9. Juni 2018 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Lithium-Ionen-Batterien als Motor der Zukunft im Chemiedreieck?

Hans Steindl will Burghausen mit Batteriefabrik voranbringen - „Vorteile für eine Zellfertigung von Lithium-Ionen-Batterien im bayerischen Chemiedreieck gegenüber anderen Standorten“

Burghausen. Der wirtschaftliche Wohlstand Burghausens beruht nicht zuletzt auf Rohöl und Silizium. Doch während die großen Unternehmen vor Ort bislang ihre Produkte nach der Herstellung großteils in alle Welt verfrachten, hat Bürgermeister Hans Steindl für die Zukunft Neues im Sinn. Er will die Nutzungs- und Wertschöpfungskette vor Ort erweitern. „Sahnestück“ der Pläne könnte eine Batteriefabrik werden.

Weltweit gibt es aktuell nur wenige Industriebereiche, die so hoch gehandelt werden wie die Entwicklung und Produktion von Batteriezellen. Elektro-Autos, E-Bikes und Co. verlangen nach immer mehr und immer leistungsfähigeren Akkus. Das haben nach Jahren des Zuschauens auch die großen Namen der deutschen Wirtschaft und die Bundespolitik erkannt. Wurde über lange Zeit hinweg der schrittweise Komplettausstieg aus dem Batteriegeschäft tatenlos in Kauf genommen, gibt es jetzt eine neue Devise: Deutschland braucht eine eigene Produktion, und das besser gestern als heute.

Erst vor wenigen Tagen hat Siemens bekannt gegeben, dass es bei der europaweit größten Produktionsanlage in Schweden mit einsteigen will. Schon ist die Rede von Ablegern in Deutschland. Auch Mitbewerber verbreiten Goldgräberstimmung.

Die Stadt Burghausen als möglichen Standort einer solchen Batteriefabrik hat Bürgermeister Hans Steindl schon mehrfach ins Spiel gebracht. So sprach er bei der jüngsten Kreistagssitzung Mitte Mai davon, dass passende Grundstücke zur Verfügung stünden.

Im Sinn hat er dabei, wie er jetzt gegenüber der Heimatzeitung ausführt, die noch freien Vorratsflächen unweit des Güterterminals. Potenzial sei genügend vorhanden, sagt Steindl – „günstig und voll erschlossen“. Hinzu käme das mittlerweile nicht mehr benötigte OMV-Kraftwerksareal auf Haiminger Grund. Ideale Voraussetzungen, wie der Bürgermeister findet. Zumal die ansässigen Unternehmen in der weiteren Region jede Menge Anknüpfungspunkte böten: die Wacker Chemie natürlich, die selbst im Bereich der Speichertechnik forscht, aber auch OMV und Linde, welche den Mobilitätsmarkt der Zukunft für sich entdeckt haben.

Bei Wacker selbst hegt man grundsätzlich durchaus Sympathien für eine in Burghausen ansässige Batterieproduktion. Aufgrund „der vorhandenen Infrastruktur“ hätte die Salzachstadt „Vorteile für eine Zellfertigung von Lithium-Ionen-Batterien gegenüber anderen Standorten“, teilt Sprecher Klaus Millrath auf Anfrage mit. „Logistik, Medien- und Energieversorgung sowie gut ausgebildetes Personal“ seien vorhanden.

Mit passenden Grundstücken, Fachkräften und Infrastruktur ist es für Hans Steindl auf der Plus-Seite noch nicht getan. Hinzu kommt für ihn eine mögliche Symbiose mit der bestehenden Produktion. So gebe es einen bislang wegzutransportierenden Reststoff, für den ein Unternehmer bereits Interesse für den Elektrodenbau angemeldet habe. Damit verbunden wäre der Bau einer weiteren Fabrik – und ein höherer Grad an Wertschöpfung in der Region.

Illusionen indes will sich Steindl nicht machen. Es sei klar, dass es im Rennen um eine der begehrten Batteriefabriken bundesweit noch ganz andere potenzielle Kandidaten gebe, der Raum Dresden etwa. „Da darf man sich keine Blütenträume machen.“ Gehe es aber um einen Standort in Bayern, dann müsse Burghausen mit an erster Stelle stehen, so der Bürgermeister, der seine Stadt jetzt vorsorglich schon mal beim Wirtschaftsministerium ins Gespräch bringen will.

Seine Fühler hat auch MdL Günther Knoblauch ausgestreckt. Vor wenigen Tagen hat sich der Abgeordnete mit Chemie-Vertretern und Abgesandten der Firma Terra-E in Nürnberg getroffen. Das Frankfurter Unternehmen hat den Aufbau einer Lithium-Ionen-Serienproduktion im Sinn. Von bis zu 350 Millionen Euro Investition ist Knoblauch zufolge die Rede – wobei das Geld nicht von Terra-E, sondern über Kapitalgeber kommen soll. Die Standortsuche läuft, Knoblauch hofft, Burghausen in die engere Auswahl bringen zu können. Doch sei dabei noch viel Werbung nötig. „Es ist halt so wie immer: Da wird deutschlandweit an jedes Eck gedacht, nur nicht an uns.“

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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