Luftqualität in Ordnung

Besonderes Messprogramm des Chemieparks Gendorf – Wichtige Umweltdaten für die Region

Burgkirchen. Wertvolle Erkenntnisse über die Luftqualität in der Umgebung liefert das neue Immissions-Messprogramm des Chemieparks Gendorf.

Diese freiwillig und mit hohem Aufwand durchgeführte Untersuchung leistet sich das Werk nur alle zehn Jahre. Bisher gab es solche Messungen in den Jahren 1988, 1999, 2008 und zuletzt 2018 vom 28. Februar bis zum 29. August. Nach genauer Analyse hat Standortbetreiber InfraServ Gendorf nun die Ergebnisse veröffentlicht. Anlass zur Sorge geben sie nicht, im Gegenteil: Die ermittelten Konzentrationswerte haben sich im Zehn-Jahres-Vergleich nur unbedeutend verändert – das bei seit 2008 um fast 40 Prozent gestiegener Produktionsmenge! Die Ergebnisse zeigen laut InfraServ unauffällige Werte, die in keinem Bereich geltende Richt- und Grenzwerte überschreiten.

Zu den Einzelheiten der Immissionsmessungen: Im Auftrag der Standortgesellschaften am Chemiepark Gendorf sollten die Immissionsbelastungen durch produktionsrelevante Schadstoffe im Umfeld des Werkes über einen Zeitraum von sechs Monaten ermittelt werden. Die Messungen dienen zur Eigenüberwachung, um Gefahren für die Umwelt und die menschliche Gesundheit durch luftverunreinigende Stoffe auszuschließen. Der Messplan wurde zwischen den Standortbetreibern, dem bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und dem Landratsamt Altötting abgestimmt. Umweltspezialisten des Standortbetreibers führten unter Beteiligung externer Institute die Untersuchungen durch – ein komplexes Messprogramm mit knapp 30 unterschiedlichen Stoffen, die an sieben Messpunkten überprüft wurden. Die InfraServ ist ein nach DIN ISO/IEC 17025 akkreditiertes Prüflabor. Dafür ist Laborausstattung im Wert von Hunderttausenden von Euro nötig.

Weil im Landkreis zu 80 Prozent Südwestwind herrscht, wurden die Messpunkte folgendermaßen gewählt: Chemiepark (Deponie C), Grundschule Gendorf, Bürgerzentrum Burgkirchen, Emmerting (Oberseng), in der Mitte des Staatsforstes, Kastl (bei den Tennisplätzen) und in Mehring bei der Luftüberwachungsstation des LfU. Die LfU-Station diente als Referenzpunkt für Vergleichsmessungen.

Godehard Mayer, Leiter des Genehmigungsmanagements bei InfraServ Gendorf, erklärt: „Damit auch die Behörden den größten Nutzen aus unserem Messprogramm ziehen, haben wir die Stoffauswahl gemeinsam mit dem Landratsamt und dem LfU Bayern abgestimmt. Die Messpunkte sind zum großen Teil identisch mit den Messpunkten aus den 2008 durchgeführten Messungen. Für ausgewählte Parameter können wir sogar Trendanalysen für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten auswerten.“

Höchste Analyse-Genauigkeit
Wie umfangreich die Messungen des über eine Viertelmillion Euro teuren Programms sind, wird daran deutlich, dass je nach Stoff unterschiedlichste Normen und Verfahren anzuwenden waren – immer auf dem aktuellen Stand der Technik. „Wir sind bei manchen Konzentrationen im für den Menschen kaum noch vorstellbaren Femtogramm-Bereich. Das ist nicht mehr der Zuckerwürfel im Bodensee, sondern der Zuckerwürfel im Mittelmeer“, vergleicht Godehard Mayer.

Effekte, die nicht mit Vorgängen im Chemiepark zu erklären sind, wurden auch gemessen. So sind beispielsweise leicht erhöhte Feinstaubwerte am Anfang des Messprogramms offenbar durch die Heizperiode beeinflusst, während bei etwas höheren Staubwerten am Ende des Programms wohl Ernte und Bautätigkeit mitgemessen wurden. Über alle sechs Monate schlugen am Bürgerzentrum Burgkirchen Emissionen aus dem Straßenverkehr zu Buche.

Quellen von Feinstaubemissionen durch Privathaushalte sind vor allem Holzheizungen und offene Kamine, da die Verbrennung von Festbrennstoffen zu wesentlich höheren Feinstaubemissionen führt als die Verbrennung flüssiger oder gasförmiger Brennstoffe. Die Grenzwerte wurden an allen Messpunkten eingehalten.

PFOA wird in Gendorf seit 2008 nicht mehr verwendet. Die durchschnittlich über den gesamten Messzeitraum ermittelten Ergebnisse liegen für alle Messpunkte im Spurenbereich an der Nachweisgrenze.

Chlorwasserstoff ist ein farbloses Gas, das an feuchter Luft weiße Rauchschwaden aus Salzsäure bildet. Die Belastung durch Chlorwasserstoff lag an allen Messpunkten nahe an der Bestimmungsgrenze.

Bei Stickstoffdioxid liegen alle Messpunkte im unauffälligen Bereich. Stickstoffdioxide entstehen bei Verbrennungsprozessen.

Der Luftschadstoff Ammoniak entsteht hauptsächlich durch landwirtschaftliche Prozesse. Insbesondere die Tierhaltung ist ein wichtiger Verursacher. Erhöhte Konzentrationen können mit der Lage der Messpunkte in der Umgebung landwirtschaftlicher Gebiete erklärt werden. Der Messpunkt im Forst hatte den niedrigsten Mittelwert.

Detaillierte Ergebnisse werden im Internet unter www.Gendorf.de veröffentlicht.

Beruhigende Ergebnisse
„Der Schutz von Mensch und Umwelt hat für uns höchste Priorität. Umfassende Immissionsmessprogramme belegen genauestens, welche Auswirkungen unser Handeln auf die Region hat. So sind wir in der Lage, die Abläufe entsprechend zu optimieren“, erklärt Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf. „Die Ergebnisse stimmen uns zufrieden und sind ein Ansporn, mit derselben Akribie weiterzuarbeiten.“

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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