Pionier in Sachen Elektromobilität

Bei Wacker Chemie war schon im Jahr 1926 ein „Elektrokarren“ im Einsatz

Burghausen. Entweder aus dem Jahr 1924 oder 1926 stammt die Liste, die der Burghauser Gustl Geith entdeckt und an die Heimatzeitung geschickt hat. Es handelt sich um eine Auflistung, welche Fahrzeuge damals im Landkreis Altötting zugelassen waren. Bei genauerem Hinsehen verbirgt sich unter den Einträgen ein interessantes Detail, ist darauf doch ein Elektroauto aufgelistet.

37 Gefährte waren Mitte der 1920er Jahre im Landkreis Altötting gemeldet. Unter anderem hatten Fritz Kreuzpointner, die Neuöttinger Freiwillige Sanitätskolonne, die Maschinenfabrik Esterer, die „Stadtgemeinde Burghausen“ und die Buchdruckerei Geislberger Automobile angemeldet. Und die „Wacker Dr. A., Gesellschaft f. elektrochem. Industrie, Burghausen“. Bei ihrem Eintrag ist ein Zusatz vermerkt: „Elektrokarren“. War bei Wacker somit eins der ersten E-Autos im Einsatz?

Ob das E-Auto von Wacker das erste im Landkreis ist, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. So weit reicht das Archiv der Zulassungsbehörde des Landratsamtes nicht zurück, sagt Behörden-Pressesprecher Markus Huber.

Bei Wacker hat man sich ob des Fundes gleich auf die Suche nach weiteren Details gemacht. Dr. Christian Finger, Leiter des historischen Unternehmensarchivs bei Wacker, und Pressesprecher Stephan Haas haben recherchiert. Ihr Ergebnis: Das gemeldete Fahrzeug ist kein Elektroauto im eigentlichen Sinn. Es war wohl nie im Straßenverkehr im Einsatz und auch kein Privatfahrzeug von Alexander Wacker, was der Eintrag auf den ersten Blick vermuten lässt. Es handelte sich vielmehr um ein „Transportfahrzeug für den Innerwerksverkehr“ der Firma Wacker, an dem mehrere Anhänger befestigt werden konnten, so Haas.

Im Unternehmensarchiv konnte auch eine Fotoaufnahme des Gefährts gefunden werden. Sie stammt aus dem Jahr 1926. Haas, der aus der Automobilindustrie kommt, glaubt, dass sich unter dem Zugfahrzeug die Batterie befand. Der Pressesprecher denkt, dass dieser „Elektrokarren“, wie das Fahrzeug bezeichnet wurde, 1926 ein ziemliches Novum in Burghausen gewesen sein müsste. Ob es das erste und einzige Fahrzeug dieser Art war oder ob es mehrere gab, ist auch dem Unternehmen nicht bekannt.

Fest steht jedoch, dass bereits in den 1920er Jahren neben dem Dieselantrieb der Elektroantrieb existiert hat. Fahrzeuge mit Elektroantrieb wurden laut Informationen des ADAC ab den 1920er Jahren vereinzelt für den Transport von Waren im Nahverkehr und für den Stadtverkehr genutzt. Weiter verbreitet als Fahrzeuge mit Akku-Antrieb waren jedoch welche, die ihren Strom über Oberleitungen bezogen. Bei Wacker jedoch hat es offensichtlich auch mit dem Batterie-Antrieb funktioniert. Man konnte wohl den Strom, der schon in den 1920er Jahren aus Wasserstoff gewonnen werden konnte, nutzen und die Gefährte damit antreiben, mutmaßt Haas.

Heute sind Fahrzeuge mit Elektroantrieb im Landkreis keine Besonderheit mehr, sie sind stattdessen auf dem Vormarsch. Unter den mittlerweile fast 70 000 Fahrzeugen, die im Landkreis Altötting gemeldet sind, befinden sich 298 Elektroautos und 662 Hybride. Und auch der Elektrokarren ist bei Wacker nicht das einzige Gefährt mit E-Antrieb geblieben. Im Werkverkehr fahren heute 25 Elektrofahrzeuge und eine Vielzahl von E-Staplern. Obendrein sind in der Dienstwagenflotte in Burghausen 20 Fahrzeuge, die einen Elektro- oder Hybridantrieb besitzen, so Stephan Haas.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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