PFOA-Wert jetzt unter der Nachweisgrenze

Aktivkohle-Filteranlage bringt Altötting, Neuötting und Winhöring „hervorragendes Trinkwasser“

Neuötting. Wenn ein Projekt vom Umfang einer mittleren zweistelligen Millionensumme abgeschlossen wird, wird das gemeinhin gefeiert, und das in nicht zu kleinem Rahmen. Insbesondere dann, wenn dieses Projekt dem Bürger große Vorteile bringt und einen Umweltschaden spürbar mildert. Im Coronajahr aber ist alles anders. Und deshalb war die Inbetriebnahme der Aktivkohle-Filteranlage am Mittwochnachmittag ein eher technischer Termin ohne Festreden, ohne Imbiss. Die Freude über das gelungene Werk, über diesen „Meilenstein“ aber schmälerte das nicht.

Wie in der gestrigen Ausgabe bereits kurz berichtet, reinigt diese Filteranlage das in den Brunnen I und II im Öttinger Forst geförderte Wasser. Es geht zuvörderst um die Entfernung von PFOA; weil die Konzentration der Chemikalie den Leitwert überschritten hatte, waren die Brunnen 2016 vom Netz genommen worden. Seither bekamen die Bürger von Altötting, Neuötting und Winhöring PFOA-freies Wasser aus dem Tiefenbrunnen in der Osterwies.

Altötting und Neuötting betreiben die Wasserversorgung gemeinsam. Die Entnahme des Tertiärwassers soll so gering wie möglich gehalten werden, weshalb die beiden Brunnen bei Neuötting wieder ans Netz gebracht werden mussten – was aber nur möglich ist mittels einer Filterung.

Die Industrie im Werk Gendorf, die für den PFOA-Eintrag in Boden und Wasser im Landkreis verantwortlich ist, stellte sich den daraus resultierenden Verpflichtungen, wenngleich die Verhandlungen nicht leicht waren. Daran erinnerte am Mittwoch Altöttings Altbürgermeister Herbert Hofauer, der die Gespräche geführt und dabei auch auf die Expertise seiner Mitarbeiter Hannelore Wendt und Alois Wieser gebaut hatte.

Das Ergebnis nannte Martin Stubner, Umweltmanager der Firma 3M, einen „Meilenstein“. Das Projekt sei „extrem spannend“ gewesen, die Zusammenarbeit „toll“ und vom Geist getrieben, „zusammen eine Lösung zu schaffen“.

Michael Weber, Projektleiter der Firma Hölscher Wasserbau, die von InfraServ als mit dem Bau beauftragten Unternehmen engagiert worden war, zeigte den Vertretern der Städte Altötting und Neuötting die Anlage, für die im August 2019 Spatenstich war und die es ermöglicht, das Wasser so zu filtern, dass PFOA unter der Nachweisgrenze bleibt. Sie besteht aus sechs Absorbern (Filterkesseln), von denen drei als Arbeitsfilter und drei als Sicherheits- oder Polizeifilter eingesetzt werden. Gegen die Bildung von coliformen Keimen sind sechs UV-Anlagen eingesetzt. Das Trinkwasser wird daraufhin in zwei Reinwasserbehältern zwischengespeichert, bis es anschließend in das Versorgungsnetz der Städte Altötting und Neuötting und der Gemeinde Winhöring und zum Hochbehälter in Graming gefördert wird.

Mit der Inbetriebnahme verändert sich die Trinkwasserzusammensetzung, erläuterte Altöttings Wassermeister Alois Wieser. Das Trinkwasser wird kalkhaltiger und somit härter (12°dH bis 15°dH) werden. Das entspricht nach dem Waschmittelhaushaltsgesetz einem Härtebereich von 2 bis 3. Die Betreiber von Enthärtungsanlagen sollen diese entsprechend einstellen. Die Anlage ist jetzt am Netz. Es sind aber noch einige Restarbeiten nötig, ehe sie Anlage endgültig an die Wasserversorgung Altötting-Neuötting übergeht.

„Es ist ein freudiger Tag“, sagte Neuöttings Bürgermeister Peter Haugeneder im Gespräch mit der Heimatzeitung. Die beiden Brunnen könnten jetzt wieder „hervorragendes Trinkwasser“ liefern, und das in noch höherer Qualität als früher. Er lobte die Zusammenarbeit mit allen Partnern, was Martin Stubner von 3M kommentierte mit dem Satz: „Wir haben uns zusammengerauft.“

Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen ergänzte, die Industrie habe sich ihrer Verantwortung gestellt: „Das ist eine hervorragende Kooperation.“ Alle Seiten hätten Verlässlichkeit gezeigt, was wiederum dem Bürger zugutekommt, auf den wegen des Baus und Betriebs der Filteranlage keine Kosten zukommen. Hierzu betonte Martin Stubner abschließend: „Ein derartiges Projekt ist noch nirgendwo in Deutschland realisiert worden. Wir wollten eine Lösung. Wir sind in der Gegend verwurzelt und wollen hier bleiben.“

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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