Junge Tögingerin erobert Männerdomäne

Alina Palm (17) durchläuft bei Wacker in Burghausen eine Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau

 

Töging/Burghausen. Eine junge Tögingerin erobert eine Männerdomäne: Alina Palm (17) durchläuft seit September bei Wacker in Burghausen eine Ausbildung zur Werkfeuerwehrfrau. Bisher gibt es bundesweit noch kaum Frauen in dieser Branche.

Schon seit ihrem 13. Lebensjahr engagiert sie sich bei der Jugend der Freiwilligen Feuerwehr Töging: „Es macht mir einfach Spaß, wenn ich anderen Menschen helfen kann!“ Doch der Anstoß, auch eine berufliche Zukunft im Feuerwehrwesen anzustreben, kam von den Eltern: Auf deren Initiative hin informierte sie sich über die Laufbahn von Werkfeuerwehrleuten und bewarb sich um ein Praktikum: „Das hat mich ziemlich begeistert.“ Auch fühlte sie sich in dem von Männern dominierten Umfeld gut aufgenommen. Sie bewarb sich für eine Ausbildung – und wurde genommen.

24-Stunden-Schichten: Freunde stellten viele Fragen
Im Sommer hatte die junge Frau die Comenius-Schule mit dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss beendet. Als bei deren Abschlussfeier einer der Redner aufzählte, welch verschiedenen Berufswege die Absolventen einschlagen, wurde es mit merklichem Stolz ausgesprochen: „Wir haben eine angehende Feuerwehrfrau in unseren Reihen!“ – An dieser Stelle war ein Raunen zu hören. Als Alina Palm im Freundeskreis von ihren Berufsplänen erzählte, „haben die es eher cool genommen und viele Fragen gestellt“, berichtet die 17-Jährige. Gerade die Tatsache, dass bei den Feuerwehrprofis 24-Stunden-Schichten zu fahren sind, stieß auf Interesse. Die Gleichaltrigen wollten – mit frotzelndem Unterton – auch wissen, wie man die Zeit nutzt, wenn nichts passiert: „Nur rumsitzen und warten, bis ein Einsatz kommt?“

Bei den Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Töging reagierte man auf Alinas Berufsentscheidung „sehr überrascht – eben weil ich ein Mädel bin“, wie sie sagt. Freilich freuten sich die Mitstreiter dort, dass sie das gemeinsame Hobby künftig zum Beruf machen würde.

Alina Palm ist in eine Branche eingestiegen, in der Frauen die Ausnahme sind: Während bei den Freiwilligen Feuerwehren deutschlandweit mittlerweile etwa zehn Prozent der Aktiven Frauen sind, bewegt sich der Anteil bei den Berufsfeuerwehren bei unter zwei Prozent. Schon 2003 hat sich der Feuerwehrbundesverband die Gleichstellung von Männern und Frauen auf die Agenda gesetzt – trotzdem ist der Frauenanteil seither nur marginal angestiegen. Nach den Worten der Bundesfrauensprecherin des Deutschen Feuerwehrverbands, Kerstin Schmidt, ist der Grund eher im Bereich des Psychologischen zu sehen: Würden doch viele Frauen fürchten, dass ein Job, der traditionell von Männern ausgeübt wird, sie überfordern könnte.

Nicht so Alina Palm. Sie geht ihre Ausbildung selbstbewusst und mit viel Freude an. Die für den Beruf nötige Fitness hat sie sich durchs Fußballspielen geholt, das sie auch wieder im Verein ausüben möchte, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

Den Arbeitgeber der Tögingerin, die Wacker-Werkfeuerwehr, gibt es seit über 100 Jahren: 1917 gegründet, stehen derzeit nach Angaben des Werks 75 hauptberufliche Werkfeuerwehrfrauen und -männer in ihren Diensten.

Der Beruf „Werkfeuerwehrfrau/-mann“ wird erst seit 2017 über das Berufsbildungswerk Burghausen als Lehrberuf angeboten. Seither haben sich acht junge Frauen und Männer für den Beruf des Werkfeuerwehrlers entschieden. Sechs von ihnen befinden sich derzeit noch in der Ausbildung, darunter neben Alina Palm noch eine weitere weibliche Auszubildende.

Azubis lernen viel bei externen Partnern
Den Großteil dessen, was sie als spätere Werkfeuerwehrleute wissen müssen, erlernen die Wacker-Azubis bei externen Partnern des Unternehmens, z. B. in der Berufsschule in Freising, der Feuerwehrschule in Geretsried und auch bei der Werkfeuerwehr am Flughafen München. Zusätzlich werden die jungen Feuerwehrleute zu Rettungssanitätern beim Roten Kreuz in Burghausen ausgebildet. Diverse Unterrichtseinheiten in der Bildungsakademie Inn-Salzach („Bit Gendorf“) komplettieren die dreijährige Ausbildung.

In Gendorf hat Alina Palm auch den größten Teil ihrer bisherigen Azubi-Karriere durchlaufen. Doch Feuerwehr-spezifisches war bislang kaum bei den Lehrinhalten: Zwar hat sie schon einen Schutzanzug samt Helm erhalten, doch Gegenstand der Ausbildung waren zunächst die Feinheiten der Metallbearbeitung – Schleifen, Feilen, Bohren oder Schweißen: Ein Werkfeuerwehrangehöriger muss schließlich aus eigener Anschauung wissen, was in den Werkstätten des Arbeitgebers vor sich geht. Erst im dritten Lehrjahr wird sie dann voraussichtlich schwerpunktmäßig all jene Fertigkeiten erlernen, die eine Profi-Floriansjüngerin mitbringen muss.

Nach der Ausbildung kann sie ein Jahr als fertig ausbildete Feuerwehrfrau beim Wacker-Trupp bleiben. Danach wird die Entscheidung fallen, ob die Tögingerin in Burghausen eine feste Anstellung erhalten wird.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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