„Burghausen ist einfach eine tolle Ecke“

6. Februar 2021

Seit 1. Januar leitet Dr. Peter von Zumbusch das Wacker-Werk – Besonders die historische Substanz der Stadt hat es ihm angetan

Burghausen. Sicher, China mit seinen Millionenmetropolen und ungeahnten Möglichkeiten hatte seinen Reiz. Einen Reiz, den Dr. Peter von Zumbusch in seinem Lebenslauf nicht missen möchte. Und doch ist der 56-Jährige froh, wieder in Burghausen zu sein. „Geradezu paradiesisch“ sei es hier, schwärmt er von Stadt und Umland. Dass es so bleibt, dazu will der neue Wacker-Werkleiter seinen Teil beitragen.

Seit Jahresbeginn ist Dr. Peter von Zumbusch als Nachfolger von Dr. Dieter Gilles für die rund 8200 Wackerianer in Burghausen zuständig. Im Unternehmen verwurzelt ist er weit länger. Vor 25 Jahren begann er bei Wacker in der Technischen Planung – auch damals schon in Burghausen.

Wacker war „die erste anständige Anstellung“
Gebürtig ist von Zumbusch in München – mit Wurzeln in den Chiemgau. Bekannt aus seiner Ahnenschaft sind unter anderem Bildhauer Caspar Ritter von Zumbusch sowie dessen Söhne Ludwig (Maler) und Leo von Zumbusch. Letztgenannter leitete von 1932 bis Oktober 1933 als letzter gewählter Rektor vor der Gleichschaltung die Ludwig-Maximilians-Universität München.

Statt an die Münchner Hochschulen zog es Peter von Zumbusch zum Studieren nach Berlin – und als Erasmus-Student ins französische St. Étienne. Mit dem Diplom in der Tasche, ging es zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die TU Hamburg-Harburg – ein Umstand, der ihm 1996, bei seinem Wechsel zu Wacker, den süffisanten Kommentar einbrachte, dass er jetzt seine „erste anständige Anstellung“ erhalte.

2005 wurde von Zumbusch nach China berufen, um dort die Leitung des Standorts Zhangjiagang zu übernehmen. Drei Jahre später folgte die Verantwortung für das gesamte China-Geschäft der Wacker Chemie. Zurück nach Deutschland kam er 2013. Von Zumbusch wurde Leiter der Ingenieurtechnik im Geschäftsbereich Wacker Silicones. Und jetzt, seit Jahresbeginn, eben Werkleiter.

Was in dieser Funktion im Detail alles auf ihn zukommen wird, welche Gestaltungsspielräume der Posten im Einzelnen bietet, darauf ist der 56-Jährige auch selbst gespannt. Klar ist für ihn eines: Er will nicht im Alleingang seine Vorstellungen durchboxen. Es gehe darum, „das Miteinander zu gestalten, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Mitarbeiter zu motivieren“ – dann entwickle sich vieles von selbst, ist Peter von Zumbusch überzeugt. Zumal Qualifikation und Ausbildung, Schaffenskraft und Innovation hierzulande einmalig seien. „Da sind wir gut aufgestellt“, sagt er und tritt Pessimisten entgegen, die den Industriestandort Deutschland im internationalen Vergleich abschreiben. Pfunde wie das duale Ausbildungssystem seien weiterhin weltweites Alleinstellungsmerkmal.

Gerade in diesem Bezug gebe es auch im oftmals als Innovationstreiber gelobten China noch Verbesserungsbedarf. Vieles dort laufe sehr formal ab, weiß von Zumbusch aus Erfahrung. Selbst Genehmigungsverfahren würden nicht immer „so viel schneller“ vonstatten gehen als in Deutschland.

Voraus sei China hingegen, was Punkte wie die Infrastruktur angeht. Baumaßnahmen würden deutlich zackiger umgesetzt – wenngleich auch rücksichtsloser. Grundsätzlich sieht der neue Werkleiter für den Wirtschaftsstandort Deutschland noch alle Chancen gewahrt – „doch dürfen wir nicht selbstgefällig werden“.

Mit Blick darauf will er sich auch – ganz in der Tradition der Burghauser Standortleiter – für hiesige Infrastrukturprojekte wie Bahnausbau und Energieversorgung einsetzen. Wie genau, das soll die noch laufende Einarbeitung ergeben.

Vorerst nimmt die Corona-Pandemie viel Zeit des neuen Werkleiters in Anspruch. Vieles sei im Umbruch, sagt er; „eine aufregende und herausfordernde Zeit“, und doch „freut mich die Aufgabe“. So gilt es auch im Werk, strenge Hygienevorgaben umzusetzen. Schon vor den staatlichen Vorgaben galt in den Zubringerbussen FFP2-Maskenpflicht, ähnliches ist Voraussetzung, um die Mitnehm-Angebote der Kantine in Anspruch nehmen zu können. Wer gemeinsam mit Kollegen per Auto zur Arbeit fährt, kann ebenfalls auf die FFP2-Masken aus Wacker-Bestand zurückgreifen. Dazu kommen frühzeitige Homeoffice-Angebote.

Das alles und mehr sorge dafür, dass es bei Wacker bislang keine Infektionsketten gegeben habe, also keine Ansteckungen von Mitarbeitern durch Mitarbeiter. Die Produktion laufe problemlos, die Versorgungslage sei stabil. Hilfreich sei da auch das kürzlich eröffnete Testzentrum im Burghauser Hallenbad – in Nachbarschaft zum Werk. Das erleichtere den Umgang mit der Grenzpendler-Testpflicht, sagt von Zumbusch, der grundsätzlich nachvollziehen kann, dass der Staat Maßnahmen ergreift.

Gäste „kommen sich vor wie in Disneyland“
Was die weitere Entwicklung angeht, so hofft auch der 56-Jährige auf Normalisierung. Und darauf, Burghausen weiter genießen zu können. Er und seine Familie hätten hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden. „Wir fühlen uns in Burghausen wirklich verankert“, sagt der vierfache Familienvater, dem es neben der weiteren Umgebung – Wandern und Skifahren in den Bergen etwa – vor allem die historische Substanz der Stadt angetan hat. „Burghausen ist einfach eine tolle Ecke“, schwärmt er – und sieht sich dabei mit chinesischen Unternehmensgästen auf einer Wellenlänge. Schließlich seien diese von der Stadt auch immer hellauf begeistert. „Die kommen sich vor wie in Disneyland.“

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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