Mit Stipendien IT-Fachkräfte sichern

Bildungsakademie Inn-Salzach bildet gesuchten Berufsnachwuchs für die Region aus

Burgkirchen. Die Corona-Krise und der daraus folgende Zwang zu mehr mobilem Arbeiten verdeutlichen aktuell allzu sehr, welche herausragende Bedeutung digitale Technologien für Unternehmen haben. Aber was können Unternehmen in der Region tun, wenn gut ausgebildete IT-Fachkräfte Mangelware sind? Die Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT Gendorf) steuert mit einem IT-Stipendienprogramm gegen. Zu aktuellen Fragen nimmt Jörg Wanders, Leiter der IT-Schule der BIT Gendorf im Interview für Heimatwirtschaft Stellung.

Stipendien für Studierende sind bekannt. Die Ausbildung zum staatlich anerkannten Technischen Assistenten für Informatik (TAI) an der IT-Schule in Gendorf ist eine zweijährige schulische Ausbildung mit Praxisanteil: Warum legen Sie in Kooperation mit Unternehmen ein Stipendienprogramm auf?
Jörg Wanders:
Wir haben wesentlich mehr Anfragen nach unseren Absolventen als wir abdecken können. Und das ist kein Wunder: Informatiker werden händeringend gesucht. Das wird sich mit der Corona-Krise sicher noch verschärfen. Wenn Mitarbeiter von heute auf morgen ins Homeoffice wechseln, stellt dies IT-Abteilungen vor große Probleme und verdeutlicht den Nachholbedarf beim Einsatz digitaler Lösungen sowie der Etablierung digitaler Geschäftsmodelle. Unsere Stipendien sind ein probates Mittel, um Schüler und Unternehmen zu einem frühen Zeitpunkt zusammenzubringen.

Warum bilden Unternehmen ihre IT-Fachkräfte nicht selbst aus?
Jörg Wanders:
Manche Unternehmen fahren zweigleisig, bilden Fachinformatiker aus und bieten unseren Schülern Stipendien an. Aber das sind nur wenige. Fachinformatiker auszubilden ist sehr kostenintensiv und das Thema IT so komplex, dass es für viele Unternehmen und Betriebe gar nicht umsetzbar ist. Der Beruf ist hochgradig erklärungsbedürftig. Verglichen mit klassischen Berufen wie etwa Metallbauer oder Chemikant gibt es in den meisten Betrieben auch keine gewachsenen Strukturen. Entsprechend niedrig ist die Anzahl an dualen Ausbildungsplätzen in der Region.

Ist das Stipendium für die Schüler eine Art Übernahmegarantie?
Jörg Wanders:
Ja, das kann man durchaus so sagen. Für die Schüler bedeutet das Stipendium weit mehr als nur die Übernahme der Schulgebühren. Sie haben eine klare Laufbahn, lernen ihren Arbeitgeber und die Kollegen schon während der Schulausbildung kennen und steigen nach zwei Jahren Ausbildung voll ins Berufsleben ein.

Aber bietet die Ausbildung zum TAI auch Spielraum, um auf die speziellen Herausforderungen im jeweiligen Unternehmen einzugehen?
Jörg Wanders:
Das ist gerade mit Blick auf die Stipendien ein wichtiger Punkt: Mit den Unternehmen, die eng mit uns zusammenarbeiten und etwa Stipendien ausgeben, treffen wir uns regelmäßig. Es gibt einen Beirat, in dem ein intensiver Austausch stattfindet. Hier sprechen wir nicht nur über den Bedarf, sondern auch über die Qualifikationen, die in den Unternehmen benötigt werden. Die Herausforderungen in den Unternehmen sind unterschiedlich gelagert, es gibt aber auch Trends, die in jedem Unternehmen Thema sind. Aktuell ist das etwa die Frage, mit welchen Belangen man in die Cloud geht und welche besser inhouse bleiben. Wir können mit unserer Ausbildung natürlich nicht dort einsteigen, wo die Herausforderungen der Unternehmen anfangen. Schließlich setzen wir bei den Schülern kein Vorwissen voraus. Die ersten 70 Prozent der Ausbildungszeit sind dazu da, Grundlagenwissen zu vermitteln, aber dann können auch Schwerpunkte gesetzt werden.

Wie finden interessierte Schüler und Unternehmen zueinander?
Jörg Wanders:
Schüler können sich sowohl direkt an die Unternehmen als auch an unsere IT-Schule wenden. Am IT-Stipendienprogramm beteiligen sich zum Beispiel die Abel Gruppe, COC AG, InfaServ Gendorf, Rosenberger Hochfrequenztechnik, Senswork, Siltronic AG, Stadtwerke Waldkraiburg. Bewerbungsschluss für einen Schulplatz mit Stipendium ist der 30. April 2020. Bewerbungen um einen Schulplatz ohne Stipendium sind auch nach dem 30. April noch möglich.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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