Möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen

Nach Spar-Ankündigung bei Wacker starten jetzt die Gespräche für die genaue Umsetzung – Betriebsrat will sich für Azubis einsetzen

Burghausen. Anzeichen gab es schon länger, gestern kam die offizielle Mitteilung: Die Wacker Chemie AG will massiv Stellen abbauen. Über 1000 Arbeitsplätze sollen bis 2022 weltweit eingespart werden, der Großteil davon in Deutschland. Das wurde bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung am Donnerstag in Burghausen verkündet.

80 Prozent der Kürzungen sollen nach Konzernangaben auf die deutschen Standorte entfallen. Weltweit beschäftigt Wacker rund 14 500 Mitarbeiter, bundesweit sind es 10 000, davon mehr als 8000 am weltgrößten Wacker-Standort in Burghausen. Im Fokus der Streichungen stehen die Verwaltung und die nicht-operativen Bereiche.

Schon seit Monaten geht bei Wacker die Sorge um. Nicht nur die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China drücken die Ergebnisse des global agierenden Chemieunternehmens. Mehr noch treffen es die staatlichen chinesischen Subventionspraktiken. Bereits Ende 2019 hatte Finanzvorstand Tobias Ohler kritisiert, dass China enorme Überkapazitäten an Polysilicium aufbaue und das sowohl mit Krediten und Fördermitteln als auch mit extrem günstigen Strompreisen für die eigenen Unternehmen unterstütze. Hinzu kommt eine deutlich geringere Solar-Nachfrage als zunächst gedacht. Und mehr und mehr schlagen auch die in Deutschland steigenden Stromkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit des energieintensiven Unternehmen durch.

Anfang Dezember hatte Wacker bekanntgegeben, dass außerplanmäßig Anlagevermögen im Wert von 750 Millionen Euro abgeschrieben werden muss. Die Jahreszahlen rutschten tief ins Minus. Zuletzt hatte Konzernchef Dr. Rudolf Staudigl daher bereits ein Sparprogramm in Aussicht gestellt.

Wie dieses konkret aussieht, gab Vorstandsmitglied Dr. Christian Hartel am Donnerstagvormittag vor den Burghauser Beschäftigten im Wacker-Belegschaftshaus bekannt. So sollen jährlich 250 Millionen Euro eingespart werden, davon 100 Millionen in den Bereichen Lieferanten und Verpackung sowie der Qualitätskontrolle und bei Schulungen. Gekürzt wird offenbar auch im Bereich Umwelt, Gesundheit und Arbeitsschutz – hier leiste Wacker ohnehin mehr als erforderlich, hieß es nach PNP-Informationen in der Betriebsversammlung. Man wolle sich wieder mehr aufs Kerngeschäft fokussieren und Dienstleistungen, wenn möglich, an externe Partner vergeben. Die Zahl der Lieferanten soll auf wenige beschränkt werden.

Wo und wie genau eingespart werden wird, soll im ersten Halbjahr eruiert werden. Was den Personalabbau betrifft, sollen betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermieden werden. Das bestätigte im Nachgang der Versammlung auch Konzernsprecher Christof Bachmair gegenüber der PNP. In erster Linie werde auf übliche Maßnahmen wie Altersteilzeit, Aufhebungsverträge und dergleichen gesetzt. Eine Garantie, dass die Einsparungen ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstatten gehen werden, gibt es freilich nicht.

Völlig offen ist bislang, welche Standorte wie stark betroffen sein werden. In Deutschland unterhält Wacker Niederlassungen in Burghausen, München, Nünchritz (Sachsen), Jena, Halle, Köln und Stetten (Baden-Württemberg), wobei mehr als 80 Prozent aller Beschäftigten in Burghausen konzentriert sind. Das Sparprogramm sei bislang nicht auf einzelne Standorte heruntergebrochen, so Bachmair. Rechenspiele dazu seien reine Spekulation.

Grundsätzliche Unterstützung für dem Umbau signalisierten gestern die Betriebsräte. Man werde die eigene Erfahrung, Meinung und den Sachverstand in die jetzt beginnenden Gespräche einbringen, sagte Vorsitzender Manfred Köppl gegenüber der PNP. Kritik äußerte er allerdings an der bislang fehlenden Verzichtsgarantie, was betriebsbedingte Kündigungen betrifft. Auch „in Zeiten von Sparmaßnahmen und einer Neuorientierung werden wir unsere Mitbestimmungsmöglichkeiten nutzen“, sagte er in Bezug auf die Ausgestaltung des anvisierten Personalabbaus. Einen Schwerpunkt wollen die Betriebsräte eigenen Angaben zufolge auf die Frage der Übernahme von Auszubildenden legen.

In deren Reihen machen sich unterdessen Sorgen breit. PNP-Informationen zufolge rollten Azubis bei der Betriebsversammlung Banner aus, mit denen sie ihren Befürchtung Ausdruck verliehen, dass sie im Anschluss an ihre Ausbildung nicht übernommen werden.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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