Logistischer Kraftakt für eine Kraftmaschine

Transport der neuen Gasturbine für Wacker Chemie erfordert Fahrkunst und viel technische und polizeiliche Hilfe

Stammham. Das Ziel heißt Burghausen, am morgigen Freitag wird es erreicht sein. Der Transport der neuen Gasturbine für das Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) der Wacker Chemie ist eine logistische Meisterleistung, die am heutigen Donnerstag noch mit Spezialitäten aufwarten wird.

Die 214 Tonnen schwere Gasturbine ist das neue Herzstück des standorteigenen Gas- und Dampfkraftwerks und sorgt nicht nur für mehr Effizienz, sondern auch für weniger Treibhausgasemissionen, wie das Unternehmen mitteilt. „Die Wacker Chemie AG investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung des Kraftwerks und ermöglicht damit in Zukunft eine noch umweltfreundlichere Energieversorgung des Werks“, erklärt Werkleiter Dr. Dieter Gilles. Mit dieser 130 MW leistenden Gasturbine werde ein Brennstoffnutzungsgrad von mehr als 86 Prozent erreicht. Die Inbetriebnahme soll im ersten Quartal 2020 erfolgen.

Hersteller der Gasturbine ist das US-Unternehmen General Electric, montiert wurde sie im französischen Belfort. Von dort reiste die Kraftmaschine zunächst auf französischen Straßen bis Strasbourg und gelangte dann per Binnenschiff auf dem Rhein-Main-Donau-Kanal nach Passau. Über mehrere Tage zieht sich der Transport auf der Straße hin auf einem insgesamt 64 Meter langen Spezialtrailer mit zwei Zugmaschinen und einem zusätzlichen, schiebenden Lkw. Der Transport ist im Investitionspreis inbegriffen, liegt nach Information der Heimatzeitung im unteren sechsstelligen Eurobereich.

In Oberbayern angekommen ist das Gespann, das insgesamt knapp 400 Tonnen schwer ist, am Dienstag gegen 18 Uhr. Bis 20 Uhr musste der Konvoi an der Einmündung der B 20 auf Stammhamer Gemeindegebiet warten, dann wurde die B 12 bis zur Autobahnanschlussstelle Burghausen komplett gesperrt.

Eine vom Transportunternehmen beauftragte Firma mit ca. 20 Mann stellte die Turbine auf der B 12 ab, der kurze Trailer fuhr unter dem Aggregat heraus und ein längerer Auflieger schob sich darunter. Diese Umbauarbeiten waren nötig, damit sich die Last größerflächig auf der Innbrücke verteilen konnte. Die Umbauarbeiten und die Überfahrt zogen sich mehrere Stunden hin. Am Mittwochmorgen war die B 12 wieder für den Berufsverkehr frei.

Am Mittwochabend dann wurde das Gespann wieder in den Transportstatus umgebaut, am Donnerstagvormittag wird der Konvoi seine Weiterfahrt von Marktl nach Burghausen starten. Begleitet wird er von Beamten und Einsatzfahrzeugen der Autobahnpolizei Mühldorf, der Verkehrspolizei Traunstein und der Polizeiinspektion Burghausen.

Weil der Schwertransport aufgrund seiner Höhe von knapp 7 Metern nicht unter der Autobahn in Richtung Burghausen durchfahren kann, muss er am Autobahnanfang die Spur wechseln und entgegengesetzt in Richtung München einfahren. Dazu muss die Bundesstraße 12 teils einseitig, teils kurzfristig komplett gesperrt, der Autobahnverkehr „gedrosselt“ werden. Das Gespann wird gegenläufig an der Anschlussstelle Burghausen ausfahren und den Kreisverkehr zur B 20 gegen den Uhrzeigersinn passieren. Danach geht es auf die B 20 in Richtung Burghausen weiter. Wegen der Ladungshöhe wird das Brückenbauwerk bei Schützing auf dem sogenannten „Bypass“ umfahren, ehe auf dem Parkplatz an der B 20 Feierabend ist.

Am Freitagmorgen beginnt die letzte Etappe. Auch im Stadtgebiet Burghausen müssen zahlreiche Verkehrsinseln, Schilder und Ampeln abgebaut werden. Um die Einfahrt des fast 7 Meter hohen Gespanns auf das Wacker-Werkgelände zu ermöglichen, werden gegen Abend die Fahrradschleusen vorübergehend entfernt und die Pforte Süd hydraulisch angehoben.

Über die Fortsetzung der Fahrt berichten wir am Freitag an dieser Stelle. Weitere Bilder finden sich unter www.pnp.de/foto

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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