Die Folgen des Fackelbetriebs

Umwelterklärung der OMV Deutschland zeigt, wie intensiv im Herbst 2019 abgefackelt werden musste

Burghausen. Wochenlang hatte die Fackel im August und September 2019 den Nachthimmel über der Burghauser Industrie erhellt, teils stiegen die Flammen Dutzende Meter hoch – die Folgen eines Anlagenausfalls in der Ethylenproduktion der OMV. Jetzt, gut ein Jahr später, liegt vor, welche Mengen an Abgasen damals in die Luft gelangten und was sie enthielten.

Aufgeführt sind die Details in der neuen, im Internet abrufbaren Umwelterklärung der OMV. Daraus geht hervor, dass im vergangenen Jahr in etwa die drei- bis vierfache Menge an Fackelgasen anfiel wie in den Jahren zuvor, insgesamt rund 22300 Tonnen.

Die Steigerung resultiert zu einem Gutteil aus dem Ausfall der Kältemaschine in der Ethylenanlage am 24. August 2019. Die ab diesem Zeitpunkt für mehrere Wochen nicht mehr nutzbaren Prozessgase mussten in der Folge abgefackelt werden und das bis Mitte September. Dazu kam neben geplanten Wartungsarbeiten ein Kleinbrand im Oktober 2019, der einen neuerlichen tagelangen Fackelbetrieb notwendig machte.

Was die Auswirkungen auf die Umwelt betrifft, so geht man bei OMV davon aus, dass diese „unkritisch“ seien. Es sei zu keiner nennenswerten Rußbildung bei der Verbrennung gekommen. Die Prozessgase seien nahezu rückstandsfrei verbrannt worden. „In die Luft gelangen dadurch hauptsächlich Wasserdampf und Kohlendioxid. Stoffe, wie sie auch bei der Verbrennung von Flüssiggas in Heizungsanlagen entstehen“, heißt es in der Umwelterklärung.

Neben Wasserstoff und CO2 gelangen infolge des Fackelbetriebs auch sogenannte flüchtige organische Nicht-Methan-Verbindungen (NMVOC) in die Luft – Stoffe, wie sie unter anderem auch über den Straßenverkehr emittiert werden. Ihre Menge ist im vergangenen Jahr fackelbedingt deutlich gestiegen – auf 194 Tonnen, in etwa das Doppelte der beiden Vorjahre. Sprunghaft gestiegen ist auch der Methan-Ausstoß.

In der CO2-Bilanz für 2019 macht sich der außerordentlich intensive Fackelbetrieb nur geringfügig bemerkbar. Die Emissionen liegen mit insgesamt rund 1,13 Millionen Tonnen CO2 weitgehend gleichauf mit den Jahren 2015 bis 2017. Eigenen Angaben zufolge hat die Raffinerie seit 2014 die sogenannten spezifischen, also auf die Produktionsmenge umgelegten CO2-Emissionen um sechs Prozent gesenkt. Die Schwefeldioxid-Emissionen haben sich in den vergangenen vier Jahren gemäß Umwelterklärung um knapp ein Viertel verringert, die von Kohlenmonoxid in etwa halbiert, auch die Menge an Stickstoffoxide (NOX) ist weniger geworden.

Positives meldet das Unternehmen sowohl beim Energieaufwand als auch beim Wasserverbrauch, zumindest, wenn man beides in Relation zur Produktionsmenge sieht. Je verarbeiteter Tonne ist der Energieeinsatz in den letzten Jahren demnach um acht Prozent gesunken, der dabei entstehende Gesamtabfall um 34 Prozent. Weitgehend gleich geblieben ist der spezifische Wasserverbrauch. Knapp zwei Millionen Kubikmeter Grundwasser wurden gefördert. Die Schadstoffkonzentrationen im Abwasser lagen den Messergebnissen zufolge allesamt unterhalb der Grenzwerte.

Hoffnungen setzt man im Werk in die neueste Großinvestition: eine Anlage zur Produktion von hochreinem Isobutaden. Der Stoff soll künftig das Portfolio ergänzen und kommt unter anderem bei der Produktion von Klebstoffen und Schmiermitteln, aber auch beim Herstellen von VitaminC zum Einsatz. Gemeinsam mit BASF arbeitet OMV an einer weltweit einmaligen Technologie. Mehr als 60 Millionen Euro werden dafür in Burghausen investiert. Die Inbetriebnahme der neuen Anlage soll nicht mehr lange auf sich warten lassen. Dank neuer Strategie soll sie bis zu 80 Prozent der benötigten Wärmeenergie aus der Abwärme der vorhandenen Anlagen abdecken und damit helfen, die Energiebilanz aufzubessern.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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