Im Chemiepark Gendorf purzeln die Rekorde

Industrie erlebte wirtschaftlich sehr gute Jahre – Aber Sorge um die Zukunft – Abhängig vom Export

Burgkirchen. Über ein Jahr der Rekorde im Chemiepark Gendorf hat Werkleiter Dr. Bernhard Langhammer beim gut besuchten Nachbarschaftsgespräch am Dienstagabend berichtet. Gleichzeitig schwang die Sorge mit, dass es mit der Aufwärtsentwicklung zu Ende gehen könnte.

Transparenz und ein regelmäßiger Austausch mit der Öffentlichkeit sind dem Chemiepark Gendorf ein Anliegen, deswegen lädt die Betreibergesellschaft InfraServ Gendorf alljährlich Vertreter des öffentlichen Lebens ins Bildungszentrum des Werkes ein, um über die Entwicklungen und Perspektiven in den Standortunternehmen zu informieren.

Eingangs wies der Werkleiter die gut 90 Gäste darauf hin, dass die Chemie in Deutschland die drittgrößte Branche darstellt. Wegen der Exportquote von annähernd 80 Prozent leidet die Chemiebranche unter der Unsicherheit in den Weltmärkten. Deswegen konnte Dr. Langhammer nur eine wenig optimistische Prognose für die chemische Industrie insgesamt abgeben.

Für den Chemiepark Gendorf war 2018 wiederum ein sehr gutes Jahr. In den vergangenen zehn Jahren nahm nach den Angaben des Werkleiters die produzierte Menge um 30 Prozent zu. 2018 wurden 1,76 Millionen Tonnen aus dem Chemiepark Gendorf transportiert – ein Rekord! So weit wie möglich nutzte das Werk die Schiene als Transportweg. 2018 summierten sich laut Dr. Langhammer die Investitionen im Chemiepark Gendorf auf rund 90 Millionen Euro – ein Zehnjahresrekord!

Zum Thema Arbeitssicherheit gab Dr. Langhammer bekannt, dass die Zahl der LTI-Unfälle (Vorfall mit Arbeitszeitausfall) in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gesenkt werden konnte. Damit stoße man nunmehr an eine Grenze, denn zu 80 Prozent beruhten die Unfälle, die noch vorkommen, auf stolpern, rutschen und stürzen.

Renaturierung der Alz
Im Feuerwehr-Ausbildungszentrum, wofür die InfraServ die Burgkirchner Keltenhalle angemietet hat, sähe der Werkleiter gerne eine bessere Auslastung. Den Gleisausbau im Norden bezeichnete Dr. Langhammer als Meilenstein für den Chemiepark. Im vergangenen Jahr begannen 90 Lehrlinge im Werk Gendorf ihre Ausbildung, das ist ein Plus von 40 Prozent. Die IT-Schule in Gendorf verzeichnet ein Plus von 13 Prozent. Beim „Tag der offenen Tür“ wurden voriges Jahr im Chemiepark Gendorf rund 4500 Besucher gezählt. Der Werkleiter kündigte eine Fortsetzung der Renaturierung der Alz an mit Rückbau von Uferverbauungen und Anlage breiter Auenbereiche. Der dafür gegründete Verein „naturnahe Alz“ arbeitetet mit dem Wasserwirtschaftsamt zusammen.

Als neuer Standortleiter der Clariant GmbH (seit 1. Januar) stellte sich Dr. Andreas Fischbach vor. 720 Mitarbeiter der weltweit aktiven Firma sind laut Dr. Fischbach in Gendorf tätig. Im vergangenen Jahr steigerte die Clariant ihre Ethylenoxid-Kapazität in Gendorf. Ethylenoxid-Folgeprodukte erlauben vielfältige Anwendungen und finden guten Absatz. Für dieses Jahr kündigte der Standortleiter die Investition eines zweistelligen Millionenbetrags an in eine neue, 75 Meter hohe Kolonne. Bei ihren Umweltzielen ist die Clariant GmbH nach Dr. Fischbachs Worten auf gutem Weg: Der Energieverbrauch soll von 2013 bis 2025 um 30 Prozent, der Wasserverbrauch um 35 Prozent und die Abwassermenge um 40 Prozent reduziert werden.

Stephan Führer (Dyneon/3M) ging auf das Thema Perfluoroktansäure (PFOA) ein. Er erinnerte an die Veröffentlichung der Bodendetailuntersuchung im Oktober 2018 sowie den Vertragsabschluss über dauerhafte Aktivkohle-Filteranlagen im November. Die Industrie übernimmt die Kosten für Bau und Betrieb der Aktivkohle-Filteranlagen. Zur Filtration betonte Stephan Führer, damit sei es möglich, PFOA bis unter die Nachweisgrenze herauszufiltern.

Sicherung der Trinkwasserqualität
Im Grundwasser wird jedoch die PFOA-Konzentration langfristig über dem Trinkwasserleitwert bleiben. Als wesentliche Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Trinkwasserqualität nannte Stephan Führer Filtration, Monitoring und Bodenmanagement. Das PFOA-Bodenmanagement werde derzeit erarbeitet. Der Bau von Eigenheimen werde nicht betroffen sein, kündigte Stephan Führer an. Zum Thema Umweltschutz erinnerte er an die Inbetriebnahme der weltweit ersten Up-Cycling-Anlage im Jahr 2014. Dabei müsse man immer noch lernen. Mit Blick in die Zukunft wies Stephan Führer darauf hin, dass die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien und Brennstoffzellen ohne Fluorpolymere nicht möglich ist.

Im Werk Gendorf erlebte die Dyneon GmbH nach den Worten des Standortleiters ein gutes Jahr. 2018 wurden 50 neue Mitarbeiter eingestellt und für dieses Jahr sind weitere Einstellungen geplant. Der Dyneon-Umsatz stieg 2018 deutlich, aber die PFOA-Aufwendungen und massiv steigende Energiekosten belasteten das Ergebnis.

Klaus Baier hob hervor, dass Vinnolit (1450 Mitarbeiter) weltweit die Nummer eins bei PVC-Spezialitäten sei, die in Gendorf und Burghausen produziert werden. In Gendorf arbeiten 420 Menschen für Vinnolit. In den vergangenen fünf Jahren investierte Vinnolit nach Angaben des Standortleiters rund 30 Millionen Euro in Gendorf. Voriges Jahr konnte die Oxi-Chlorierung erfolgreich in Betrieb genommen werden. Bis 2020 soll die Chlorkapazität erhöht werden, was auch eine Kapazitätserhöhung beim Koppelprodukt Natronlauge mit sich bringt.

2018 bezeichnete Klaus Baier als bestes Jahr in der Geschichte der Vinnolit. Der Standortleiter verkündigte Rekorde bei Produktionsmenge, Absatz und Ergebnis!

Kinderspielplatz hergerichtet
Beim Blick in die Zukunft sieht Baier jedoch eine Zunahme konjunktureller Risiken. Weil Vinnolit auch einen Standort in Großbritannien (Hillhouse) hat, fürchtet die Firma den Brexit, der mit Zöllen die Produktion verteuern würde. Der Standortleiter erinnerte schließlich an den gemeinnützigen Einsatz, den Vinnolit-Mitarbeiter voriges Jahr bei der Sanierung des Kinderspielplatzes in Grasset am Pfefferweg leisteten.

Als Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf verkündete Dr. Bernhard Langhammer einen Umsatzrekord in Höhe von 269 Millionen Euro für das vergangene Jahr. Die Mitarbeiterzahl gab Dr. Langhammer mit über 1100 an. Damit ist der Standortbetreiber derzeit das größte Unternehmen im Chemiepark.

In den vergangenen fünf Jahren investierte die InfraServ Gendorf im jährlichen Durchschnitt rund 24 Millionen Euro, zum Beispiel in neue Ausleitbauwerke, damit bei einem Chemie-Unfall Reaktionszeit bleibt und sich ein Stoffaustritt in die Alz nicht mehr wiederholt. Der Geschäftsleiter hob hervor, dass die InfraServ Gendorf 340 Nachhaltigkeitsprojekte durchgeführt hat. Der Wasserverbrauch pro produzierte Tonne konnte nach Angaben des Geschäftsleiters in den Jahren von 2008 bis 2017 um 38 Prozent gesenkt werden.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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