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28. Oktober 2017 - Passauer Neu Presse

Neues Kraftpaket für den Chemiepark

Kraft-Wärme-Kopplungsanlage modernisiert – Mit 35 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in der Geschichte der InfraServ Gendorf

Burgkirchen.
Als krönender Abschluss zur unfallfreien Bauzeit und erfolgreichen Inbetriebnahme des modernisierten Kraftwerks im Chemiepark Gendorf hat es gestern einen Festakt mit vielen Ehrengästen gegeben. Dabei wurde die mit über 35 Millionen Euro größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte von InfraServ Gendorf gefeiert.

Der Standortbetreiber modernisierte die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (KWK) im Chemiepark bei laufendem Betrieb und innerhalb bestehender Gebäudestrukturen. Zweieinhalb Jahre dauerte die Planungsphase des Projekts, dessen Umsetzung im Sommer 2016 begann. Ein Jahr später war es vollendet.

Zu den Maßnahmen zählen die Anschaffung der Gasturbine, die Modernisierung des Abhitzekessels und die Installation einer neuen Dampfturbine. Darüber hinaus entstand eine neue Messwarte neben dem Kraftwerksgebäude. Die neuen Anlagen sind genau für den Bedarf des Chemieparks dimensioniert und die neue Gasturbine erlaubt eine flexible Stromerzeugung je nach aktueller Auslastung. Das modernisierte Kraftwerk bietet die Voraussetzung, auch in Zukunft Standortunternehmen günstig und zuverlässig mit Strom, Dampf, Sauerstoff oder Druckluft zu versorgen. Damit ist das Kraftwerk als Herzstück der Versorgung ein wesentlicher Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Chemieparks.

Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen stellen mit Wirkungsgraden von über 80 Prozent die effizientesten konventionellen Kraftwerke dar. Gegenwärtig arbeitet das KWK-Kraftwerk im Chemiepark Gendorf mit 85 Prozent Wirkungsgrad, aber damit ist das Ende der Fahnenstange vermutlich noch nicht erreicht. Weil noch nicht alle Abläufe optimiert sind, wird sich der Wirkungsgrad in Zukunft noch etwas verbessern. Das erwarten die Ingenieure. Das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage: Die Gasturbine treibt einen Generator an und stellt dadurch elektrischen Strom her. Im nachfolgenden Kessel wird die Wärme der Rauchgase in Prozesswärme gewandelt, um in einer Dampfturbine wiederum Strom zu erzeugen, bevor die Wärme ins Netz des Standortes geleitet wird.

Nur mit Förderung wirtschaftlich
„Alle nützlichen Dinge kommen in die Jahre“, blickte Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf zurück. So war es auch bei der Gasturbine, dem Herzstück der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage des Kraftwerks im Chemiepark Gendorf. Die alte Gasturbine aus dem Jahr 2002 hatte ihr Lebensende erreicht. Mit 116 242 Betriebsstunden und mehr als 4,5 Milliarden Kilowattstunden an erzeugtem Strom war die in Gendorf stehende Siemens-Gasturbine vom Typ SGT-800 der weltweite Rekordhalter dieses Typs. Die InfraServ Gendorf entschied sich für die große und teuerste Lösung mit umfassender Modernisierung der gesamten KWK-Anlage. „Diese große Lösung ist nur durch die Inanspruchnahme der KWK-Förderung wirtschaftlich“, hob der Geschäftsleiter hervor.

Bei der Verwirklichung galt es drei große Herausforderungen zu meistern: Zum Zeitpunkt der Entscheidung befanden sich die hierfür wichtigen Gesetze der Energiewirtschaft in der Novellierungsphase mit ungewissem Ausgang, noch dazu bei einer unklaren Haltung der EU. Die zweite Herausforderung: Bauen im Bestand – viel aufwändiger als ein Neubau. Drittens durfte der laufende Betrieb des Kraftwerks nicht gestört werden. Die wirtschaftlichen Folgen einer Störung der Energieversorgung im Chemiepark wären nicht akzeptabel gewesen.

Der straffe Zeitplan von gut zwei Jahren war unabdingbar, weil die Inbetriebnahme unter allen Umständen vor dem Stichtag 31. Dezember 2017 erfolgen musste. Sonst hätte es keine KWK-Förderung gegeben. Dr. Langhammer teilte am Ende seiner Festrede reichlich Lob an alle Beteiligten aus. An die anwesenden Politiker unter den Ehrengästen wandte sich der Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf mit der Bitte, die Chemieparks nicht durch das Wahrnehmungsraster der Politik fallen zu lassen. Chemieparks sind laut Dr. Langhammer Teil der Erfolgsgeschichte der chemischen Industrie in Deutschland. Doch das Modell funktioniere nur, wenn Chemiepark-Betreiber nicht schlechter gestellt seien als die produzierenden Einheiten.

Meilenstein erreicht
Als Beispiel nannte Dr. Langhammer das Netzentgeltmodernisierungsgesetz: „In letzter Minute wurde ein Punkt aufgenommen, der Chemiepark-Betreiber hart trifft. Die Offshore-Umlage soll gemäß der KWK-G-Umlage abgegolten werden. Dies bedeutet, dass nur noch Unternehmen mit besonderer Ausgleichsregelung eine reduzierte Umlage zahlen müssen. Chemiepark-Betreiber müssen ab 2019 sowohl die KWK-G- als auch die Offshore-Umlage voll bezahlen und im Moment geht man davon aus, dass dies den Strom aus KWK-Anlagen um rund neun Euro pro Megawattstunde im Vergleich zu den Privilegierten verteuert. Die Folge ist, dass die Medien, die am Standort verkauft werden, für alle teurer werden und sich deshalb die privilegierten Unternehmen zunehmend überlegen, ob sie die Medien selbst herstellen sollen.“ Dies gefährde das Erfolgsmodell Chemiepark, warnte der Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf.

In einer Videobotschaft lobte die Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Ilse Aigner, die InfraServ Gendorf, die mit der Kraftwerksmodernisierung einen Meilenstein erreicht und ein positives Signal im gesamten Chemiedreieck gesetzt habe. Ilse Aigner wünschte viele Nachahmer.

Der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer stellte fest, energieintensive Unternehmen hätten es in Deutschland nicht leicht. Zwar sei die Energiewende unumkehrbar, doch die Politik müsse die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit des Stroms im Blick behalten. MdB Stephan Mayer bedauerte, dass die Bedeutung der Chemieparks von der Politik nicht voll erkannt werde. Jedoch sei in der vergangenen Legislaturperiode in der Energiepolitik Respektables erreicht worden.

Landrat Erwin Schneider gratulierte der InfraServ Gendorf zur Rekordinvestition in die Infrastruktur. Diese Art von Investitionen mag der Landrat am liebsten. Immerhin lebe der Landkreis von Infrastruktur-Investitionen, die vor rund 100 Jahren getätigt worden seien. Die heutige Energiepolitik nannte der Landrat „nicht immer logisch“.

Bürgermeister Johann Krichenbauer nannte die Investitionsentscheidung der InfraServ Gendorf „ein Bekenntnis zum Standort Burgkirchen“. Der Bürgermeister dankte allen Beteiligten. Weil die Industriegemeinde untrennbar mit dem Chemiepark verbunden sei, sei Burgkirchen bestrebt, gute Rahmenbedingungen zu schaffen.ge

ZAHLEN & FAKTEN
Gasturbine: Fabrikat: Siemens SGT-800. Leistung: 47,8 Megawatt elektrisch. Gewicht von Turbine und Generator: 109 Tonnen. Drehzahl: 6608 Umdrehungen pro Minute.

Abhitzekessel: Kapazität: 115 Tonnen pro Stunde Hochdruckdampf. 7,7 Tonnen pro Stunde Niederdruckdampf. Jahresdampfversorgung: 850 000 Tonnen.

Dampfturbine: Fabrikat: MAN Turbo Marc 4-B10. Dampfdurchsatz: 120 Tonnen pro Stunde. Wirkleistung: 15,8 Megawatt elektrisch. Gewicht von Turbine, Getriebe, Generator: 72 Tonnen.

Länge Rohrleitungsnetz: 1700 Meter (neu verlegt). Wanddicke der Rohre: bis zu 20 Millimeter.

Weitere Informationen im Internet unter: www.infraserv.gendorf.de/kraftwerk.

Quelle: Passauer Neue Presse

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