Plädoyers für Wasserstoff-Reallabor: „Damit uns niemand das Wasser abgräbt“

15. Mai 2021

Einrichtung entscheidend für die Zukunft des Chemiedreiecks

Altötting. Die Wasserstofftechnologie und die daraus resultierenden Chancen für das Bayerische Chemiedreieck sind aktuell in aller Munde – und zwar nicht nur bei Wissenschaftlern und Vertretern der heimischen Industrie (weiterer Bericht auf der heutigen Heimatwirtschaftsseite), sondern auch in den kommunalpolitischen Gremien. Schon mehrmals hatte SPD-Fraktionssprecher Hans Steindl das Thema im Kreistag und seinen Ausschüssen aufs Tapet gebracht, so auch aktuell wieder in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses.

Neue Säule der Forschungsförderung
Mit dem neuen Energieforschungsprogramm will die Bundesregierung sogenannte H2-Reallabore der Energiewende als neue Säule der Forschungsförderung aufbauen. In zeitlich und räumlich begrenzten Experimentierräumen sollen sowohl innovative Technologien als auch integrale Energiekonzepte unter realen Bedingungen marktnah und im systemischen Zusammenspiel erprobt werden, heißt es auf der Internetseite des Bundeswirtschaftsministeriums. Ausschlaggebend für den Erfolg eines Reallabors sei der Nachweis, dass der Systemgedanke mit einem Höchstmaß an Energieeffizienz umgesetzt werde. In Bayern gibt es bislang noch kein Wasserstoff-Reallabor. In Burghausen hat die Projektierung das Konsortium RegioInvest Inn-Salzach GmbH in die Hand genommen, wobei sich Unternehmen aus dem gesamten Chemiedreieck einbringen sollten. So ist auf dem Gelände des Güterverkehrsterminals bereits die Fläche für die Einrichtung einer Wasserstofftankstelle vorgesehen. Wacker und OMV sind bereits im Boot.

Hans Steindl betonte mit Nachdruck, hier stehe die wichtigste Entscheidung der nächste Jahre an, es gehe um die Zukunft des Chemiedreiecks. Für Süddeutschland stünden Burghausen und Ludwigshafen in Konkurrenz. „Die Staatsregierung muss das Chemiedreieck vorschlagen“, forderte Steindl. Es gehe um Fördergelder von bis zu 400 Millionen Euro.

Auch Staatssekretär MdB Stephan Mayer fand deutliche Worte: „Ich würde mir wünschen, dass die bayerische Staatsregierung mehr macht als Daumen drücken.“ Wenngleich die EU und der Bund in der Projektierung entscheidend seien, dürfe sich der Freistaat nicht herausnehmen, müsse vielmehr unterstützen – „auch mit Geld“.

Es gibt keinen Standort, der geeigneter wäre
Mayer sieht ebenfalls die Zukunftsfrage gestellt, ob es das Chemiedreieck 2040 noch geben werde, wenn im Themenkomplex der Dekarbonisierung und Defossilisierung Burghausen nicht zum Zug kommt. Das Chemiecluster habe alle Voraussetzungen für einen Erfolg, es gebe keinen geeigneteren Standort. Er appellierte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit „uns in Süddeutschland niemand das Wasser abgräbt“. Neben der Industrie müsse auch die Technische Hochschule Rosenheim mit dem Campus Burghausen ins Boot geholt werden.

Im Kreisausschuss herrschte Einigkeit, dass die Wasserstofftechnologie eine zentrale Zukunftschance für das Chemiedreieck und die Wirtschaft im Landkreis darstellt und jegliche Unterstützung erfahren müsse.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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