Expertenwissen von Dyneon (3M) aus Gendorf erfolgreich

Forschungsarbeit des Chemieparks für den Deutschen Zukunftspreis nominiert – Neuartiger Dämmstoff

Burgkirchen. Seit 1997 ehrt der Deutsche Zukunftspreis herausragende technische, ingenieur- und naturwissenschaftliche Leistungen, die zu anwendungsreifen Produkten führen. Zu den drei nominierten Projekten in diesem Jahr zählt ein innovatives Dämmsystem mit Glashohlkugeln, das von Forschern von Dyneon (3M) im Chemiepark Gendorf mitentwickelt wurde.

Rund um den Chemiepark Gendorf kennt man Dyneon als Hersteller von Hochleistungskunststoffen auf Fluorpolymer-Basis für industrielle und medizinische Anwendungen. Weniger bekannt: Am Standort Burgkirchen forscht Dyneon seit Jahren auch an so genannten „Glass Bubbles“, mikroskopisch kleinen Glashohlkügelchen. Dyneon-Mitarbeiter Dr. Klaus Hintzer gelang mit diesen Kugeln in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Bayreuth und dem Baustoffhersteller Maxit die Herstellung eines energieeffizienten spritzbaren Dämmstoffes, der gleichzeitig nachhaltig und zu 100 Prozent recycelbar ist.

2019 wurde der entsprechende Dämmstoff „ecosphere“ erstmals vorgestellt. Das Zukunftspotenzial dieser Entwicklung erkannten auch die Gutachter des Deutschen Zukunftspreises. Auch wenn es bei der Preisverleihung Ende November nicht ganz für die begehrte Trophäe gereicht hat: Die Nominierung an sich ist bereits eine besondere Auszeichnung.

Für Dr. Klaus Hintzer ist die Nominierung eine große Ehre und Anerkennung: „Mein Arbeitsbereich umfasst neue Materialien. Da gehören die Glass Bubbles mit ihren fantastischen Eigenschaften dazu. In dem Bereich kann man etwas bewegen, beispielsweise in Bezug auf Kohlendioxid-Einsparungen.“

Bereits vor zehn Jahren holte Dr. Hintzer das Glass-Bubbles-Forschungszentrum vom Mutterkonzern 3M in den Chemiepark Gendorf. In den Sechzigerjahren entwickelt, wurden die Glashohlkugeln ursprünglich vor allem in der Öl- und Gasindustrie genutzt, etwa bei der Auszementierung von Bohrlöchern. Zusammen mit Kollege Dr. Friedrich Wolff und der Unterstützung von drei bis fünf weiteren Kollegen aus dem 3M-Glass-Bubbles-Forschungszentrum arbeitete Dr. Hintzer insgesamt drei Jahre lang an der Weiterentwicklung der Glaskugeln für die Nutzung in der Spritzdämmung. Denn was in der Theorie simpel klingt – Glaskugeln mit Zement mischen und auf eine Wand spritzen – war auch für die Werkstoffexperten eine besondere Herausforderung.

Vernetzt zum Erfolg
Möglich wurde die Entwicklung und Umsetzung des innovativen Dämmstoffes durch eine Kollaboration mit Forscherkollegen der Universität Bayreuth und Baustoffexperten von Maxit aus Azendorf bei Kulmbach. „Es ist ein Vorteil, wie gut wir in der Gegend vernetzt sind, nicht nur im bayerischen Chemiedreieck, sondern in ganz Bayern“, so Dr. Hintzer. „Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Verleihung ausgedrückt, wie bemerkenswert es sei, dass eine Universität, ein Mittelständler und ein internationales Großunternehmen bei diesem Projekt erfolgreich kooperiert haben.“

Alle Beteiligten sind stolz auf die Würdigung durch die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis, auf den Lorbeeren ausgeruht wird deshalb aber nicht. Die Forschungsarbeit am Standort Gendorf geht weiter. „3M hat jetzt die Aufgabe, noch bessere Glashohlkugeln zu entwickeln“, so Dr. Hintzer. „Wir wollen das Eigenschaftsprofil noch weiter verbessern und die Glass Bubbles auch bei der Herstellung noch ein Stück energieeffizienter machen“.

Die Dyneon GmbH, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der 3M, ist einer der weltweit führenden Hersteller von Fluorpolymeren und Spezial-Additiven. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Fluorelastomeren, Polytetrafluorethylen (PTFE), Fluorthermoplasten und Kunststoff-Additiven. Der Standort Gendorf mit seinen Anlagen für Forschung, Entwicklung und Produktion von Fluormonomeren und Fluorpolymeren ist die deutsche Zentrale. Innovation hat am Standort Gendorf eine lange Tradition: Unter anderen nahm das Unternehmen im Jahr 2014 in Gendorf die weltweit erste Upcycling-Anlage für Fluorpolymere in Betrieb.

ZUKUNFTSPREIS
Der Deutsche Zukunftspreis wird durch den deutschen Bundespräsidenten ausgelobt und ist mit 250000 Euro dotiert. Er wird von zahlreichen Förderern (Unternehmen und Stiftungen) unterstützt. „Der Deutsche Zukunftspreis weckt Begeisterung für Wissenschaft und Technik, und er lässt Innovationen greifbar werden“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Mit dem Deutschen Zukunftspreis wird eine technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Leistung oder Software- und Algorithmen-basierte Innovation aus dem IT-Bereich ausgezeichnet, die patentfähig sein sollte und den internationalen Stand der Technik beachtet und möglichst erweitert.

Der Deutsche Zukunftspreis ist kein Bewerberpreis. Ein Projekt muss von einer der vorschlagsberechtigten Institutionen vorgeschlagen werden. Anschließend entscheidet die Jury in einem mehrstufigen Verfahren über die Nominierten der Endrunde und dann das Preisträgerteam. Die Mitglieder der Jury sind unabhängige Fachleute aus Wissenschaft und Praxis. Diese Persönlichkeiten werden für eine Amtszeit von fünf Jahren durch den Bundespräsidenten berufen.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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