Rezession: Kein Lohnplus

Chemie-Tarifrunde 2019 hat begonnen

München. Die erste regionale Verhandlung der Tarifrunde 2019 für rund 70 000 Beschäftigte in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Bayern, davon gut 20 000 in der Region südöstliches Oberbayern, ist in dieser Woche gelaufen. Nach einer rund eineinhalbstündigen Wirtschaftsdebatte zwischen Arbeitgeberverband VBCI und der IG BCE Bayern wurde die Tarifverhandlung ergebnislos vertagt.

Die IG BCE war mit einem komplexen und umfangreichen Forderungspaket in die Verhandlungen gestartet. Es besteht aus einem sogenannten Zukunftskonto in Höhe von jährlich 1000 Euro pro Mitarbeiter, einer realen und spürbaren Entgelterhöhung sowie einer arbeitgeberfinanzierten Pflegezusatzversicherung. Des Weiteren fordert die Gewerkschaft eine Qualifizierungsoffensive.

Die Chemie-Arbeitgeber machten klar, dass sie in der Rezession keinen Spielraum für Entgelterhöhungen seghen und das Forderungspaket der IG BCE von den Unternehmen nicht finanzierbar sei.

Dazu VBCI-Hauptgeschäftsführer Walter Vogg: „In guten Zeiten haben wir unsere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer – wie beim letzten Abschluss – am Branchenerfolg beteiligt. Nun ist es an der Zeit, dass die IG BCE ihre Forderungen überdenkt und an die Realitäten anpasst. Wir reden die Rezession in der Industrie nicht herbei – sie ist schlichtweg bereits da! Die Chemie steckt bei Umsatz, Produktion und Aufträgen tief in den roten Zahlen und unsere Unternehmen erwarten auch in den kommenden Monaten weiterhin Stagnation bzw. Rückgänge.“ Und das in einer Zeit, in der sich die Industrie in einem tiefgreifenden Strukturwandel befinde.

Die geforderte Umstellung auf klimaneutrale Produktionsprozesse und die damit erforderliche Entwicklung neuer Techniken und Verfahren sowie die Intensivierung einer Kreislaufwirtschaft und nicht zuletzt die Digitalisierung verlangten enorme Investitionen der Unternehmen, um den Industriestandort Bayern und die Arbeitsplätze zukunftsfähig zu machen. Hinzu kommen Investitionen in die notwendige Entwicklung neuer Geschäftsmodelle als Automobilzulieferer im Zuge der Umstellung auf E-Mobilität.

In dieser Situation ist es aus Sicht der Arbeitgeber entscheidend, dass die Arbeitskosten nicht steigen und die vorhandenen Ressourcen in die richtigen Bahnen gelenkt werden.

Skeptisch sehen die Arbeitgeber auch das von der IG BCE geforderte neue Zukunftskonto. „Eine höhere Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung darf auf keinen Fall zu einer Reduzierung des erforderlichen Arbeitszeitvolumens führen. Flexibler zu arbeiten bedeutet nicht, weniger zu arbeiten. Die Verschärfung des Fachkräftemangels auch noch mit einem Zukunftskonto zu finanzieren und im Ergebnis möglicherweise die Belastung derjenigen zu erhöhen, an denen die Arbeit am Ende hängen bleibt, geht in die völlig falsche Richtung“, so Walter Vogg.

„Die sehr faire und in sachlicher Atmosphäre geführte Wirtschaftsdebatte“, so der Arbeitgeberverband, wurde ohne Ergebnis vertagt. Die Verhandlungen werden ab 21. Oktober in Hannover auf Bundesebene fortgesetzt.

Die Positionen der Arbeitgeber stehen online unter https://chemie-arbeitgeber.de zur Verfügung.

In Bayern sind im Verein der Bayerischen Chemischen Industrie e.V. (VBCI) rund 210 Unternehmen mit über 70 000 Arbeitsplätzen repräsentiert. Der VBCI vertritt die tarif- und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Gewerkschaft, Politik und Öffentlichkeit.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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