Hauptsache nicht bei mir

Kommentar von Christoph Kleiner

Mehr als 1000 Stellen will Wacker streichen, wie viele davon in Burghausen, ist unklar. Klarer ist die Hauptursache: der Strompreis, der hierzulande durch die Decke geht, während er bei der chinesischen Konkurrenz mit Subventionen und Billigst-Kohlekraftwerken künstlich niedrig gehalten wird.

Die Energiewende zeigt Auswirkungen. Dass großflächig nur auf Bundes- und Europaebene gegengesteuert werden kann, bedeutet nicht, dass es vor Ort keine Handlungsmöglichkeiten gäbe. Im Burghauser Bürgermeister-Wahlkampf etwa hat die FDP Pläne einer unmittelbaren Stromversorgung zum Thema gemacht. Über ein noch zu bauendes Pumpspeicherkraftwerk am Poschberg könnten gewaltige Mengen zur Burghauser Industrie gebracht werden, so die Idee, die so neu nicht ist. Denn tatsächlich sind auch die Stadt und der Landkreis seit gut einem Jahr mit dem Freilassinger Unternehmer Max Aicher im Gespräch. Auch dort wird die Chance gesehen, die energieintensive Industrie mit Strom zu weltmarktfähigen Preisen zu unterstützen – und das bei einem weitgehend vorhandenen Leitungsnetz und in einer Größenordnung, die nahe an die Leistung des zwar geplanten, aber nicht realisierten OMV-Gaskraftwerks heranreicht.

Die Umsetzung freilich steht in den Sternen. Weil es halt wieder einmal ist, wie so oft: Sobald es an den eigenen Grund, die eigene Interessenssphäre, die unmittelbare Nachbarschaft geht, darum, dass fürs Allgemeinwohl persönlich Abstriche gemacht werden müssten, wird protestiert, geschrien, geklagt. Das Ganze letztlich zu Lasten von Natur und Umwelt, schließlich bedeuten Kürzungen hierzulande ja nicht, dass tatsächlich weniger produziert wird. Es wird einfach nur verlagert, in die USA, nach China und in andere Länder, in denen das Thema Ökologie auf der Prioritätenliste höchstens unter ferner liefen zu finden ist.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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