ChemDelta Bavaria - Titelbild

28. September 2017 - Passauer Neu Presse

SKW: Insolvenz – Hauptversammlung vertagt

Insolvenzantrag als Reaktion auf Angebot der MCGM zum Forderungskauf der hochverschuldeten AG

München.
Der Konflikt zwischen Management der SKW und der Investorengruppe MCGN und weiterer Aktionäre ist eskaliert, die Hauptversammlung, zu der nun für 10. Oktober eingeladen war, erneut abgesagt.

Die MCGM (Management & Capital Group) GmbH hat laut eigenen Angaben „mit einer renommierten deutschen Vermögensverwaltung“ am Montag bei den Kreditgebern der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG ein „Angebot mitsamt Finanzierungsbestätigung hinsichtlich des Erwerbs der Bankverschuldung aus dem Konsortialkreditvertrag der SKW-Gruppe eingereicht.“

Das Management der SKW hat gestern, wie angedroht, falls der Management-Vorschlag eines Forderungsverkaufs an die amerikanische Speyseide-Gruppe nicht angenommen werde, den Antrag auf ein Insolvenzplanverfahren in Eigenregie gestellt. (Heimatwirtschaft berichtete in den jüngsten Ausgaben mehrmals über die Eskalation des Streits. Die SKW ist als Ausgliederung der traditionsreichen SKW Trostberg AG in der Region zwar nicht mehr mit Produktion oder Niederlassung, dafür aber mit vielen Kleinaktionären vertreten. Sie hatten auf den guten Namen des vor über 100 Jahren gegründeten Traditionsunternehmens und den Bedarf an hochwertigen Produkten für die Produktion von Qualitätsstahl beim Börsengang vertraut.)

Das Konzept der MCGM unfasst laut Unternehmensnachricht „die vollständige Übernahme der Forderungen der Kreditgeber sowie eine anschließende nachhaltige Umfinanzierung der SKW mitsamt Möglichkeit zur Partizipation der bestehenden Aktionäre“.

Die „rechtssichere und verbindliche Umsetzung“ sei bis zur Hauptversammlung am 10. Oktober realisierbar, betont MCGM. Nach der angestrebten Übernahme der Kreditforderungen sei aktuell beabsichtigt, eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten für bestehende Aktionäre mit einem Backstop durch Ankerinvestoren durchzuführen – wie mit dem Ergänzungsverlangen der MCGM und weiterer Aktionäre bereits vorgeschlagen. (Heimatwirtschaft berichtete)

(Klein-)Aktionäre aus der Region könnten sich mit diesem Konzept durchaus anfreunden, wie die Heimatwirtschaft erfährt, zumal sie im Modell des Forderungsverkaufs an die Investorengruppe Speyside zwar einen Weiterbestand der Produktionsstandorte im Ausland sehen, aber zugleich einen Totalverlust ihrer Anteile befürchten.

„Gemeinsam mit einem Forderungsverzicht der Banken“ ermögliche das neue Finanzierungs- und Umschuldungsmodell „die nachhaltige und tragfähige Reduzierung der Verschuldung der SKW-Gruppe und bietet nach Überzeugung der MCGM den Aktionären wesentlich bessere Konditionen und Chancen als der von Vorstand Michel und Aufsichtsräten der SKW präferierte Speyside-Deal,“ formuliert die Investorengruppe in einer Presse-Meldung.

Der Vorstand der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG reagiert mit einem Antrag beim zuständigen Amtsgericht München auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Ziel sei, die finanzielle Sanierung der Holdinggesellschaft mit ihren 13 Beschäftigten in einem Schutzschirmverfahren. Die operativen Tochtergesellschaften seien von dem Insolvenzantrag nicht betroffen. Das operative Geschäft der SKW-Gruppe laufe weltweit weiter.

Den Insolvenzantrag bezeichnet das Management als erforderlich, weil die Aktionärin MCGM GmbH, deren Geschäftsführer Dr. Olaf Marx zugleich Mitglied des Aufsichtsrats der SKW Stahl-Metallurgie Holding AG ist, das vom Vorstand ausgearbeitete Konzept des Investors Speyside Equity blockiere.

Der Vorstand gehe davon davon aus, dass das Konzept auf der ursprünglich für den 10. Oktober angesetzten Hauptversammlung nicht die erforderliche Mehrheit erhalten werde. Damit sei die positive Fortführungsprognose für die bilanziell überschuldete Gesellschaft entfallen und der Vorstand habe Insolvenz einleiten müssen. Das Management sieht auch keine „tragfähigen und erfolgsversprechenden Alternativangebote“ für eine finanzielle Restrukturierung. Aufgrund des nun eingeleiteten Insolvenzverfahrens wird die für den 10. Oktober angesetzte Hauptversammlung abgesagt.

Das beantragte Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung ist ein Verfahren, das auf die Fortführung eines Unternehmens ausgerichtet ist. Es ermöglicht, einen Insolvenzplan auszuarbeiten, der die erforderlichen Sanierungsschritte und deren Umsetzung exakt festlegt. Der Erwerb der Forderungen durch Speyside Equity ist laut SKW Management unabhängig von der Durchführung einer Hauptversammlung und dem nunmehr eingeleiteten Insolvenzverfahren.

Quelle: Passauer Neue Presse

Originaldarstellung des Artikels


zur Übersicht