Gendorfer Science Slam: Durch die Bank nur Gewinner

Mit 800 Zuschauern setzt der 4. Science Slam eine neue Rekordmarke – Der Titel geht an eine Slammerin

Burgkirchen. Vier Schulstunden Chemie, Bio und Physik am Stück – für die meisten Schüler dürfte das so ziemlich das Schlimmste darstellen, was in Sachen Unterricht denkbar ist. Dass genau dieses Thema am Freitagabend die Kantine des Chemieparks Gendorf aus allen Nähten hat platzen lassen, zeigt umso mehr, welcher Glücksgriff der Kommunikationsabteilung des Werk-Betreibers InfraServ bei ihrem vor drei Jahren ins Leben gerufenen Science Slam gelungen ist.

Beim 800. Zuschauer mussten Tilo Rosenberger-Süß und seine Mitarbeiter notgedrungen die Reißleine ziehen – für mehr ist der Saal aus Brandschutzgründen nicht zugelassen. „Wahnsinn“ kommentierte der InfraServ-Sprecher das riesige Interesse kopfschüttelnd – gerade war unangekündigt noch ein Bus voller Schüler aus Eggenfelden vorgefahren.

Längst hat sich über die Landkreisgrenzen hinaus herumgesprochen, dass der Gendorfer Science Slam etwas vermag, was im Schulunterricht eher selten der Fall ist: Naturwissenschaften so rüberzubringen, dass die grundlegende Thematik nicht nur verstanden wird, sondern auch noch Spaß bereitet – sehr viel Spaß sogar.

Fünf „Slammer“ waren es, die am Freitag im Ringen um die Trophäe in Form eines goldenen Erlenmeyer-Kolbens antraten, vornehmlich Doktoranden und Mitarbeiter von Forschungszentren aus ganz Deutschland. Jeder hatte zehn Minuten Zeit, um sein Thema einerseits wissenschaftlich fundiert, andererseits möglichst unterhaltsam und verständlich zu erklären.

Dr. Christian Duwe von der TU Clausthal etwa klärte nicht nur darüber auf, wie modernes Stoffrecycling geht, sondern auch, was dieser Vorgang mit seiner ersten großen Liebe, einem 2er-Golf, zu tun hat.

Bastian Alt von der TU München zeigte, warum die von ihm erforschten elektrostatischen Abscheider sowohl „hochspannend“ sind, als auch ihm und den beteiligten Kollegen einen Hauch der „Ghostbuster“ verschaffen.

Etwas aus der Bahn – und das in doppelter Hinsicht – schlug Tobias Glutke, zum einen, weil sich der Musikwissenschaftler mit der Erforschung alter Orchester bzw. der Finanzierung selbiger ein ungewöhnliches Thema ausgesucht hatte. Und zum anderen, weil seine unkonventionelle und vom Publikum mit viel Beifall honorierte Vortragsweise zugleich einen neuen Rekord aufgestellt haben dürfte in der Kategorie: Wie viele Wörter bringe ich in zehn Minuten unter.

Dass der am Ende wichtige Wertungsfaktor Unterhaltung nicht zwingend mit den größten Lachern verbunden sein muss, zeigte die Abstimmung der Zuschauer. So setzte sich – wenngleich nur knapp – die einzige Slammerin, Ulrike Neumann von der Uni Hohenheim, gegen ihre vier Mitbewerber durch. Und das, obwohl ihr Vortrag über die ernährungswissenschaftliche Bedeutung der Mikroalgen von den Zuhörern zwar amüsiert, aber doch weitgehend ohne die ganz großen Lacher begleitet wurde.

Der Doktorandin musste sich letztlich auch KI-Forscher Johannes Kretzschmar von der Uni Jena geschlagen geben. Er hatte sich zuvor mit seinem Thema intelligente Kraftfahrzeuge bzw. „Frankensteins Elektroauto“ noch Hoffnungen auf den Sieg machen dürfen.

Wobei sich bei der 4. Auflage des Gendorfer Science Slams am Ende alle als Sieger fühlen durften: die fünf Slammer, die durchgehend Beiträge auf hohem Niveau ablieferten und mit ihren Reaktionen auf die Publikumswertung bewiesen, dass das Konkurrenzdenken für sie nur am Rande eine Rolle spielt; das Schülerteam Johannes Barth und Korbinian Dausel vom Altöttinger KKG, das sich vor wenigen Wochen beim Junior Science Slam durchgesetzt hatte und deswegen am Freitag außer Konkurrenz zeigen durfte, wie souverän Heranwachsende sein können. Und natürlich die Verantwortlichen des Chemieparks, die wie Moderator Philipp Schrögel eine weitere Auflage des Science Slams als uneingeschränkten Erfolg verbuchen können.

Nur eines dürfte Letztgenannten bereits Kopfzerbrechen bereiten: Die Frage, wo der nächste Gendorfer Slam stattfinden soll. Schließlich darf wohl auch beim fünften Durchgang davon ausgegangen werden, dass das Interesse beim Publikum und damit die Nachfrage nach Sitzplätzen nochmals steigen wird. cklWeitere Fotos finden Sie unter www.pnp.de/fotostrecke. Videomitschnitte will der Chemiepark in Kürze auf www.youtube.de veröffentlichen.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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