Ein blühendes Geschäft am Alzkanal

28. Mai 2021

Artenvielfalt-Projekt auf Flächen der Wacker Chemie AG am Alzkanal entwickelt sich prächtig

Burgkirchen. Dass die Wacker Chemie AG gemeinsame Sache mit dem Landschaftspflegeverband, unterstützt vom Bayerischen Umweltministerium und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, macht, ist ein Sinnbild für die Herausforderungen unserer Zeit. Als ein „Hand in Hand von Industrie und Natur“ bezeichnete Landrat Erwin Schneider das Biodiversitätsprojekt am Alzkanaldamm, das bei einem Treffen auf Höhe von Gufflham bei Burgkirchen am Mittwoch Thema war.

„Wenn ein Unternehmen viel Fläche besitzt, muss auch verantwortungsvoll damit umgegangen werden. Zudem macht es uns Freude zu sehen, dass am Alzkanal etwas so Schönes entsteht“, leitete Dr. Peter von Zumbusch, Wacker-Werksleiter in Burghausen, das Treffen ein. Vor zwei Jahren stellte Wacker Chemie eineinhalb Kilometer entlang des Alzkanals, einer Fläche von 30 000 Quadratkilometer entsprechend, zwischen Burgkirchen und Hirten zur Verfügung für ein Blühprojekt für Artenvielfalt. Dass hier „etwas Schönes“ entstanden ist, war bei dem Treffen am blühenden Kanalrand gut sichtbar, zu dem auch Reinhard Klett, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Altötting, Dr. Martin Sommer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege, Bürgermeister Johann Krichenbauer und Landrat Erwin Schneider eingeladen waren.

„Die langgestreckte Fläche eignet sich optimal, um Biotopflächen miteinander zu verbinden, eine artenreiche Blühstruktur zu kultivieren und der heimischen Insektenwelt wieder ein zuhause zu bieten“, so von Zumbusch.

Burgkirchens Bürgermeister Krichenbauer bedankte sich im Namen der Gemeinde bei Wacker Chemie und den Landschaftpflegern, die die Umsetzung ermöglichten. Viele Radfahrer erfreuten sich an der den Kanal säumenden Blühfläche und noch wichtiger sei das Projekt natürlich für die Insektenwelt, so der Bürgermeister. „Es tut gut zu sehen, wie Industrie und Natur koexistierten und sich gegenseitig befruchten.“

Martin Sommer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege blickte noch einmal zurück auf die Veröffentlichung einer Statistik aus dem Jahr 2017 zum Insektensterben, derzufolge in 30 Jahren 80 Prozent weniger Insekten existieren werden als heute, wenn Menschen mit der Umwelt weiterhin so umgingen wie bisher. Wachgerüttelt durch diese Zahlen entstand der „Blühpakt Bayern“. Dabei fördert das Bayerische Umweltministerium über fünf Jahre hinweg Projekte in 30 Landkreisen Bayerns, bei denen insbesondere kommunale Flächen ins Auge gefasst werden sollen. Öffentliche Flächen sollen dabei als Lebensräume für Wildinsekten angelegt, bestehende artenarme Flächen aufgewertet und Kommunen fachgerecht von Expertinnen und Experten betreut werden. „Entlang der Alzdämme wird der Begriff ,Biotopverbund‘ greifbar“, so Sommer.

Ein Beispiel dafür, wo auch die Fläche am Alzkanal noch aufgewertet werden kann, zeigte Reinhard Klett vom Landschaftspflegeverband auf. Entlang der Hangfläche deutete er auf die Stellen, an denen der Vegetationsbestand unter dem Mulchen, das jahrelang an den Kanalflächen durchgeführt wurde, gelitten hatte. Die Vegetation an diesen Stellen wirkt noch recht karg im Gegensatz zu dem blühenden Wachstum außen herum. „Aber innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre kann auch hier eine authentische Vegetation wie vor hundert Jahren entstehen “, meinte der Landschaftsexperte. Sein Verband verstehe es als seine Aufgabe, Grundeigentümer wie die Wacker Chemie zur Flächennutzung zu beraten. Dazu gehöre zum Beispiel auch, darüber zu informieren, wann und wie gemäht werden sollte. „Nicht zu früh und auch nicht immer alles“ sei hier die Devise, so Klett. Das sei weniger Arbeit und ein Schritt Richtung Artenschutz.

Landrat Schneider fügte hinzu, dass er es toll finde, das hier an etwas Menschengeschaffenem, an einem Kanal, wieder Natur entstehen könne. „Man muss immer die richtige Balance finden, wo Projekte sowohl effizient als auch umweltfreundlich machbar sind“, sagte Schneider. Die Streifen neben Kreisstraßen, an denen es für Insekten ohnehin „viel gefährlicher“ sei, schätze er zum Beispiel nicht als geeignet ein.

Die Abschlussworte von Reinhard Klett, dass die Biodiversität am Alzkanal ein tolles Projekt ist, das aber noch am Anfang steht, besiegelten die vier Herren damit, dass sie einen Bottich voll Blumensamen auf der freien Fläche verteilten.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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