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29. April 2017 - Burghauser Anzeiger

Auf diese Wehr ist Verlass

Die Wacker-Werkfeuerwehr feiert am 1. Mai 100-jähriges Jubiläum – Rückblick auf eine intensive Zeit

Burghausen.
Es ist dieses beruhigende Gefühl, das sich bei Werkleiter Dr. Dieter Gilles und dem ganze Wacker-Werk breit macht, wenn sie an die Werkfeuerwehr denken. Die Sicherheit, dass sie da ist, egal was passiert. Am 1. Mai ist sie das seit 100 Jahren. Darum auch der Slogan für das Jubiläum der Wehr: „100 Jahre Vertrauen: Wacker-Werkfeuerwehr – 100 Jahre löschen, bergen, retten, schützen.“

Angefangen hat sie 1917 als kleine Fabriksfeuerwehr. Damals zählte die Brandschutz- und Notfalleinrichtung gerade einmal 52 freiwillige Mitglieder. Sie hatten eine Handspritze, eine mechanische Schiebeleiter und einen Schlauchwagen mit 300 Meter Hanfschlauch sowie 30 Handfeuerlöscher. Im Jahr 1919 erfolgte dann der Beitritt zum Landesfeuerwehrverband. 1920 kam die erste Motorspritze. Die musste noch mit Lastwagen oder Pferdegespannen zu den Einsätzen manövriert werden. Schritt für Schritt wurden Gerätepark, Sanitäts- und Rettungszug und erste Feuerwehrwache aufgebaut.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen neue Aufgaben auf die Burghauser Wacker-Wehr zu. Die Feuerwehrler mussten nicht mehr nur für Brand- und Unfallschutz sorgen, das Werk musste zudem vor Luftangriffen geschützt werden.

Im Jahr 1948 begann mit der Gründung der Berufsfeuerwehr ein neuer Abschnitt in der Historie. Gleichzeitig führte man den 24-Stunden-Dienst ein, der eine Werksüberwachung rund um die Uhr ermöglichte. 21 hauptberufliche Feuerwehrkräfte und über 90 Freiwillige waren aktiv.

1957 wurde die Wehr noch größer und moderner: Es gab einen Neubau der Feuerwache mit Einsatzzentrale und großzügiger Fahrzeughalle. Fast 40 Jahre dienten diese Räumlichkeiten, bis sie von 1995 bis 1997 erneut von Grund auf saniert wurden. 2005 wurde die Wacker-Werkfeuerwehr in den Werkfeuerwehrverband Bayern aufgenommen. Ein stetig wachsendes Werk und immer strengere Sicherheitsanforderungen erweiterten das Aufgabengebiet der Werkfeuerwehrleute im Lauf der Jahrzehnte.

Heute hat die Werkfeuerwehr eine Ausrüstung, einen Fuhrpark und ein Fachwissen, von dem viele kleine Wehren in der Umgebung nur träumen können. Im Ernstfall profitieren die umliegenden Gemeinden vom großen Bruder im Wacker-Werk, der sie selbstverständlich bei Einsätzen außerhalb des Werks unterstützt. Und auch die übrigen Wacker-Niederlassungen können auf die Wehr vertrauen. Die Feuerwehrleute unterstützen die Standorte mit Fachwissen und führen regelmäßig Qualitätsaudits durch. Seit 2017 wird der drei Jahre dauernde Lehrberuf „Werkfeuerwehrfrau/-mann“ angeboten.

Brandschutzprüfungen, regelmäßige Alarmübungen, Mitarbeiterunterweisungen, Ausrüstungswartungen: So sieht der Alltag der derzeit 78 Berufsfeuerwehrleute am Standort Burghausen aus. Etwa 650 Mal im Jahr wird es für sie ernst. Dann rücken sie aus – und man kann darauf vertrauen, dass sie das schon machen.


„Da gehört Glück dazu“ - Das macht ein Werkfeuerwehr-Leiter

Burghausen.
Die Nacht steckt Wolfgang Niederbauer noch in den Knochen. Einsatz um drei Uhr morgens. Nicht jedoch bei der Werkfeuerwehr, sondern bei der Freiwilligen Feuerwehr Freilassing.

Wolfgang Niederbauers Leben besteht eigentlich nur aus Feuerwehr. Tagsüber leitet er die Wacker-Werkfeuerwehr. In seiner Freizeit engagiert er sich in seiner Heimatwehr in Freilassig. Sogar Kreisbrandmeister war er dort.

Der 56-jährige Wolfgang Niederbauer ist seit 2007 Leiter derFeuerwehr am Standort Burghausen. „Es war nie mein Plan, Chef zu werden. Da gehört immer viel Glück dazu“, sagt Niederbauer. In seiner Position löscht er die Brände zwar nicht mehr selbst, dafür hat er mehr Verantwortung und mehr Einfluss. Ist der Einsatzleiter und koordiniert viel mit den Werkleitern. Allerdings, und das vermisst er schon, hat er jetzt einen normalen Bürojob. Die schönen 24-Stunden-Schichten sind passé.

Dafür hat Niederbauer besondere Aufgaben. Er war im Rahmen von TUIS (Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssytem) schon in Frankreich, der Schweiz oder Holland. Denn gibt es in Europa irgendwo Unfälle mit Wacker-Chemikalien, ist das Burghauser Fachwissen gefragt und die Verantwortlichen müssen zum Ort des Geschehens reisen. Ein paar Mal im Jahr unterstützt seine Wehr auch die umliegenden Feuerwehren als Nachbarschaftshilfe. Beispiel: Die Flutkatastrophe in Simbach und Unfälle mit Chemiegütern auf den umliegenden Autobahnen.

Und freilich ist er auch oft mit der Freiwilligen Feuerwehr Burghausen in Kontakt. Sie arbeiten bei der Ausbildung seiner Werkfeuerwehrleute zusammen, stellen die Räume. Einmal im Jahr machen sie und die umliegenden Wehren eine gemeinsame Übung. (Die nächste findet am 7. Mai statt). Bei diesen Übungen kommt dann das halbe Werk zusammen, denn viele Wackerianer und auch viele seiner Leute sind bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sie arbeiten dann gemeinsam, damit Löschen, Bergen, Retten und Schützen auch in Zukunft reibungslos funktioniert.


Zwischen Einsatz und Alltag_ Stefan Bürgermeister erklärt, wie eine 24-Stunden-Schicht abläuft

Burghausen.
„Ich habe mich schon immer für die Feuerwehr interessiert“, sagt Stefan Bürgermeister. In seiner Arbeitskleidung sitzt er im Besprechungsraum der Werk-Feuerwehr und strahlt. Seine Augen leuchten, wenn er von seiner Arbeit spricht. Schon als Jugendlicher war er bei der Freiwilligen Feuerwehr Raitenhaslach, 2005 dann hat er eine Lehre bei Wacker gemacht. Seit 2010 ist der 29-Jährige bei der Werkfeuerwehr. Für Stefan Bürgermeister ist damit ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Ein Traum mit ständigem Risiko. „Ich helfe gerne anderen Menschen in Situationen, in denen sie es selbst nicht mehr können“, sagt er. „Das macht den Reiz der Arbeit aus: In Situationen zu kommen, die nicht alltäglich sind. Und dazu kommt die ganze Technik.“

Wie oft es zu Einsätzen kommt, sei ganz unterschiedlich. „Wir haben mal einen Tag, da ist gar nichts. Dann gibt es Tage mit fünf bis acht Einsätzen.“ Im Jahr müssten sie um die 650 Mal ausrücken.

Aber nicht nur die Menge an Einsätzen unterscheidet die Arbeit als Werkfeuerwehrler mit der bei der Freiwilligen Feuerwehr. Bei Bränden sei das Vorgehen gleich, aber Verkehrssicherung und technische Hilfeleistung sei in einem Werk nicht so oft gefragt. Dafür geht es hier viel um Chemie. Extra Fortbildungen hat der junge Burghauser Stadtrat in diesem Bereich absolviert, damit er richtig handeln kann, wenn chemische Stoffe austreten.

Stefan Bürgermeisters Dienstplan unterscheidet sich stark von denen der meisten Wacker-Mitarbeiter. Zehn Mal im Monat arbeitet er 24 Stunden am Stück. „Ich finde, das ist ein schönes Modell. Ich habe viel frei. Das möchte ich nicht missen“, sagt er. Tagsüber sind er und seine Kollegen in den Werkstätten. Sie kümmern sich um die Atemschutzgeräte, zeichnen Pläne, warten die Löschanlagen. Dann geht es in den Bereitschaftsdienst. Im eigenen Fitnessraum machen sie Dienstsport, ratschen miteinander oder schauen Fern. „Aber Einsätze mache ich am Liebsten“, sagt der Vollblut-Feuerwehrler.

Auch mit der Familie sei das 24-Stunden Arbeitsmodell recht gut vereinbar, findet der 29-Jährige. Vor zwei Wochen ist Stefan Bürgermeister Papa geworden. Ein wenig stressig sei es jetzt schon. Das dürfte aber nicht nur am Job liegen.

Quelle: Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger

Originaldarstellung des Artikels

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