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30. Januar 2018 - Alt-Neuöttinger Anzeiger

Mehr als „nur“ eine Werkfeuerwehr

Über 300 Mal rückte die ISG-Werkfeuerwehr im letzten Jahr außerhalb des Werks aus

Burgkirchen.
Ihr Hauptaufgabengebiet ist der Chemiepark Gendorf, doch tatsächlich ist die Feuerwehr des Werks auch außerhalb der Industrieanlagen eine gefragte Expertentruppe. Das zeigt die Bilanz, welche die InfraServ GmbH jetzt für das vergangene Jahr vorlegt. Demnach rückten die Spezialisten mehr als 300 Mal außerhalb des Chemieparks aus, so zu Unfällen, einem Heizölvorfall bei Tyrlaching oder auch zur Unterstützung mit Hubrettungsgerät nach einem Sturmschaden in Burgkirchen.

Gefragt war vor allem der Rettungswagen. Als sogenannter First Responder für den Burgkirchner Bereich gehört er zum festen Bestandteil der Sicherheitsarchitektur rund um die Alzgemeinde. Anders als bei den Freiwilligen Feuerwehren können die Hauptberuflichen innerhalb von 30 bis 40 Sekunden ausrücken. „Wir sind in der Regel sieben bis zwölf Minuten vor dem Eintreffen des Notarztes vor Ort, was in lebensbedrohlichen Situationen entscheidend sein kann“, sagt Martin Siebert, Leiter der ISG-Werksicherheit. Die Kooperation mit dem regulären Rettungsdienst fällt unter Nachbarschaftshilfe.

Aber nicht nur die Nachbarn, auch der Chemiepark profitiert. Jeder Feuerwehrmann ist ausgebildeter Rettungssanitäter, viele haben eine Weiterbildung zum Rettungsassistenten absolviert. Die Einsätze schulen die Kompetenzen der Feuerwehrler: „Routine bei Rettungseinsätzen ist wichtig“, weiß Siebert.

In rund 30 Fällen wurden die Einsatzkräfte zudem über „TUIS“ angefordert. TUIS steht für Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der Chemischen Industrie und bietet Feuerwehren und Polizei bundesweit Unterstützung bei Transport- und Lagerunfällen mit Chemikalien. Deutschlandweit stehen im Rahmen von TUIS 130 Werkfeuerwehren bereit, so auch die Kameraden der Wacker Chemie.

Das Fachwissen aus Gendorf war 2017 unter anderem bei einem Brand einer Halle bei Landshut gefragt, in der Kunstdünger lagerte. Bei Vilshofen gab es einen Wassereinbruch in ein Frachtschiff, das ebenfalls Kunstdünger transportierte. Im Münchner Bahnhof Nord musste wegen eines defekten Waggons eine gefährliche Flüssigkeit umgefüllt werden.

Den wohl am weitesten entfernten und spektakulärsten Einsatz hatten die Gendorfer Feuerwehrler indes an der ungarisch-rumänischen Grenze. Dort stand nach einem Lkw-Unfall ein Gefahrgut-Container Kopf. Die Lage war so verzwickt, dass sich die örtlichen Einsatzkräfte nicht an die Unglücksstelle wagten. Stattdessen wurde über die deutsche Speditionsfirma die ISG-Werkfeuerwehr zu Hilfe gerufen. Die war am 900 Kilometer von Gendorf entfernt gelegenen Einsatzort nicht nur zum Beraten gefragt, sondern auch mit spezieller Ausrüstung. Der Gefahrstoff musste abgepumpt werden, was Sonderarmaturen, spezielle Gaspumpen, Messgeräte und Schläuche notwendig machte. Zwei Wochen dauerte es, bis es wieder nach Hause ging. „Solche spektakulären Hilfeleistungen kommen glücklicherweise selten vor“, betont Martin Siebert.

Die spezielle Ausrüstung der Werkfeuerwehr war auch im Fall eines Supermarkts in Deggendorf gefragt, wo das Team mit Messgeräten anrückte, weil Kältemittel aus Kühlaggregaten ausgetreten war. Im September schließlich entgleiste ein Güterzug bei Garching, der unter Mitwirkung der Werkfeuerwehr wieder auf die Gleise gestellt wurde. Eines stellt Siebert aber klar: „Oberstes Gebot ist immer, die Einsatzbereitschaft für den Chemiepark sicherzustellen. Im Zweifelsfall geht der Schutz des Chemieparks vor.“

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

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