Keine betriebsbedingten Kündigungen

Stellenabbau bei Wacker soll rein über Altersfluktuation und Freiwilligen-Programme gelingen - Neuer Werkleiter

Burghausen. Lange war darauf gewartet worden, jetzt stehen weitere Details zum Einsparprogramm bei der Wacker Chemie AG fest. In einer coronabedingt nur online abgehaltenen Betriebsversammlung klärte die Vorstandsspitze die Belegschaft am Donnerstagvormittag über einzelne Punkte des Maßnahmenplans auf.

Demnach haben sich Konzernleitung und Arbeitnehmervertreter auf ein Rahmenkonzept zum Stellenabbau geeinigt. Vorgesehen ist, dass in Deutschland bis Ende 2022 rund 1000 Stellen vor allem in den Verwaltungsbereichen sowie den nicht operativen Funktionen der Geschäftsbereiche – sprich, weitgehend außerhalb der Produktion – wegfallen. Darüber hinaus werden etwa 200 Stellen an den internationalen Standorten abgebaut.

Der jetzigen Einigung zufolge soll der Stellenabbau hierzulande ausschließlich mit sozialverträglichen und freiwilligen Maßnahmen umgesetzt werden. Dazu zählen Verrentung, Altersteilzeitregelungen und auch Aufhebungsverträge. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausgeschlossen, hieß es gestern seitens Wacker. Festgelegt wurde außerdem, dass geeignete Auszubildende weiterhin übernommen werden.

Keine genauen Zahlen zu den Standorten
In der Ausgestaltung des Stellenabbaus liegt begründet, weshalb es seitens Wacker keine genauen Zahlen zu den Auswirkungen auf die einzelnen Standorte gibt. Das hänge unter anderem davon ab, wie stark die Freiwilligenprogramme an den jeweiligen Standorten in Anspruch genommen werden, erklärt Unternehmenssprecher Christof Bachmair. Klar sei aber, dass zwei Standorte im Fokus stehen: Burghausen als mit 8200 Beschäftigten größter Wacker-Standort. Und München mit seinen rund 700 Beschäftigten als Verwaltungszentrum.

Das Ziel, durch Reduzierungen bei den Sachkosten und beim Umfang intern erbrachter Leistungen sowie mit einer schlankeren Organisation ab Ende 2022 jährlich rund 250 Millionen Euro einzusparen, hat das Unternehmen gestern nochmals bestätigt. Der Gesamtbetrag soll dabei jeweils etwa zur Hälfte aus den Sachkosten und den Personalkosten kommen. Aus den Einsparungen bei Erstgenannten erwartet Wacker bereits für heuer mehr als 50 Millionen Euro. 2021 sollen es mehr als 100 Millionen Euro sein. Wesentliche Einsparungen bei den Personalkosten werden dagegen erst ab dem kommenden Jahr erwartet.

Zentrales Anliegen des bei Wacker unter dem Slogan „Zukunft gestalten“ laufenden Sparprogramms sei es, „die Organisation von Wacker konsequent neu auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Kunden auszurichten und so das profitable Wachstum des Konzerns zu unterstützen“, wie Vorstandsvorsitzender Rudolf Staudigl erklärt. „Sowohl im Geschäft mit Polysilicium als auch in unseren Chemiebereichen bereiten wir uns auf eine härtere Gangart im Wettbewerb vor. Wir wollen dabei nicht nur Kosten in signifikantem Umfang einsparen, sondern vor allem die Wettbewerbsfähigkeit von Wacker auch für zukünftige Herausforderungen zu stärken und dauerhaft zu sichern“, so Staudigl weiter.

Betriebsrat fordert Reinvestition der Gelder
Die hiesigen Personalvertreter zeigen sich vor allem mit dem Umstand zufrieden, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Das und die Jobsicherheit der Azubis sei „oberstes Ziel“ gewesen und auch dadurch erreicht worden, dass sich der Betriebsrat frühzeitig mit einem entsprechenden Konzept eingebracht habe, sagte der Burghauser Betriebsratsvorsitzende Manfred Köppl gestern im Gespräch mit dem Anzeiger. Die Verhandlungen dazu seien „intensiv“ und zeitaufwändig gewesen. Doch sie hätten sich gelohnt, schließlich seien auch Regelungen zum finanziellen Bestandsschutz erreicht worden.

Vollauf glücklich ist Köppl mit dem Sparprogramm freilich nicht. Zwar sei der Betriebsrat „immer dafür, etwas zu verbessern“. Allerdings betrachte man Stellenabbau „noch dazu in diesem Ausmaß“, grundsätzlich natürlich kritisch. Gerade, weil die Konzernspitze künftig verstärkt Tätigkeiten fremdvergeben und outsourcen will. Für die Zukunft fordert der Betriebsrat, dass eingesparte Mittel auch wieder investiert werden – und zwar in Burghausen, dem am stärksten vom Stellenabbau betroffenen Standort.

Einig sind sich Konzernleitung und Personalvertreter darin, dass die Corona-Krise keinen unmittelbaren Einfluss auf das Sparprogramm hat. Dessen Grundzüge seien bereits Monate vor Ausbruch der Pandemie auf den Weg gebracht worden, erklärt Sprecher Bachmair. Es habe infolge Corona auch keine Verschärfung des Sparkurses gegeben – wenngleich die wirtschaftlichen Folgen von Corona natürlich „die Dringlichkeit“ des Programms verschärfen würden.

Neuer Werkleiter
Zum Stellenabbau gesellt sich ein personeller Wechsel: Wie Wacker gestern mitteilte, wird Peter von Zumbusch (56) zum 1.Januar neuer Leiter des Burghauser Werks. Er tritt die Nachfolge von Dieter Gilles (63) an, der in den Ruhestand geht. Von Zumbusch leitet derzeit die Ingenieurtechnik im Bereich Wacker Silicones in Burghausen. Der gebürtige Münchner ist seit 25 Jahren im Konzern tätig, begann seine Laufbahn hier in der Technischen Planung in Burghausen. 2005 übernahm Peter von Zumbusch die Leitung des chinesischen Standorts Zhangjiagang. Ab 2008 verantwortete er das China-Geschäft des Konzerns. 2013 kehrte er wieder nach Burghausen zurück. Foto: Wacker

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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