OMV muss Millionenschaden verkraften

Nach zweieinhalbwöchigem Fackelbetrieb läuft die Raffinerie wieder in Normalbetrieb

Burghausen. Die Flammen sind aus, die Produktion läuft wieder: Drei Wochen nach der folgenreichen Störung in der Burghauser OMV-Raffinerie herrscht wieder Alltag. Zeit für Standortleiter Dr. Gerhard Wagner, Bilanz zu ziehen.

„Wir wissen, dass das Ganze störend war, deswegen können wir nur um Entschuldigung bitten“, sagte Wagner am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs, bei dem er und sein stellvertretender Werkleiter Dr. Robert Lackner die Ereignisse Revue passieren ließen.

So fiel, wie mehrfach berichtet, am 24. August eine für die Ethylenproduktion unverzichtbare Kühlanlage aus, was zur Folge hatte, dass die bei der Rohöldestillation anfallenden Gase über die Fackeln verbrannt werden mussten. Besonders in den ersten Nächten erleuchteten mehrere Dutzend Meter hohe Flammen den Himmel, selbst in Nachbarlandkreisen war das Spektakel zu sehen.

Alternativen habe es nicht gegeben, betonten Wagner und Lackner gestern noch einmal. Ohne die Kühlanlage könnten die für die Industrienachbarn gedachten Gase nicht auf die zur Verarbeitung notwendigen Minusgrade heruntergekühlt werden. Die Folge sei, dass das Flüssiggas verdampfe, begleitet von gewaltigem Druck- und Volumenaufbau, ähnlich wie bei einem Dampfkochtopf.

Fackeln ähneln Flugzeugturbinen

Binnen Sekunden springen in solchen Fällen die Fackeln an. Wagner zufolge ähneln sie Flugzeugturbinen: Über Seitenrohre werde Luft angesaugt und dem Fackelkopf zugeführt. Vor fünf Jahren seien extra drei Millionen Euro investiert worden, um eine Dampfzumischung einzubauen. Seitdem ruße die Flamme zwar nur noch minimal, dafür sei sie lauter.

Welche Gasmengen in den vergangenen Wochen – seit 11. September sind die Fackeln wieder aus – verbrannt wurden, ist laut OMV noch nicht feststellbar. Ähnliche Ereignisse aus der Vergangenheit zeigen aber, dass es dabei um mehrere tausend Tonnen gehen kann.

Was Wagner betont ist, dass der Fackelbetrieb keine Gefahr für die Gesundheit darstelle. Die zugeführten Gase würden zu mehr als 99 Prozent verbrannt, übrig blieben nur CO2 und Wasserstoff. Laut einem Gutachten des Landesamts für Umwelt hätte selbst ein für die Dauer eines Jahres anhaltender Fackelbetrieb keine negativen Auswirkungen, so Wagner.

Anders sieht es mit Blick auf die finanziellen Folgen aus. Weil während der Reparaturphase die Raffinerie weitgehend stillstand, geht der Geschäftsführer von einem Schaden von „etlichen Millionen“ aus. Verkraften muss das die OMV selbst – zwar gebe es entsprechende Versicherungen, doch würden diese erst greifen, wenn der Schaden existenzbedrohende Ausmaße annimmt.

Wacker und Co. von Versorgung abgetrennt
Die Auswirkungen des Vorfalls bekamen auch die Kunden zu spüren, so die Chemiebetriebe in der Region, die von der OMV mit Ethylen und anderen Gasen versorgt werden. Wagner zufolge handelt es sich um Just-in-time-Produktion ohne große Lager. Ein Ausfall zeige deswegen unmittelbare Folgen.

Zumal der Ausfall länger dauerte als zunächst angenommen. Dummerweise sei während der Reparatur noch eine zweite Anlage ausgefallen, habe aufwändig ausgebaut und nach Erlangen gebracht werden müssen, so der Geschäftsführer weiter. Trotz Arbeiten rund um die Uhr und des Engagements aller Beteiligten seien Verzögerungen nicht vermeidbar gewesen.

Immerhin: Es habe keine Verletzten gegeben, zeigt sich Wagner erleichtert. Und die OMV sei eine „lernende Organisation“. Man wolle den Vorfall nutzen, um „das Maximale an Lerneffekt mitzunehmen“. Damit das nächste größere Abfackeln – kleinere Fackelbetriebe sind im Rahmen von Wartungen ganz normal – nicht vor dem für 2021 und 2022 geplanten „Shut Down“ der Raffinerie notwendig wird.

Für Fragen zum Fackelbetrieb und ähnliche Themen steht die OMV unter Tel. 08677/9600 oder per Mail an info.germany@omv.com zur Verfügung.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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