Creamino – neues Werk für Wachstum

Neue Anlage der AlzChem geht in Kürze in Betrieb – Produkt für mehr Effizienz in Mastbetrieben

Trostberg. „Die vergangenen Wochen und Monate waren sportlich – ohne Rücksicht auf sengende Sommerhitze“, sagt Andreas Niedermaier, Vorstandsvorsitzender der AlzChem Group AG: „Aber die Arbeiten liegen gut im Plan.“ Und der Termin für die feierliche Eröffnung am 12. September steht bereits fest. Innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre hat das Unternehmen neben der bereits vor vier Jahren in Betrieb genommenen Anlage mit einer Kapazität von 6000 bis 8000 Jahrestonnen die neue Creamino-Anlage mit einer angestrebten Kapazität von zunächst rund 14 000 Jahrestonnen aufgebaut. Investitionswert – rund 50 Millionen Euro.

Rund 90 000 Planungsstunden, 10 000 Tonnen Beton und 280 Apparate stecken im Projekt. „Die Fertigstellung der Apparate und Behälter in den einzelnen Fachfirmen, ihre termingerechte Lieferung und Installation und Integration in das neue Bauwerk, das Koordinieren aller Einzelprojekte, das waren schon nennenswerte Herausforderungen“, gesteht Niedermaier, betont aber nicht ohne Stolz: „Unser Ingenieure und Teams haben das im Griff.“ Die Technologie stammt aus dem eigenen Haus und sichert der AlzChem in der Herstellung von Creamino, vor allem mit den hohen Qualitätsansprüchen, auf dem Weltmarkt einen Platz.

Eine weitere Herausforderung schildert Peter Weimer im Steuerstand der Anlage. Hier wurden bereits in den vergangenen Wochen erste Funktionstests gefahren und hier wurde auch sichergestellt, dass alle Brandschutzauflagen erfüllt, kontinuierlich implementiert und dokumentiert wurden.

„Für den Bau der neuen Anlage mit mehr als der doppelten Kapazität waren die Erfahrungen aus dem Betrieb der kleineren Anlage aus den Jahren 2014/15 enorm wichtig“, erklärt Niedermaier. Seit dem Anfahren der ersten Anlage wurden hier nicht nur Engpässe, sogenannte „bottlenecks“ entfernt, sondern die Lernergebnisse auf den Bau der neuen Anlage übertragen.

Außerdem sei es gelungen, innerhalb kurzer Zeit die Leistungsfähigkeit der ersten Anlage um rund ein Viertel zu steigern. Diese Erfahrungswerte und Leistungssteigerung erwarten sich die Fachleute bei AlzChem auch in der neuen Anlage mit dem Ziel, im Vollbetrieb insgesamt rund 25 000 Jahrestonnen zu produzieren.

„Die Nachfrage ist enorm“ bestätigt Niedermaier. Das Unternehmen hat zum Jahresbeginn nicht nur den Direktvertrieb vom früheren Partner Evonik übernommen, sondern setzt auch auf wachsende Märkte. Nach der Umstellung im Vertrieb sei es zunächst zwar, wie erwartet, zu kleinen Rückgängen gekommen, insbesondere weil der Partner noch Lagerbestände hatte und diese abverkaufte. Mittlerweile sei man aber weltweit mit einem motivierten Team gut aufgestellt und erhalte aus dem direkten Kontakt mit den Kunden nun wertvolle Impulse, die wiederum der Entwicklung und Produktion zu Gute kommen. Creamino, das ist der Handelsname der Guanidinoessigsäure aus Trostberg, eines körpereigenen Futtermittelzusatzstoffes, der im Körper von Nutz- und Masttieren zum ebenfalls körpereigenen Stoff Kreatin verarbeitet wird.

Laut AlzChem führt der Zusatzstoff zu einer verbesserten Futtermittelverwertung in der Nahrungsaufnahme der Tiere. Dadurch könnten Agrarbetriebe die insgesamt benötigte Futtermenge reduzieren, sparsamer und nachhaltiger wirtschaften. „Der Einsatz von Creamino kann also zu Kosteneinsparungen auf Seiten der Tierhalter und generell zu einer Reduktion des ökologischen Fußabdrucks bei Futterproduktion und -transport führen“, erklärt Andreas Niedermaier.

Der Gewinn an Nachhaltigkeit lasse sich auch in Zahlen ausdrücken. Kalkuliere man mit rund 600 Gramm Creamino pro Tonne Futtermittel, dann reicht die Produktionsmenge in Trostberg von deutlich über 20 000 Jahrestonnen bei optimaler Dosierung für rund 40 Millionen Tonnen Futter und realisiert ein Einsparpotenzial von 1,25 Mio Tonnen Futter. Diese Menge würde man brauchen, um den gleichen Masterfolg ohne Creamino zu erzielen.

Kalkuliert man nun die 1,25 Millionen Tonnen in Weizen, so bedeutet das bei einem Ertrag von acht Tonnen je Hektar eine Fläche von rund 150 000 Hektar oder knapp der doppelten Fläche von Berlin. „Im Kontext der aktuellen Debatte um den Flächenverbrauch ein interessanter Aspekt.“ Vorstandsvorsitzender Andreas Niedermaier weiß wovon er spricht. Er stammt aus einem landwirtschaftlichen Betrieb und hat selbst zusätzlich zum Wirtschaftsingenieur Studium eine Ausbildung als Landwirt absolviert.

Mindestens genauso wichtig wie die möglichen Kosteneinsparungen, sind die Verbesserung der Produktionsleistung durch Erhöhung des Muskelanteils, die bessere Fleischqualität und die Unterstützung der Reduzierung von Antibiotika. Nachhaltigkeit ist für die Fleischwirtschaft ein immer wichtigeres Thema. Die zahlreichen Effekte von Creamino unterstützen diesen Trend.

Creamino als Zusatz zu Futtermittel ist bereits für den Einsatz in der Geflügel- und in der Schweinemast zertifiziert und auf dem Markt etabliert. Nun kommt auch noch die Zulassung für Heim- und Kleintiere hinzu. AlzChem baut in der Herstellung der Guanidinoessigsäure sowie in der Entwicklung der notwendigen Technologie auf die jahrzehntelange und positive Erfahrung mit Kreatin und in der in über 100 Jahren aufgebauten Kompetenz in der Wertschöpfung aus kalk und Kohle. Kreatin ist ein körpereigener Stoff bei Menschen, der in allen Zellen praktisch die „Batterie“ für den kurzzeitigen Energiehaushalt ist. Überall wo im Körper Energie benötigt wird, wie beispielsweise im Gehirn, dem Immunsystem, Muskelaufbau und Wachstum allgemein, spielt Kreatin eine zentrale Rolle. Dies dient alles einem gesunden Wachstum, wie es auch der Produktslogan „energy for healthy growth“ widerspiegelt.

Vor rund 20 Jahren gab der damalige Vorstandsvorsitzende im SKW Konzern, zu dem der Chemiestandort Trostberg mit der modernen AlzChem damals noch gehörte, Prof. Dr. Utz-Hellmuth Felcht, den Impuls zum Bau einer GMP-Anlage, um Kreatin synthetisch herzustellen. Die Abkürzung GMP steht für „Good Manufacturing Practice“ und steht für ein zertifiziertes Verfahren, wie es für den Export von pharmazeutischen Produkten in die USA gefordert ist. Seither wird Kreatin aus Trostberg unter dem Markennamen Creapure und seit wenigen Monaten auch als Livadur, als Eigenmarke der AlzChem und direkt an Kunden vermarktet. Auch in diesem Segment sieht Andreas Niedermaier einen gelungenen Start.

Die AlzChem verfügt mit der Expertise in der NCN-Chemie, in der Wertschöpfung aus Kalk, Kohle und Stickstoff unter Einsetzung hoher Mengen an elektrischer Energie, in der Welt die Qualitätsführerschaft streckenweise ein Alleinstellungsmerkmal. Denn nur die AlzChem sei in der westlichen Welt auf die Herstellung des notwendigen Zwischenprodukts Cyanamid spezialisiert, erklärt Niedermaier.

Exportiert werden Livadur und Creamino mittlerweile in rund 50 Länder auf allen Erdteilen – und mit großem Wachstumspotenzial, denn alle starken Volkswirtschaften, allen voran China, setzen zunehmend auf eine industrialisierte Landwirtschaft, um die Nachfrage nach Fleisch zu decken.

Aus Sicht von Markteffizienz und unterschiedlichen Ess-Gepflogenheiten und Vorlieben sieht das Unternehmen vor allem in der Geflügelmast ein großes Potenzial. Geflügelfleisch ist weltweit beliebt. Schweinefleisch hat vor allem in Europa, aber auch in China in der Ernährung große Bedeutung, während es in der muslimischen Welt, aber auch in der jüdischen Religion, geächtet ist.

Trotzdem achtet AlzChem darauf, dass alle Anlagen, Prozesse und Produkte den Vorschriften dieser beiden Religionen entsprechen und als „halal“ und „koscher“ zertifiziert sind. Auch wenn der Futtermittelzusatz Creamino nicht unmittelbar in die menschliche Nahrung kommt, sondern in den Masttieren in Muskelmasse umgesetzt wird.

Nicht nur Produkte und Herstellungsprozesse, sogar der Umgang mit den Mitarbeitern im Unternehmen werden geprüft, bevor zum Beispiel das Zertifikat „halal“ erteilt werde, erklärt Peter Weimer. Das gilt auch für die neue Anlage, in der in Kürze die Produktion beginnt.

Insgesamt hat AlzChem am Standort Trostberg in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 64 Millionen Euro für die neue Creamino-Anlage, für Logistik, aber auch für eine neue Nitril-Anlage investiert. In den zurückliegenden zehn Jahren schätzt Andreas Niedermaier das Investitionsvolumen auf rund 210 Millionen Euro.

„Im Konzern haben wir die Technologie und die Professionalität gelernt“, erklärt Niedermaier zum Agieren seit der Ausgliederung aus der ehemaligen SKW Trostberg AG und dem Einstieg eines Venture Capital Investors vor zehn Jahren. Inzwischen habe das Unternehmen mit rund 1100 Mitarbeitern im Alztal und rund 1550 insgesamt, einschließlich der Auslandsstandorte, enorm an Flexibilität und Reaktionsgeschwindigkeit auf Markttrends dazugewonnen.

Das spiegelt sich auch im Umsatz wieder. Waren es vor zehn Jahren noch 245 Millionen, so stieg das Volumen bis im vergangenen Jahr auf 375 Millionen Euro. Heuer sind 390 Millionen Euro angepeilt.

Die von AlzChem produzierten Nitrile, für die ebenfalls eine neue Anlage im Investitionswert von rund 7,2 Mio Euro in Betrieb geht, finden in Pflanzenschutzmitteln und als Zwischenprodukte bei der Herstellung von Pharmazeutika Verwendung. Genauso können sie für Hochleistungspigmente im Automobilbau, als Lösungsmittel sowie generell bei diversen industriellen Anwendungen genutzt werden.

Weitere Details zu Produkten und zum Unternehmen im Internet: www.alzchem.com

 

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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