Auf der ABS 38 wird aufs Tempo gedrück: Festschreibung der durchgängigen Zweigleisigkeit zwischen Tüßling und Freilassing

Bahnausbau: Überarbeitete Planung mit Anbindung an den Flughafen und 200-km/h-Teilstück vorgestellt

Mühldorf. Der überarbeitete Bundesverkehrswegeplan soll deutliche Vorteile für den Berufspendler- und Güterverkehr auf der Ausbaustrecke München–Mühldorf–Freilassing (ABS 38) bringen. Neben dem kompletten zweigleisigen Ausbau zwischen Tüßling und Freilassing kommen weitere ergänzende Maßnahmen hinzu den Flughafenanschluss und das erhöhte Fahrtempo auf dem Teilstück Ampfing-Markt Schwaben betreffend. „Wir haben hier jetzt ein rundes Paket“, sagte DB-Konzernbevollmächtigter Klaus-Dieter Josel am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz, die er zusammen mit MdL Marcel Huber namens des Projektbeirats im Mühldorfer Landratsamt abhielt.

Die Walpertskirchener Spange wird dem Großprojekt zugerechnet, ebenso wie das Fernbahngleis zum Flughafen (Teilprojekt Erdinger Ringschluss). „Diese Aufwertung ist dem südostbayerischen Bundesverkehrsminister zu verdanken“, sagte MdL Huber auf entsprechende Nachfrage; gemeint ist Andreas Scheuer aus Passau. Beteiligt an der Verbesserung der Flughafenanbindung sind Bahn, Bund und der Freistaat, dessen Oberste Baubehörde Planungskapazitäten einbringen wird.

Zudem beinhaltet der neue Planungsauftrag Reisezeitverkürzungen zwischen Markt Schwaben und Ampfing. Dafür wird die maximale Streckengeschwindigkeit in diesem Bereich auf bis zu 200 Stundenkilometer angehoben. Bayerns Bahnchef Josel spricht von fünf Minuten Zeitgewinn für die Bahnreisenden. Die Lärmbelastung werde dadurch aber nicht steigen.

Der Ausbau für höheres Tempo bereite „kein Kopfweh“, sagte Gesamtprojektleiter Klaus-Peter Zellmer von der DB Netz AG. Damm und Gleisbett müssten etwas verbreitert werden, größtenteils könne die bestehende Trasse überplant werden, die „sehr geradlinig“ ist.

Die dafür nötigen Anpassungen an den Planungen werden derzeit vom Projektteam überprüft. Der Abschluss der Entwurfsplanung verschiebt sich somit um bis zu ein Jahr nach hinten. Projektleiter Zellmer geht davon aus, dass spätestens Ende 2020 ins Planfeststellungsverfahren gegangen werden könne. Die betroffenen Kommunen werden zeitnah über die Neuerungen informiert.

Im Projektabschnitt Tüßling-Freilassing seien mittlerweile die Planungen für die Zweigleisigkeit in vollem Umfang aufgenommen worden. Entlang der Strecke fanden bereits Vorgespräche mit den Kommunen sowie erste Bürgerinfoveranstaltungen statt, weitere folgen. Und die Elektrifizierung der Stichstrecke nach Burghausen bleibe selbstverständlich unverändert in der Planung.

„Für die Menschen und die Wirtschaft in Südostbayern ist es ein immens wichtiger Schritt, dass der Bund nachgesteuert hat und nun die dringend notwendige durchgängige Zweigleisigkeit zwischen Tüßling und Freilassing festschreibt. Das ist ein klares Bekenntnis zur ABS 38 als Herzstück der südostbayerischen Verkehrsinfrastruktur,“ so Marcel Huber, der auch die Bedeutung der Strecke für die Anbindung an die Adriahäfen Koper und Triest herausstreicht. Der Projektbeirat, dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft sowie Verbänden als Vertretern öffentlicher Belange wie etwa Umweltschutz angehören, habe in diese Richtung gewirkt und sorge für Transparenz und eine offene Planung.

„So, wie die Strecke jetzt geplant ist, ist sie zukunftsfähig“, erklärte abschließend Bahnchef Josel. Auf die Nachfrage zum Fertigstellungstermin nannte Projektleiter Zellmer das Jahr, in dem er in den Ruhestand gehen will: „2030 ist das Ziel.“ Klaus-Dieter Josel sieht aber auch die Möglichkeit zum früheren Abschluss. Was die Kosten betrifft, liegen die Schätzungen für das Gesamtprojekt bei 2,3 Milliarden Euro. Dieses Geld stehe bereit, weil die ABS 38 im Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf festgeschrieben ist.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

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