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29. Juni 2017 - Passauer Neue Presse

Bauchemie nach Maß für den Weltmarkt

EuRegio Dialog im BASF-Forschungs- und Entwicklungszentrum für Bauchemie

Trostberg.
Rund 440 Mitarbeiter, darunter sehr viele in akademischen Berufen, beschäftigt die BASF (Bauchemie) Construction Solutions GmbH (BCSG) am Standort Trostberg. Im Branchenvergleich zeichnet sich die Belegschaft mit durchschnittlich 37 Jahren außerdem durch „Jugend“ aus. Das Durchschnittsalter liegt rund zehn Jahre unter dem Branchenschnitt.

Mehr als 280 verschiedene Produkte wie etwa fertig formulierte Betonzusatzmittel, Additive für Spachtelmassen, Gips und Mörtel oder Produkte für die Anwendung bei der Erdöl- und Erdgasgewinnung werden in Trostberg „rund um die Uhr“, also im Drei-Schicht-Betrieb an 365 Tagen im Jahr, produziert.

Zum Geschäftsmodel „Customer first“, also „Kunde zuerst“ gehört auch, dass jährlich rund 1000 spezielle Rezepturen für Kunden aus der Betonbranche erarbeitet werden, um Betonmischungen zu erlauben, die exakt den Anforderungen entsprechen und das nicht nur in chemischer, sondern auch in physikalischer Hinsicht, etwa dass eine bestimmte Mischung über einen definierten Zeitraum gut flüssig bleibt und gut in große Höhen gepumpt werden kann.

Knowhow und Produkte der Experten aus Trostberg stecken nicht nur im Hochhaus „Burj al Khalifa“ in Dubai oder im „One World Center“ in New York, sondern auch im aktuell größten Solarkraftwerk der Welt in Ouarzazate in Marokko. (Heimatwirtschaft berichtete.)

Entstanden ist die BASF Construction Solutions GmbH in Trostberg durch Übernahme der Bauchemie aus der Degussa bzw aus dem Geschäftsbereich der ehemaligen SKW sowie einigen Umstrukturierungen in den vergangenen elf Jahren. Außer dem Hauptstandort Trostberg hat die GmbH auch noch je einen Standort in Staßfurt und in Mannheim sowie eine Gesamtbelegschaft von rund 570 Mitarbeitern.

Aktuell war die BCSG nun Gastgeber des zweiten Unternehmer-Dialogs der EuRegio Salzburg – Berchtesgadener land – Traunstein in diesem Jahr. Trostberg mit rund 12 000 Einwohnern, einschließlich der Zweitwohnsitze, als einen der Eckpfeiler im Bayerischen Chemiedreieck, stellten sowohl Bürgermeister Karl Schleid sowie Standortleiter Erich Lackner vor. Das Industriezeitalter in der chemischen Industrie im südöstlichen Oberbayern begann 1908 in Trostberg mit den Bayerischen Stickstoff-Werken.

Die BASF hatte bereits damals Interesse am Standort gezeigt, kam jedoch nicht zum Zug. Burghausen, Töging und zuletzt Burgkirchen folgten erst später auf dem Weg in die Industrialisierung. Erst im Jahr 2006 wurde wahr, was bereits über 100 Jahre zuvor geprüft worden war: BASF übernahm den Geschäftsbereich der damaligen Degussa Bauchemie und fasste nun in Trostberg Fuß.

Im Chemiepark Trostberg nutzt die BASF als größtes Chemieunternehmen weltweit rund 20 Prozent der Anlagen, etwa 80 Prozent entfallen zum weitaus größten Teil auf AlzChem und zu einem geringen Teil auf Evonik. Die Niederlassung in Trostberg ist zugleich einer von insgesamt zwölf Forschungsstandorten der BASF weltweit.

Am Mehrbereichsstandort Trostberg der BASF sind die Bereiche Bauchemie, Dispersionen und Pigmente, Veredelungschemikalien, Material- und Systemforschung sowie Globaler Gewerblicher Rechtschutz vertreten. Diese globale Kompetenz beschert der BASF in Trostberg ein kontinuierliches Wachstum.

Rund 150 Mio Euro hat BASF in der jüngsten Vergangenheit in Trostberg investiert, davon rund 100 Mio Euro in Produktionsanlagen. Aktuell in Bau ist ein neues Labor für Spritzbeton-Aktivitäten.

„Da wir am Standort Trostberg die komplette Wertschöpfungskette von der Forschung bis zum Verkauf angesiedelt haben, können wir sehr schnell auf alle Marktanforderung reagieren“, freut sich Erich Lackner. Diesen Erfolg führt Lackner auch auf die Beschaffung vieler Rohstoffe aus der Region zurück, was die Versorgungssicherheit deutlich erhöhe und die Frachtkosten reduziere. Vom Jahresbedarf im Umfang von rund 73 000 Tonnen Rohstoffen werden rund 24 Prozent von benachbarten Unternehmen im Chemiedreieck gekauft.

Sowohl optisch als auch von der Grundkonzeption ein Höhepunkt ist das BASF-Forschungs- und Entwicklungszentrum, das die Gäste aus dem bayerisch-Salzburger Grenzraum beim Betriebsrundgang besichtigen konnten. In den Labors wurden im Detail die Entwicklungsprozesse für Betonzusatzmittel und Additive erläutert. Eine kleine Versuchsreihe mit Zusatzstoffen zur Verflüssigung und zur Verfestigung von Beton rundeten den informativen Nachmittag ab.

Gastgeber des dritten EuRegio Dialogs 2017 ist am 20. Juli Senoplast Klepsch & Co GmbH in Piesendorf südlich von Zell am See.

Quelle: Passauer Neue Presse

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