20. November 2018 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Die jungen Meister deutscher Sprache

Mitreißender Wettstreit der Sprachakrobaten beim 14. OMV-Poetry-Slam auf der Burg

Burghausen. Die alten Mauer der Dürnitz verschmolzen am Freitag mit den jungen Meistern deutscher Sprache und den rund 200 Zuschauer zu einer Einheit. Die Worte waren manchmal stark, manchmal sanft. Sie berührten die Herzen, kitzelten die Lachmuskeln. Der Poetry Slam war auch für Gäste, die sich den Dichtern der Moderne erstmals näherten, eine gelungene Chance, sich kurzweilig und abwechslungsreich unterhalten zu lassen.

Dass auch die 14. Ausgabe des OMV-Poetry-Slams wieder einen Strauß unterschiedlichster Gedanken- und Gefühlswelten im Gepäck hatte, ist „Kobylanzky“, dem Vater der deutschen Version amerikanischen Ursprungs, zu verdanken. Der Moderator stellte das Programm zusammen. Der Slam der acht Poeten wurde durch den Applaus des Publikums entschieden. Am Ende gewann den Wettbewerb der 22-jährige Jean-Philipp Kindler, der seit rund drei Jahren fester Bestandteil der Poetry-Szene ist.

Der Bochumer „Jung“ bestach durch seine starke Bühnenpräsenz. Nicht nur er, sondern auch seine zwei Finalkontrahenten entführten die Gäste jeweils in zwei unterschiedliche Welten. So beschrieb er das manchmal gespaltene, letztendlich dann liebevolle Verhältnis zu seinen Eltern. Augenzwinkernd meinte er: „Ihr kennt sie nicht. Sind sehr reflektiert, außer sie sind beim Fußball.“ Der Sprachakrobat verzauberte durch flinke, wohlgefeilte moderne Worte. Worte, die beschrieben, wie ein Gedanke im Poeten wächst und dieser sich durch den Körper auf den Weg macht, um letztendlich als begeisternder Text auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu landen und Menschen in seinen Bann zu ziehen.

Die junge Poeten wie der Grazer Yannik Steinkellner inszenierten Sequenzen ihres Lebens. Er beschrieb eine unglücklichen Liebe: „Lieben macht abhängig. Also fangen sie erst gar nicht damit an.“ Den Vogel schoss der Österreicher ab, als er seinen Lieblingskicker Marco Arnautovic, seines Zeichens eher entrückt, denn verzückt, mit köstlichem schauspielerischen Talent auf die Schippe nahm. Am Ende hatte die rot-weiß-rote Fußballnation „1:1 gewonnen“.

Obwohl Steinkellner mit dem Gustostückerl an Süffisanz den Saal zum Kochen brachte, gewann Kindler mit seinem inneren filigranen Gedankenslalom. Alleine diese Diskrepanz an derart unterschiedlich aufeinanderfolgenden Texten macht den Poetry Slam so unvergleichlich. Schnell muss der Geist der Zuschauer umschalten.

Der dritte Finalist Emil Kaschka faszinierte mit einfühlsamen Worten, die er einem stummen mehrfach eingeschränkten Menschen lieh. Worte, die bewegten, weil sie das Thema Liebe so bewegend und tiefsinnig beschrieben.

Der Poetry Slam dringt mit schöner, moderner, vielleicht etwas anderer deutscher Sprache in die Herzen der Menschen ein. Er bewegt mit einer Sprache, die sich verändert. Etwas, was dem Puristen vielleicht nicht gefallen mag, wohl aber dem Modernisten. Die acht Künstler formulierten gekonnt, trugen pointiert und rhythmisch vor. Wer nun Lust bekommen hat, der sollte sich den 24. Mai vormerken. Dann wird die Dürnitz der Burg erneut zum Land der jungen Dichter.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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