Isoproanol und Bioethanol für Desinfektionsmittel: Kooperation im Bayerischen Chemiedreieck

Wacker und Clariant spenden Chemikalien für die Produktion von Desinfektionsmittel – Lieferung an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen

Burghausen/Gendorf. Die Firmen im Chemie-Dreieck helfen zusammen. So auch im jüngsten Fall: Das bayerische Wirtschaftsministerium hatte angefragt, ob man unbürokratisch Chemikalien spenden könnte, um Handdesinfektionsmittel für bayerische Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen herzustellen. Mehrere Unternehmen hatten sich dazu bereit erklärt, darunter das Wacker-Werk in Nünchritz und Clariant in Straubing. Von Wacker kamen 15 000 Liter Isopropanol, von Clariant 40 000 Liter Bioethanol. Die Unternehmen brachten die Chemikalien am Wochenende und Anfang der Woche mit Spezialfahrzeugen zu Clariant in den Chemiepark Gendorf. Dort wurde die Lösung zu gebrauchsfertigem Desinfektionsmittel gemischt.

„Wir haben auch am Wackerstandort Burghausen Isopropanol“, sagt Florian Degenhart, Sprecher der Wacker AG in München. Allerdings sei in Nünchritz mehr von diesem Stoff vorrätig gewesen, weswegen man darauf zurückgriff. Desinfektionsmittel stellt Wacker damit normalerweise nicht her und hat deshalb auch nicht die entsprechenden Abmischvorrichtungen, erklärt Degenhart. Bei Wacker werde es stattdessen unter anderem als Reinigungsmittel verwendet.

Wacker-Arbeitsdirektor und Vorstandmitglied Dr. Christian Hartel machte deutlich, dass eine schnelle und unbürokratische Hilfe für Wacker selbstverständlich sei. „Wir haben unsere Vorräte an Ethanol und Isopropanol über den Verband der Chemischen Industrie auf Bundesebene zurückgemeldet, um in einer konzertierten bundesweiten Aktion Engpässe bei Desinfektionsmitteln entgegen zu wirken“, sagte Hartel, der auch Vorsitzender der bayerischen Chemieverbände ist. In dieser schwierigen Situation sei es wichtig, dass alle zusammenstehen, betonte der Vorstand weiter. „Mit dieser Spende wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, die Versorgung von Krankenhäusern und Pflegestätten in Bayern mit dringend gebrauchtem Desinfektionsmittel zu verbessern.“

Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter des Chemiepark-Betreibers InfraServ Gendorf, sagte: „Die schnelle Hilfeleistung durch die kurzfristige Lieferung von Isopropanol und die Herstellung dringend benötigter Desinfektionsmittel erfolgte im erfolgreichen Schulterschluss und Verbund der Unternehmen des Bayerischen Chemiedreiecks. Alle Beteiligten haben in der aktuellen Krisensituation an einem Strang gezogen.“

Die Desinfektionslösungen gingen Anfang der Woche an ein Verteilzentrum des bayerischen Staatsministeriums. Von dort wird es an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen weitergegeben. Dort werden in den nächsten Tagen und Wochen noch weitere Lieferungen erwartet. Am Montag gab das Ministerium um Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bekannt, dass jetzt auch Ethanol und reiner Alkohol im Freistaat zur Produktion von Desinfektionsmitteln freigegeben werden. Aiwanger sagte dazu: „Wir müssen auch die Kleinversorgung von Altenheimen, Kliniken und Arztpraxen gewährleisten. Deshalb gehen wir jetzt zwei Wege gleichzeitig: Chemie-Unternehmen und Apotheken werden Desinfektionsmittel aus Ethanol und reinem Alkohol herstellen. Der Rohstoff Alkohol kommt aus der Biospritschiene und von Brennereien. Die Branntweinsteuer ist dafür ausgesetzt worden.“

Mit Clariant hat auch bereits das Landratsamt Altötting in punkto Desinfektionsmittel zusammengearbeitet, wie Landrat Erwin Schneider bei der Bürgermeisterdienstbesprechung erwähnte. Zur Kommunalwahl hatte das Unternehmen 1000 Liter für das Landratsamt bereit gestellt. Diese wurden dann an die Kommunen ausgegeben. Was übrig blieb, ging an das Krankenhaus. Weil das freilich nicht ausreichte, orderte das Landratsamt vergangene Woche weitere 2000 Liter, die ebenfalls der Kreisklinik zur Verfügung gestellt wurden.

Und nicht nur Desinfektionsmittel werden momentan im Chemiedreieck hergestellt, um die Corona-Krise zu bewältigen. Wie Wacker betont, seien es auch Mineralölprodukte für Mobilität und Wärme sowie Grundstoffe für die Pharmazie, Medizin und Medizintechnik und für Produkte des Alltags. Auch hier sei die Kooperation im Chemiedreieck von Vorteil, so Wacker.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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