie: Sicher in die Zukunft mit Archroma

Archroma Standort in Gendorf von großer strategischer Bedeutung – Potenzial der Fluorchemie

Burgkirchen. Während die Automobilindustrie bereits wankt, schlägt sich das Bayerische Chemiedreieck noch relativ stabil durch die Corona-Krise. Das liegt auch an dem breiten Produktportfolio: Kaum ein nützliches Molekül in der modernen Welt, das nicht seinen Weg über ein Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck genommen hat. Angefangen von den Desinfektionsmitteln bis hin zu Komponenten zur Medizintechnik reicht das Spektrum – auch mit Blick auf die aktuell gefragten Gesichtsmasken mit hohen Schutzstandards. Hier leistet vor allem auch Archroma, eines der kleineren Unternehmen im Chemiepark Gendorf im Kreis Altötting, seinen Beitrag.

Archroma ist ein weltweit führendes Unternehmen der Farb- und Spezialchemie mit Hauptsitz in Reinach bei Basel in der Schweiz. Im gesamten Konzern beschäftigt das Unternehmen rund 3000 Mitarbeiter an 26 Standorten rund um den Globus – davon 200 in Deutschland und rund 70 sowie drei Auszubildende in Gendorf. Archroma erzielt im Konzern einen Jahresumsatz von rund 1,4 Milliarden US-Dollar.

„Archroma ist eigentlich eine neue und gleichzeitig sehr etablierte Firma“ wie Dr. Hanspeter Gethöffer, Geschäftsführer der Archroma Germany, erklärt. „Seinen Ursprung hat das Unternehmen Archroma in der Spezialchemikaliensparte der ehemaligen Hoechst AG, die 1998 von der schweizerischen Clariant übernommen wurde. In 2013 hat Clariant die drei Geschäftsbereiche Textil-Chemikalien, Papier-Spezialitäten und Emulsionen an die Investorengruppe SK Capital Partners verkauft und Archroma entstand.

Die Investorengruppe baute in den folgenden Jahren das Portfolio des Unternehmens durch Zukäufe, zum Beispiel des Geschäftsbereichs Textil-Chemikalien der BASF und der ehemaligen Dohmen Gruppe weiter aus. Archroma ist vor allem bekannt durch innovative Prozesschemikalien, die beispielsweise eine 90-prozentige Reduktion des Wasserverbrauches bei der Färbung von Baumwoll-Textilien erlauben“. „Life enhanced“, lautet die Philosophie des Unternehmens.

„Life enhanced“, also frei übersetzt „verbessertes Leben“ spielt im Augenblick eine besondere Rolle.

In diesem Kontext entwickelt und produziert das Unternehmen nicht nur maßgeschneiderte Spezialchemikalien für technische Anwendungen wie zum Beispiel Hochleistungsschmierstoffe für Getriebe und Windkraftanlagen, sondern auch fluorierte Polymere, die unter anderem zur Veredelung von Textilien, Papier oder Leder eingesetzt werden.

Der Anwendungsbereich der von Archroma in Gendorf entwickelten und gefertigten Chemikalien ist weit gefasst. Textilien wie Teppiche, Bezüge für Polster, Markisenstoffe und eben auch Schutzbekleidungen erhalten durch die speziellen Produkte wasser-, schmutz- und flammabweisende Eigenschaften: Wasser perlt ab, Fett oder Schmutz können nicht haften und schwer entflammbare Textilien verhindern Verbrennungen.

Eine große Rolle spielen diese Fluorkunststoffe derzeit in der Herstellung von medizinischen Textilien bis hin zu hochwertigen Gesichtsschutzmasken, um einen weitest möglichen Schutz vor Viren zu gewährleisten.

„Die Nachfrage nach unseren Produkten ist aktuell unglaublich hoch. Nicht zuletzt, weil nur diese Produkte den momentan dringend benötigten Mund-Nasen-Schutzmasken oder medizinischer Schutzkleidungen die schützenden Eigenschaften verleihen. Es sind also auch Produkte aus Gendorf, die derzeit in Deutschland und Europa für sichere und zuverlässig funktionierende Medizin- und Sicherheitsartikel sorgen“, erklärt der Archroma Standortleiter in Gendorf Dr. Erik Salzbrenner nicht ohne Stolz. „Unser Werk in Gendorf hat für uns eine große strategische Bedeutung“, fährt Gethöffer weiter fort. „Dies drückt sich unter anderem auch dadurch aus, dass wir in den vergangenen Jahren eine zweistellige Millionensumme am Standort Gendorf investiert haben, um hier das Produktportfolio mit innovativen und nachhaltigen Lösungen weiter zu entwickeln, aber auch um den Standort zu sichern und neuen Vorgaben in der Chemikalienpolitik zu entsprechen. Denn während einerseits die Ansprüche der Verbraucher an die Funktionalität von Textili
en, Geweben oder grundsätzlich allen Gebrauchsgegenständen generell steigen, entwickelt die Europäische Union durch die EU-Chemikalienverordnung REACH immer weitere Restriktionen zur Fluorchemie, die sie für Mensch und Umwelt problematisch sieht.“

Die chemische Industrie in Deutschland trägt diesen Ansprüchen durch Weiterentwicklung von Prozessen und Produkten Rechnung, zum Beispiel in der Umstellung der langkettigen Fluorverbindungen auf umweltschonendere kurzkettigere Fluorverbindungen sowie auf fluorfreie Chemikalien. „Archroma in Gendorf hat in diesem Kontext nicht nur reagiert, sondern den Branchentrend mitgestaltet und bereits vor Jahren auf kurzkettige Fluorverbindungen umgestellt“, schildert Salzbrenner. Eigens habe man dafür neben intensiven Entwicklungsarbeiten auch millionenschwere Investitionen in Gendorf aufgebracht. Eine weitere Beschränkung der Fluorchemie durch neue Gesetzesvorhaben sieht er zum aktuellen Zeitpunkt kritisch. „Fluorpolymere werden aufgrund ihrer herausragenden Materialeigenschaften in allen Hochtechnologie-Bereichen eingesetzt – angefangen von der Medizintechnologie, über den Baubereich sowie die Dichtungstechnik und Elektronik bis hin zu vielen Umwelttechnologien.

Wirklich gleichwertig funktionierende fluorfreie Alternativrohstoffe gibt es dabei in vielen Industriesektoren einfach nicht oder es wird erst an teuren Alternativen geforscht. Wird also der Restriktions-Weg in der Fluorchemie ohne entsprechend flächendeckende, funktionierende Alternativstoffe weiter in der Geschwindigkeit beschritten, drohen nicht nur uns, sondern dem ganzen Standort Deutschland Probleme.“

Bereits aktuell warnte kürzlich der Textilverband, dass vor dem Hintergrund diskutierter Restriktionen in Zukunft kaum noch OP- und FFP-Masken in Europa produziert werden könnten, da sie aufgrund der EU-Chemikalienverordnung keine Zulassung mehr erhielten.

„Wir müssen aufpassen, dass wir uns in Deutschland und Europa nicht von der Realität abschotten. Es nutzt dem Umweltschutz rein gar nichts, wenn wir eine Industrie in Deutschland unmöglich machen, die hierzulande unter strengsten Umweltauflagen produziert und kontinuierlich in neueste Technologien und Produktionsverfahren investiert, um auf der anderen Seite eine Abhängigkeit von fragwürdigen Importen einzugehen“, gibt Dr. Bernhard Langhammer vom Standortbetreiber InfraServ Gendorf zu bedenken.

„Wir können froh sein, Unternehmen wie Archroma in unserem Chemiepark und unserer Region zu haben, die mit ihrer Forschung und Produktion sehr verantwortlich den Umweltschutz, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte und die Gesundheit der Menschen im Fokus haben. Davon profitiert auch die Region – zum einen von den Produkten, die der Gesellschaft unter anderem Sicherheit und Gesundheitsschutz bieten – zum anderen von der Stärkung des Standorts und in Konsequenz von zukunftssicheren Arbeitsplätzen.“

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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