Chemiepark Gendorf kommt bislang gut durch die Krise

Präventionsmaßnahmen seit Januar – Kantine und Bildungszentrum geschlossen – Arbeit von zu Hause

Burgkirchen. „Wir wollen als Chemiepark an der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mithelfen, die Virus-Infektionen zu verzögern. Denn es ist jetzt in dieser Phase besonders wichtig, Zeit zu gewinnen, damit sich die Infektionskurve abflacht und in der Region das Gesundheitssystem nicht überlastet wird“, begründete auf ANA-Anfrage Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter des Standortbetreibers InfraServ Gendorf, die strengen Vorbeugemaßnahmen im Chemiepark Gendorf.

Wie von Tilo Rosenberger-Süß, Leiter der Standort-Kommunikation, weiter zu erfahren war, waren im Chemiepark bereits ab Ende Januar aufgrund der weltweiten Corona-Entwicklung die Vorbeugemaßnahmen schrittweise intensiviert worden, um das Risiko von Infektionen am Standort Burgkirchen zu minimieren. So wurden Hygienemaßnahmen verschärft, Veranstaltungen abgesagt, Dienstreisen minimiert, der Zutritt von Externen zum Chemiepark nur nach bestimmten Voraussetzungen zugelassen.

Um die aktuelle Lage zu beurteilen und weitere präventive Maßnahmen festzulegen, tagt regelmäßig ein unternehmensübergreifender Krisenstab. So kommt der Chemiepark bislang gut durch die Krise.

Aufgrund der zunehmenden Gefahr schloss die Bildungsakademie Inn-Salzach (BIT) Gendorf vorsorglich ihre Pforten. Seit dem 16. März und bis zum 19. April finden am Campus in Gendorf weder Unterricht noch IHK-Kurse oder Seminare statt.

Mitarbeiter aller Standort-Unternehmen, die sich in Risikogebieten aufgehalten hatten oder Kontakt zu einem Covid-19-Erkrankten hatten, blieben gleich nach diesem Aufenthalt vorsorglich zu Hause. „Dabei handelt es sich um reine Vorsorge“, betonte Pressesprecher Rosenberger-Süß.

Im unternehmensübergreifenden Krisenstab war bereits vor Wochen gemeinsam die Entscheidung getroffen worden, dass sich Mitarbeiter, die sich in einem Risikogebiet (definiert vom Robert-Koch-Institut) aufgehalten haben, vorsorglich für 14 Tage in Selbstquarantäne begeben sollen. „Als Südtirol als Risikogebiet eingestuft wurde, war das eine wichtige Maßnahme, um Infektionen zu verhindern“, unterstrich der Sprecher.

Seit dem 18. März ist der normale Kantinenbetrieb eingestellt, nachdem auch dort bereits in den Vorwochen nach und nach Präventionsmaßnahmen umgesetzt wurden. Beispielsweise gab es keine Selbstbedienungsangebote wie Salattheken mehr, Besteck wurde eingepackt. Jetzt ist das Betriebsrestaurant für den Aufenthalt und den Verzehr von Speisen gesperrt. Ersatzweise wird von der Werkgastronomie ein warmes Mittagsgericht oder ein Lunch-Paket angeboten, das von Chemiepark-Mitarbeitern abgeholt werden kann. Um die Anzahl an Mittagessen und Lunch-Paketen einschätzen zu können, müssen Mitarbeiter das Essen vorbestellen.

Homeoffice-Regelungen und mobiles Arbeiten werden von den Standort-Unternehmen großzügig umgesetzt, wo es technisch und organisatorisch möglich ist.

Mobiles Arbeiten ist ein anderer Begriff für Homeoffice. Tilo Rosenberger-Süß: „Wir bevorzugen den Begriff, weil damit nicht zwingend ein Heimarbeitsplatz gemeint ist, sondern Mitarbeiter durch die vorhandenen technischen Möglichkeiten ja wirklich von überall arbeiten können, wenn sie wollen.“

Bei InfraServ Gendorf arbeiten derzeit rund 350 Kollegen mobil von zu Hause, also über 30 Prozent. Allerdings ist mobiles Arbeiten bei InfraServ Gendorf nur begrenzt möglich, denn viele Tätigkeiten sind ortsgebunden. So muss diese Regelung von Abteilung zu Abteilung sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Ein Werkfeuerwehrmann oder ein Mitarbeiter der Instandhaltung kann nur im Chemiepark seine Arbeit verrichten. Anders in der Personalabteilung oder im Engineering: Dort liegt die Quote bei etwa 80 Prozent.

Auch die interne Kommunikation spielt eine große Rolle: Mitarbeiter erhalten regelmäßige Newsletter über Hygiene- und Verhaltensmaßnahmen. Gemeinsam mit dem Werkärztlichen Dienst erstellte die ISG-Kommunikationsabteilung mit dem Smartphone mehrere Videos, um Mitarbeiter im Chemiepark frühzeitig für die richtigen Hygienemaßnahmen zu sensibilisieren. Beispiele: „Wie wasche ich richtig meine Hände?“ „Die fünf besten Hygienetipps.“

Wie ist die Stimmung im Werk? Auf diese Frage antwortete Tilo Rosenberger-Süß gestern: „Im Chemiepark Gendorf läuft die Produktion derzeit weiter, aber die Situation ist durchaus ernst. Es ist nicht ausgeschlossen, dass es spürbare Auswirkungen geben wird, wenn die Corona-Entwicklung länger andauert.“

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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