ABS38: Das bedeutet der Streckenausbau für Garching und das Chemiedreieck

11. Mai 2021

Bahn reagiert auf Kritik in Gemeinderatssitzung – ABS38 soll den Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck einen schnelleren und sichereren Transport ermöglichen

Garching. Nicht lauter, sondern sogar leiser als bisher soll es künftig für die Anwohner der Bahnstrecke Tüßling-Freilassing im Garchinger Gemeindegebiet sein, teilt ein Bahnsprecher auf Nachfrage der Redaktion mit – und reagiert damit auf eine Aussage von Hans Reitinger in der Aprilsitzung des Garchinger Gemeinderats, die Ausbaustrecke ABS38 bedeute für die Anwohner „nichts wie Lärm – Tag und Nacht“. Denn die elektrischen Züge, die die Strecke künftig befahren könnten, seien leiser als die Dieselzüge, die dort aktuell noch unterwegs sind. Güterzüge müssten zudem seit Ende 2020 mit Flüsterbremsen ausgerüstet sein, so dass sich der Schienenlärm halbiere.

Beim Ausbau der Strecke würden die Anwohner auch erstmals einen Schallschutz nach den gesetzlichen Regelungen erhalten, so der Bahnsprecher weiter. „Selbst wenn nach dem Ausbau der Bahnstrecke mehr Züge auf der Strecke fahren, ist also davon auszugehen, dass es künftig leiser sein wird als heute.“ Nach der Vorplanung und einer schalltechnischen Voruntersuchung – beide stellten nur erste Einschätzungen dar – seien drei Schallschutzwände im Gemeindegebiet von Garching vorgesehen: Eine davon voraussichtlich an der Eisenbahnüberführung „AÖ18“ bei Mauerberg, die beiden anderen zu beiden Seiten des Gleises am Bahnhof.

„Im Rahmen der nun beginnenden, detaillierten Entwurfsplanungen legt ein externer Gutachter allerdings erst fest, wo an der Bahnstrecke welche Schutzmaßnahmen genau realisiert werden müssen“, teilt der Bahnsprecher mit. Das Ziel dabei sei, die gesetzlichen Grenzwerte zum Schutz von Anwohnern an der Bahnstrecke künftig einzuhalten. Nach Ausbau der Strecke kann der Zugverkehr im Bereich von Garching laut Bahn mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde in beide Richtungen unterwegs sein. Güterzüge würden aber voraussichtlich höchstens 100 fahren.

Wie viele Züge fahren werden ist noch unklar
Wie viele Züge künftig auf der dann zweigleisigen Strecke fahren werden, das könne man noch nicht im Detail sagen, heißt es von Seiten der Bahn. „Grundlage unserer Planungen ist die Verkehrsprognose des Bundes für 2030“, teilt der Bahnsprecher mit. „Auf dieser Grundlage bauen wir die Infrastruktur so aus, dass tagsüber (6 bis 22 Uhr ) bis zu 90 Züge und nachts (22 bis 6 Uhr) bis zu 50 Züge die Strecke künftig pro Richtung befahren können.“ Wie viele Personenzüge dann tatsächlich auf der Strecke fahren werden, das hänge auch von der Nachfrage ab: Fernverkehrszüge würden in Deutschland eingenwirtschaftlich fahren. Das bedeutet: Je höher die Nachfrage, desto mehr Züge. Dazu kommen noch die Nahverkehrszüge, die laut Bahnsprecher von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft bestellt werden, die dafür auch Gelder vom Bund erhält.

Auch für die Zahl der Güterzüge könne man noch keine sichere Prognose treffen: Diese würden nicht nach festen Fahrplänen fahren. Die Taktung hänge vielmehr auch hier von Angebot und Nachfrage ab. „Zudem unterliegt ihr Aufkommen je nach Wirtschaftskonjunktur auch Schwankungen“, so der Bahnsprecher. Beim Güterverkehr werde die ABS38 den Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck einen schnelleren und sichereren Transport ermöglichen. „Ohne den Umweg über den Knoten München wird der Güterverkehr zum Beispiel schneller zwischen den Seehäfen Rotterdam und Triest verkehren können.“

Laut Bahn profitieren auch die Garchinger direkt von der ABS38: Neben Verbesserungen beim Schallschutz gebe es eine Verbesserung bei der Barrierefreiheit: Die Südostbayernbahn würde den Bahnhof behindertengerecht ausbauen. Außerdem würde durch das zweite Gleis der Regionalverkehr pünktlicher, da die Züge nicht mehr in den Bahnhöfen den Gegenverkehr abwarten müssten. Laut Bahnsprecher ermöglicht der zweigleisige Ausbau mit Elektrifizierung der Strecke auch, den Nahverkehr qualitativ und quantitativ auszubauen. Wie genau das geschehe, das obliege der Bayerischen Eisenbahngesellschaft. Diese könnte aber, so sei denkbar, etwa eine Art S-Bahn zwischen Garching und Salzburg bestellen, so dass man von der Alzgemeinde aus sehr viel schneller ins Zentrum von Salzburg kommen könnte.

Die Heimatzeitung wollte außerdem von der Bahn wissen, ob es am Garchinger Bahnhof nach dem Umbau im Zuge der ABS38-Maßnahme noch Ansprechpartner bei Fragen und Problemen für die Reisenden geben wird. Schließlich soll das Personal, das dort aktuell noch die mechanischen Stellwerke bedient, abgezogen werden, wenn diese durch automatische Stellwerke ersetzt werden. Vor Ort wird es keine Ansprechpartner mehr geben, so ist der Antwort des Bahnsprechers zu entnehmen. Als Ansprechpartner würden den Reisenden vielmehr die Mitarbeiter des Kundendialogs der Südostbayernbahn zur Verfügung stehen, die sie telefonisch, per E-Mail oder per Kontaktformular erreichen könnten.

Bahn betont ihr Interesse, die Bürger zu informieren
In der Bürgerfragestunde in der April-Sitzung des Garchinger Gemeinderats hatte Hans Reitinger, ehemaliger Zweiter Bürgermeister der Alzgemeinde, kritisiert, dass die Garchinger Bürger unzureichend über die geplanten Maßnahmen zur ABS38 und über deren Folgen für Garching informiert seien. Bürgermeister Maik Krieger hatte damals gesagt, dass die Bahn sehr großes Interesse daran habe, die Bürger zu informieren, dass sie sehr mit der aktuellen Situation hadere und wohl lieber heute als morgen eine Informationsveranstaltung in Garching abhalten wolle, was aber wegen der Pandemie derzeit nicht möglich sei.
Im Telefonat mit der Heimatzeitung betonte auch der Leiter des Großprojekts ABS38, Klaus-Peter Zellmer, sein Interesse daran, die Bürger zu informieren und zeigte sich sehr aufgeschlossen gegenüber dem Vorschlag der Redaktion, nachzufühlen, bei welchen Punkten mögliche Informationsdefizite bestehen und die entsprechenden Fragen an die Pressestelle der Bahn weiterzuleiten. Sie würden dann umfassend beantwortet, so die Zusage, die eingehalten wurde, was Grundlage für diesen Artikel war.

Die Bahn verweist außerdem darauf, dass sich Interessierte jederzeit auf der Projektwebsite umfassend im Internet über die Planungen informieren könnten. Unter www.abs38.de/vorplanung-pa03.html findet sich unter anderem eine interaktive Karte mit den wesentlichen Baumaßnahmen für das zweite Gleis sowie zahlreiche Übersichts-, Lage-, und Bauwerkspläne zum Download, zudem eine Kontaktmöglichkeit für Fragen, die bei Bedarf gerne telefonisch von den Projektleitern beantwortet würden.

Die Bahn verweist außerdem darauf, dass bei den bisher abgehaltenen Informationsveranstaltungen die Bürger immer im Vorfeld per Postwurfsendung informiert worden seien, gut 4000 davon seien an Haushalte in Garching gegangen. Sobald das InfoCenter am Mühldorfer Bahnhof wieder öffnen dürfe, könnten Interessierte außerdem dort immer donnerstags von 14 bis 17 Uhr die Pläne in Papierform einsehen und für Rückfragen Sprechstunden mit den Projektleitern buchen.

 

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger/Passauer Neue Presse

Originaldarstellung des Artikels