Burgkirchens Wahrzeichen ist 188 Meter hoch

2. Februar 2021

Kamin im Chemiepark Gendorf eines der höchsten Bauwerke in Bayern – Spitze im Landkreis – Antennenträger

Burgkirchen. Im Rahmen seiner Heimatkunde-Serie stellt der Anzeiger Wissenswertes aus Burgkirchen vor. Heute soll es um das wichtigste Wahrzeichen der Industriegemeinde gehen, dem weithin sichtbaren Werkskamin des Chemieparks Gendorf.

Diese beeindruckende, 188 Meter hohe Erscheinung ist eines der höchsten Bauwerke Bayerns und der höchste Punkt im Landkreis. Die Spitze des Kamins liegt 598 Meter über dem Meer. Zum Vergleich: Den höchsten Punkt in der Landschaft des Landkreises Altötting bildet der Rainbichl in der Gemeinde Tyrlaching mit 544 Meter. Das bedeutet: Selbst wenn man sich so weit vom Landkreis entfernt befindet, dass von der hiesigen Landschaft nichts mehr zu sehen ist, zum Beispiel in den Alpen oder im Flugzeug, kann man die „Gendorfer Nadel“ immer noch erkennen.

Vor 43 Jahren wurde das Gebäude im Werk Gendorf in Betrieb genommen. Anders als der erste Werkskamin, der aus dem Jahre 1938 stammte, wurde der neue Schlot nicht gemauert, sondern betoniert. Binnen fünf Wochen hatte man ihn mit Hilfe einer Gleitschalung hochgezogen. 40 weitere Wochen verstrichen, bevor der Kamin im August 1978 in Betrieb genommen werden konnte. In dieser Zeit wurde unter anderem die Isolierung, eine Blitzschutzanlage und die sogenannte Flughindernisbefeuerung (Warnleuchten für den Luftverkehr) eingebaut.

Für den Bau des 5830 Tonnen schweren Turms, von Schaft, Fundament und Bühnen, benötigte man insgesamt 157 Tonnen Stahl sowie 2042 Kubikmeter Beton. Der Schlot im Werk Gendorf steht auf einem sechs Meter tiefen Fundament mit einem Durchmesser von 19,5 Metern. Der Außendurchmesser des Schornsteins misst unten 13,5 Meter und schrumpft bis auf fünf Meter an der Spitze. Innen hat das keramische Rauchgasrohr mit 3,20 Meter einen konstanten Durchmesser von unten bis oben.

Innerhalb des Kamins fährt bis zu einer Höhe von 63 Metern ein Aufzug, der restliche Weg muss zu Fuß bewältigt werden – allerdings nur in Begleitung eines Werkfeuerwehrmannes, der für die Kaminbesteigung eine spezielle Höhenrettungsausbildung absolviert haben muss. In den Siebzigerjahren geschah die Energiegewinnung im Werk Gendorf hauptsächlich mit Heizöl, weswegen die Abgase möglichst hoch abgeleitet werden sollten. Deswegen die stolze Höhe von 188 Meter.

Um den Unterhalt des prägenden Bauwerks kümmert sich die InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG, die den Chemiepark betreibt. Zu den Aufgaben der InfraServ-Mitarbeiter gehören vor allem Reparatur- und Wartungsarbeiten: Lampen sind auszuwechseln, die innere Keramikröhre und die Steigleitern müssen kontrolliert werden und die Arbeiten der Antennenbetreiber sind zu koordinieren. Die Gendorfer Werkfeuerwehr hält im Kamin regelmäßige Übungen ab. Im Jahr 2002, mit der Inbetriebnahme der Gasturbine, verlor der Werkskamin an Bedeutung für die Energieerzeugung im Industriepark, er ist nur noch in Ausnahmefällen beim Betrieb eines der Reservedampfkessel zur Rauchgasableitung im Einsatz. Bereits in den Achtzigerjahren zeigte sich, dass der Schornstein noch ganz andere Kapazitäten hat: Der Radiosender „Inn-Salzach-Welle“ trat an die Werkleitung heran und bat darum, seine Funkantenne auf dem Kamin platzieren zu dürfen. Die nächsten, die die Vorzüge des Kamins für sich entdeckten, waren die verschiedenen Mobilfunkanbieter. Mittlerweile schlängeln sich auch zahlreiche Internetleitungen von den IT-Services der InfraServ am Kamin hoch.

In regelmäßigen Abständen schicken die Telekommunikationsunternehmen ihre Servicemitarbeiter vorbei, um die Mobilfunksender zu warten. Das muss koordiniert werden, weil es nur maximal sechs Personen – inklusive Feuerwehrmann – erlaubt ist, im Kamin hochzusteigen.

Es gibt fast keinen, der den langen und anstrengenden Aufstieg bereut: Der traumhafte Blick vom Werkskamin, bei guten Sichtverhältnissen fast 200 Kilometer weit, entschädigt für die Strapazen.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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