15. März 2018 - Passauer Neue Presse

Wacker Chemie – heuer mit Extra-Bonus

Spitzenzahlen für das Jahr 2017 – Optimistische Prognosen für 2018 – Hohe Investitionen für Burghausen

München/Burghausen. Der Wacker Konzern glänzt nicht nur mit Spitzenzahlen für das Geschäftsjahr 2017, sondern geht auch mit soliden Daten und Optimismus in das laufende Jahr. Die guten Werte finden ihren Widerhall in einem Dividendenvorschlag von 2,50 Euro je Aktie und einem zusätzlichen Sonderbonus von 2 Euro je Aktie. Das entspricht einer Ausschüttung von 224 Millionen Euro. Von den weltweit rund 13 800 Mitarbeitern werden über 8000 am Hauptstandort des Unternehmens, in Burghausen, beschäftigt. 49 677 983 Wacker Stückaktien sind im Umlauf. Bei Redaktionsschluss notierte die Aktie gestern mit 131 Euro. Die Höchstnotierung war heuer bei knapp 175 Euro.

Die Perspektiven für Wacker sind unverändert gut“, resümierte Konzernchef Dr. Rudolf Staudigl jetzt bei der Bilanzpressekonferenz in München: „In allen unseren Geschäftsbereichen ist die Kundennachfrage sehr hoch. Unser Chemiegeschäft wird in diesem Jahr weiter zulegen.“ Insgesamt werde der Konzernumsatz in diesem Jahr zwar nicht mit der gleichen Dynamik wachsen wie 2017, auf der Ergebnisseite rechnet Wacker aber „mit einem deutlichen Plus.“

Der Konzernumsatz ist mit 4,92 Milliarden Euro (2016: 4,63 Mrd) gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozent gesteigert worden. Ausschlaggebend für dieses Plus sind laut Dr. Staudigl höhere Absatzmengen sowohl bei Chemieprodukten als auch bei Polysilicium. Negative Währungseffekte aus dem gegenüber dem US-Dollar stärkeren Euro und in Summe etwas niedrigere Preise konnte Wacker dadurch mehr als ausgleichen.

Im Geschäft mit Polysilicium fehlen dem Konzern seit September des vergangenen Jahres derzeit noch die Erlöse aus Charleston. Dort hatte es, wie berichtet, am neuen Standort in Tennessee, eine schwere Explosion, bedingt durch einen Kolbenbruch in einem Wasserstoffverdichter gegeben.

„Aller Voraussicht nach können wir dort aber schon in einigen Wochen damit beginnen, die Anlagen wieder hochzufahren, erklärte Dr. Staudigl und ergänzte, dass der Materialschaden, aber auch die Handelsausfälle durch Versicherungsleistungen gedeckt seien.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) ist im vergangenen Geschäftsjahr kräftig gewachsen. Es stieg um 26 Prozent auf 423,7 Mio Euro (2016: 337,5 Mio Euro). Das entspricht einer EBIT-Marge von 8,6 Prozent (2016: 7,3 Prozent). Geringere Abschreibungen als im Vorjahr haben das EBIT positiv beeinflusst. Diese beliefen sich 2017 auf 590,4 Mio Euro (2016: 618 Mio Euro).

Das Jahresergebnis des Wacker Konzerns beläuft sich auf 884,8 Mio Euro (2016: 189,3 Mio). Darin enthalten ist das Ergebnis aus nicht fortgeführten Aktivitäten von 634,7 Mio aus dem 1. Quartal 2017. Es umfasst den Gewinn aus dem Abgang von Siltronic als Segment des Wacker-Konzerns sowie den Periodengewinn der Siltronic AG des 1. Quartals 2017.

Im Wettbewerb mit den mittlerweile weltweit verteilten und vor allem in Asien hochdynamischen Standorten wird Burghausen auch im laufenden Jahr seine Position als Schwerpunkt bei Neuinvestitionen und bei Instandhaltungen behaupten – sogar noch mit Zuwächsen.

Der Investitionswert für neue Anlage summiert sich hier im Jahr 2017 auf rund 130 Mio Euro. Heuer soll der Betrag noch darüber liegen, erklärte Auguste Willems, im Vorstand zuständig für die Standorte, in der Bilanzpressekonferenz. Der Aufwand für die technische Instandhaltung der bestehenden Anlagen wird in beiden Jahren in Burghausen jeweils über 200 Millionen Euro liegen.

Bedingt durch die gute Auftragslage bei der benachbarten Siltronic AG, die auch Produktion und Absatz der Silicium Wafer mit kleinerem Durchmesser begünstigten, stagniert außerdem der vor Jahren vereinbarte Personaltransfer in Burghausen. Er werde heuer wohl im einstelligen Bereich liegen, ergänzte Vorstandsmitglied Dr. Christian Hartel. Wacker sucht nach weiteren Mitarbeitern auf dem Arbeitsmarkt. Thematisch zielen die Investitionen in Burghausen heuer auf höhere Wertschöpfung in einem breiten Anwendungsbereich von Siliconen, auf Forschung und Entwicklung, Laborarbeitsplätze , aber auch auf die Optimierung der Logistik. Im vergangenen Jahr hat Wacker in Burghausen seine Polymerproduktion bereits um einen neuen Dispersionsreaktor erweitert. Die Anlage ging im 4. Quartal in Betrieb und hat eine Jahreskapazität von 60 000 Tonnen.

Zur Frage nach dem richtigen, oder eventuell zu früh gewählten Zeitpunkt, sich von einem 21-prozentigen Paket an den 30 Millionen Aktien der Siltronic AG im März des vergangenen Jahres zu trennen, erklärte Dr. Staudigl: Ja, wenn man gewartet hätte, hätte der Ertrag noch höher liegen können, aber erstens lasse sich ein starkes Paket an Aktien nur dann Investoren zu einem guten Preis abgeben, wenn die Käufer noch Wachstumsperspektiven sehen. Und außerdem habe sich durch den Verkauf der Streubesitz der Siltronic-Aktien erhöht, der Kurs stabilisiert. In der Perspektive will Wacker 31 Prozent an der bis zum Börsengang 2015 hundertprozentigen Tochter halten und auf Unternehmensebene die gute und enge Partnerschaft pflegen.

Auf den Weltmärkten will Wacker 2018 trotz des kräftigen Gegenwinds aus der Währung an seine gute Geschäftsentwicklung aus dem Vorjahr anknüpfen und seinen Umsatz im Gesamtjahr um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz steigern. Das EBITDA des Konzerns soll im Vergleich zu 2017 um einen mittleren einstelligen Prozentsatz wachsen.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft wird sich nach Einschätzung von Vorstandsvorsitzendem Dr. Staudigl im Jahr 2018 weiter fortsetzen und beschleunigen. Risiken sieht er weniger in einem aktuell in Politik und Medien zitierten Handelskrieg, als in herbeigeredeten Handelshemmnissen. Er plädierte für einen weiteren Ausbau des freien Handels ganz im Sinne des bis vor gut einem Jahr diskutiertem TTIP. Würden Handelsschranken in jeweils protektionistischer Absicht von verschiedenen Seiten aufgebaut, würde es auf allen Seiten eher Verlierer als Gewinner geben. Dr. Staudigl setzt darauf, dass auch in den USA nach Ende des Wahlkampfes in Pennsylvania die Töne wieder moderater werden.

Der neuen Großen Koalition in Deutschland schreibt der Vorstandsvorsitzende der Wacker Chemie AG ins Stammbuch, die Bedeutung der Forschung für die Entwicklung und Wertschöpfung im Industrieland Deutschland nicht zu verkennen und Investitionen in Forschung und Entwicklung steuerlich zu begünstigen. Nur durch intensive Forschung sei es möglich, im weltweiten Wettbewerb erfolgreich mitzuhalten. Und nicht zuletzt habe Wacker in den vergangenen zehn Jahren ein Steueraufkommen von rund 1,25 Mrd Euro generiert.

In einem vielversprechenden Ansatz forscht die Forschungseinheit Wacker Konsortium seit Jahren an der Entwicklung von  Silicium-Ionen-Batterien und dazu passenden Separator-Folien, die insgesamt wesentlich höhere Leistungen versprechen als herkömmliche Batterie- und Akku-Systeme für Elektrofahrzeuge. Bis zur Serienreife sei noch Arbeit zu leisten, ergänzte dazu Dr. Hartel, aber erste Tests bei Herstellern von Batteriesystemen, bezeichnenderweise in Asien, seien bereits sehr vielversprechend verlaufen.ede

Weitere Details im Internet: www.wacker.com 


Quelle: Passauer Neue Presse

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