Martin Siebert: Immer da „wo’s brennt“

6. Februar 2021

Nach 30 Jahren Wechsel bei der Werkfeuerwehr im Chemiepark Gendorf – Ehemaliger Leiter setzt sich jetzt im Impfzentrum ein

Burgkirchen. 30 Arbeitsjahre, tausende Einsätze und so manch forderndes Ereignis – nach drei Jahrzehnten an der Spitze der Werksicherheit des Chemieparks Gendorf ging der bisherige Leiter Martin Siebert zum Jahresende 2020 in den wohlverdienten Ruhestand.

Ein Tag besonderer Genugtuung in der 30-jährigen Dienstzeit Sieberts war die Eröffnung der neuen Feuerwache im September 2014 mit 180 geladenen Gästen. Das Werk Gendorf hatte für diese moderne Einsatzzentrale zehn Millionen Euro investiert. Außerhalb des Werkes war Siebert durch die Kontaktpflege mit den umliegenden Freiwilligen Feuerwehren bekannt.

Das Berufsleben des jetzt 62-jährigen Burgkirchners spielte sich in jeder Beziehung vor allem da ab, „wo’s brennt“. Und so geht es nun im „Ruhestand“ weiter: Nur einen Monat lang ließ sich Martin Siebert Zeit zum Ausspannen, dann widmete er sich dem „Flächenbrand Corona“. Seit Montag, 1. Februar, ist Siebert organisatorischer Leiter des Landkreis-Impfzentrums im Kreishallenbad. Mindestens ein halbes Jahr lang wird er diesen Posten behalten. „Wir haben zurzeit einen Ausnahmezustand und müssen das gebacken kriegen“, formulierte Martin Siebert gestern im Gespräch mit der Heimatzeitung. Deswegen gleicht seine Arbeitszeit im Impfzentrum der in der Industrie. Das heißt: Sechs-Tage-Woche mit mindestens 50 Stunden.

Im Chemiepark Gendorf ist Sicherheit ein Dauerthema, die Nachfolge bei der Werkfeuerwehr war deshalb akribisch geregelt: Alfred Kronwitter, der die Werkfeuerwehr seit über 20 Jahren kennt, hatte bereits zuvor die Leitung der Gendorfer Werkfeuerwehr übernommen. Im Zusammenhang mit diesem Wechsel gab es eine Umstrukturierung der Leitung: In die von Alfred Kronwitter geleitete Werkfeuerwehr wurde auch das Notfallmanagement integriert, während der Werkschutz separat geleitet wird – weiterhin von Manfred Soller. Einen Leiter der gesamten Werksicherheit gibt es also nicht mehr.

Über 50 hochqualifizierte Werkfeuerwehrmänner sind im Chemiepark im Schichtbetrieb im Einsatz – rund um die Uhr. Sie verfügen über eine der modernsten Feuerwachen in Deutschland und ihre Ausstattung ist ganz auf die Einsätze in der Großchemie zugeschnitten. Bei Notfällen müssen die Feuerwehrleute nach Alarmierung innerhalb nur weniger Minuten mit ihren speziellen Einsatzgeräten vor Ort sein – so ist es behördlich vorgeschrieben. Die Anforderungen an die Mannschaft sind daher hoch, die Prozesse und das Know-how müssen sitzen: „Mein Vorgänger Martin Siebert hat darauf großen Wert gelegt: Wir waren zum Beispiel Vorreiter in Sachen Berufsausbildung und haben bayernweit die ersten Werkfeuerwehrmänner ausgebildet und auch den Quereinstieg professionalisiert. Außerdem gestaltet sich die Zusammenarbeit mit anderen Notfallorganisationen wie BRK, THW, Polizei, Freiwilligen Feuerwehren und Werkfeuerwehren heute deutlich intensiver als früher, weshalb auch das gemeinsame Üben wie in der Notfallgroßübung immer wichtiger wird“, erzählt Kronwitter.

Viel Raum wird weiterhin das Notfallmanagement im Chemiepark einnehmen: „Wir haben hier bereits ein hohes Niveau, aber es ist ein Dauerthema, das wir permanent fortschreiben und weiterentwickeln wollen, um noch besser zu werden. Auch die fortschreitende Digitalisierung eröffnet hier viele neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, die aber bestens eingeübt und trainiert werden müssen“, so Kronwitter.

Doch nicht nur die Werkfeuerwehr, auch der Werkschutz nimmt eine wichtige Rolle bei der Sicherheit des Gendorfer Chemiestandorts ein. Das Tätigkeitsspektrum umfasst beispielsweise den Tor- und Pfortendienst, den Streifendienst am fast neun Kilometer langen Werkzaun und die Kontrolle von Gefahrguttransporten bei Ein- und Ausfahrten. „Beim Werkschutz haben viele nur das Bild für den Besucherempfang im Kopf. Aber die Arbeiten sind dort viel komplexer. Gerade die Gefahrgutkontrollen werden immer wichtiger, um zum Beispiel Sicherheitsmängel frühzeitig aufzudecken und Unfälle zu verhindern“, so Alfred Kronwitter.

Die Zusammenarbeit der Werkfeuerwehr mit den Kollegen vom Werkschutz sei auch dann wichtig, wenn der Verkehr im Chemiepark umgeleitet oder Bereiche abgesperrt werden müssten, erzählt Kronwitter.

Was er sich für die Zukunft wünscht? „Auch wenn wir bestens für den Notfall gerüstet und trainiert sind, ist die beste Lage immer noch die, wenn die Werkfeuerwehr gar nicht erst gebraucht wird.“

Übrigens sind die Einsätze der Werkfeuerwehr nicht auf den Chemiepark beschränkt: „Wenn es unsere eigene Einsatztätigkeit zulässt, sind wir First Responder für Burgkirchen. Das bedeutet: Wenn in der Gemeinde bei schweren Unfällen der Notarzt gerufen wird, werden wir automatisch alarmiert“, erläutert Kronwitter. „Unsere Feuerwehrleute sind qualifiziertes Rettungspersonal und können mit dem Rettungswagen sofort ausrücken. In der Regel sind wir vor dem Notarzt vor Ort und können sofort Erste Hilfe leisten.“ Coronabedingt ist diese Art der freiwilligen Nachbarschaftshilfe aber aktuell eingestellt, um die hohen Sicherheitsstandards des Chemieparks nicht zu gefährden.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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