Erweiterungsmöglichkeiten für Chemiepark Gendorf: Rechtzeitig in den Startlöchern stehen

Industriefläche wird von Gemeinde Burgkirchen auf Vorrat ausgewiesen, um auf eventuelle Ansiedlungswünsche schnell reagieren zu können

Burgkirchen. Die Industriegemeinde will dem Chemiepark Gendorf die Möglichkeit zur Erweiterung geben. Zu diesem Zweck wird der Bebauungsplan Nr. 16 „Werk Gendorf“ geändert. Dadurch können im Norden des bestehenden Industriegeländes insgesamt 10,5 Hektar zusätzlich für industrielle Nutzung ausgewiesen werden.

Die Erweiterungsfläche wurde in drei Abschnitte unterteilt. Für den drei Hektar umfassenden westlichen Abschnitt, der direkt an der Bahnlinie Tüßling-Burghausen liegt, sind die bereits 2013 begonnenen Planungsschritte erledigt. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ging es um den 4,9 Hektar großen mittleren Abschnitt („Bardensulz Mitte“) und den 2,6 Hektar betragenden Abschnitt „Bardensulz Ost“.

Das Planungsgebiet ist Waldstandort. Das nächstliegende Siedlungsgebiet befindet sich etwa 700 Meter entfernt. In der Sitzung ging es ausschließlich um den Verwaltungsakt. Hintergründe wurden nicht erläutert. Deshalb bat der Anzeiger Tilo Rosenberger-Süß, Leiter Unternehmenskommunikation der InfraServ GmbH, um Antwort auf die Frage nach den Plänen der Werkleitung.

Rosenberger-Süß: „Konkrete Erweiterungspläne liegen nicht vor. Allerdings ist der Chemiepark Gendorf einer der wenigen Chemieparks in Deutschland, der tatsächlich noch über Erweiterungsperspektiven am Standort verfügt. Für uns ist wichtig, diesen Vorteil perspektivisch nutzen zu können, damit Gendorf in Zukunft bei möglichen Investitionen oder Ansiedlungsanfragen eine Chance hat.“ Das heißt: Nach Inkrafttreten des geänderten Bebauungsplans wird nicht gleich gerodet. „Tatsächlich erworben und erschlossen werden die Flächen erst, wenn konkreter Bedarf besteht“, so Rosenberger-Süß.

Auch an Mittelstand wird gedacht
Der angedachte Erweiterungsbereich kann aus dem geltenden Flächennutzungsplan der Gemeinde Burgkirchen entwickelt werden. Durch die Industrie in diesem Bereich werden andere weniger vorbelastete Wald- und Landwirtschaftsflächen geschont. Die Gemeinde denkt übrigens nicht nur an die Bereitstellung von Flächen für die chemische Industrie, sondern auch für kleine und mittelständische Gewerbebetriebe und Dienstleister. Durch neue Arbeitsplätze sollen Verbleib oder Zuwanderung jüngerer Menschen gefördert werden.

Das Landesentwicklungsprogramm (LEP) Bayern gibt vor, dass neue Siedlungsflächen möglichst in Anbindung an geeignete Siedlungseinheiten auszuweisen sind. Dem entspricht die Ausweisung der Fläche im Norden des Chemieparks. Obendrein ist diese Flächenauswahl deswegen sinnvoll, weil im Chemiepark Anlagen zulässig sind, die besonderen Abstandsregeln unterliegen (Störfall-Verordnung).

Der Grundwasserspiegel liegt in einer Tiefe von 25 bis 30 Meter. Die Hauptfließrichtung verläuft parallel zur Fließrichtung der Alz.

Ökologischer Ausgleich
Johann Huber (Grüne/ÖDP) erkundigte sich nach der Größe der ökologischen Ausgleichsfläche. Bürgermeister Johann Krichenbauer informierte, die Größe richte sich nach gesetzlichen Vorgaben. InfraServ habe mittlerweile den größten Teil der Ausgleichsfläche gefunden.

Demnach muss Wald in der vollen Größe der Eingriffsfläche ausgeglichen werden. Zu den Waldflächen zählen auch Forstwege.

Folgende Ausgleichsflächen wurden in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde und dem Forstamt bereits angelegt: Gemarkung Perach, 46370 Quadratmeter; Entwicklungsziel: Mischwald mit gestuftem Waldrand.

Gemarkung Wald/Alz, 2556 Quadratmeter; Entwicklungsziel: Laubmischwald der Aue mit gestuftem Waldrand.

Gemarkung Wald/Alz, 11827 Quadratmeter; Entwicklungsziel: Laubmischwald der Aue mit gestuftem Waldrand.

Gemarkung Unterkastl, 7200 Quadratmeter; Entwicklungsziel: Mischwald mit gestuftem Waldrand. Der Laubbaumanteil liegt jeweils bei mindestens 70 Prozent. Die Flächen sind naturnah zu unterhalten. Die Verwendung von Pestiziden oder Dünger ist nicht gestattet.

Nach diesen Informationen beschloss der Gemeinderat mit jeweils drei Gegenstimmen die Änderung des Bebauungsplans Nr. 16 „Werk Gendorf“ in den Abschnitten „Bardensulz Mitte“ und „Bardensulz Ost“.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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